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Lehrbuch der Psychotraumatologie
 
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Lehrbuch der Psychotraumatologie [Gebundene Ausgabe]

Gottfried Fischer , Peter Riedesser
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
  • Verlag: UTB, Stuttgart; Auflage: 4., aktual. u. erw. Aufl. (20. Mai 2009)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3825281655
  • ISBN-13: 978-3825281656
  • Größe und/oder Gewicht: 24,5 x 17,9 x 2,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 111.533 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Trauma als Deutungsmuster?

Zwei neue Publikationen

Eine grosse Verantwortung nimmt auf sich, wer den Anspruch erhebt, das Trauma als ein «kulturelles Deutungsmuster» zu diskutieren. Der von Elisabeth Bronfen, Birgit Erdle und Sigrid Weigel herausgegebene Band will, Klappentext und Einleitung gemäss, dem erkannt Problematischen dieser Ausweitung des originär psychopathologischen Begriffs durch «Differenzierung» begegnen. Hinsichtlich der behandelten Gegenstände wird dies sicher eingelöst: der Holocaust und die Stätten des Gedenkens; Kriegstraumata und Literatur; Trauma im Film, in der Musik und in der Philosophie. Stellenweise dringt auch durch, dass der Traumabegriff selbst da, wo er besonders massiv seine Relevanz zu beschwören scheint, an der Verschüttung und Isolierung dessen, worum es in ihm geht, mitarbeitet. In dem, was Daniel Libeskind und Birgit R. Erdle über das Jüdische Museum in Berlin oder über eine geplante «Urbanisierung» ehemaliger Wohnstätten für SS-Leute nahe dem KZ Sachsenhausen schreiben, oder in Dan Bar-Ons Bericht über den Umgang mit Kriegstraumatisierten in der israelischen Armee wird spürbar Reales umkreist. Wenn indes Manfred Weinberg die Platonische Lehre von göttlicher Idee und menschlich partialer Wiedererinnerung als eine Art Urtrauma der Philosophie beschreibt, ist die Frage nach dem Erkenntnisgewinn einer solchen Reformulierung (die vielleicht nur eine Selbstanwendung des Platonismus ist) unabweisbar.

Der Vielfalt der Gegenstände entspricht nicht die begriffliche Differenzierung. Hier lässt der Band viele Fragen offen, ja stellt sie erst gar nicht. Wenn Alexander García Düttmann auf Levinas eingeht, dann hätte man sich ein klares Wort dazu gewünscht, was das Verständnis von Trauma bei diesem jüdischen Denker von anderen «Diskursivierungen» des Begriffs unterscheidet. Schliesslich skizziert Levinas eine allgemeine Theorie eines immer schon traumatisierten Subjekts: Anders als dadurch, dass der Andere in mich eindringt, dass ich von ihm besessen bin und verfolgt werde, kann ich als ethisches Subjekt gar nicht sein. Im Unterschied zur Psychopathologie behandelt Levinas das Trauma nicht als spezifisches Ereignis, das dem einen widerfährt, dem anderen nicht, sondern als Strukturmoment ethischer Subjektivität. Doch diese Höhe des Problems wird im vorliegenden Band nicht erreicht.

Ganz abgesehen davon wäre es den meisten Autoren des Sammelbandes anzuraten, sich in psychoanalytischer, aber auch in medizinischer und psychiatrischer Theorie auf den angemessenen Stand zu bringen. Das «Lehrbuch der Psychotraumatologie» von Gottfried Fischer und Peter Riedesser lässt in dieser Hinsicht keine Wünsche offen. Trotz einer dominanten Verankerung in der Freudschen und nachfreudianischen Psychoanalyse (Bowlby, Winnicott, Horowitz) werden auch behavioristische und lerntheoretische Theorien und Therapieansätze (z. B. Piaget) berücksichtigt. Die Autoren vertreten das Modell einer «Systemhierarchie» der Wirkungsfelder des Traumas, das dieses bis hin zu somatischen oder neurophysiologischen Symptomen zu verfolgen erlaubt und Reduktionen berücksichtigt, ohne selbst reduktionistisch zu verfahren.

Hans-Dieter Gondek

Perlentaucher.de

Pressenotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 05.04.2000
In einer Doppelrezension befasst sich Hans-Dieter Gondek mit zwei Bücher zum Thema "Trauma" bzw. "Psychotraumatologie".
1) Elisabeth Bronfen, Birgit R. Erdle und Sigrid Weigel (Hrsg.): "Trauma – Zwischen Psychoanalyse und kulturellem Deutungsmuster". (Böhlau-Verlag)
Dieser Band hält nach Ansicht Hans-Dieter Gondeks nicht in jedem Punkt, was er verspricht. Die Ausweitung des "originär psychopathologischen" Begriffs Trauma auf ein "kulturelles Deutungsmuster" findet Gondek grundsätzlich problematisch. Zwar begegnen die Autorinnen, wie Gondek einräumt, diesem Vorbehalt teilweise durch eine Differenzierung vor allem in Bezug auf den Holocaust, Film, Musik und Philosophie. Bei genauerer Betrachtung erweise sich jedoch, dass die begriffliche Differenzierung, beispielsweise in Bezug auf das spezielle Verständnis eines Traumas bei Levinas, nicht ausreichend herausgearbeitet sei. Fragen dieser Art werden nach Gondeks Ansicht in dem Buch gar nicht gestellt. Abgesehen davon merkt er an, dass die Autoren sich – wie er findet – in "psychoanalytischer, aber auch in medizinischer und psychiatrischer Theorie" nicht auf dem neuesten Stand befinden.
2) Gottfried Fischer und Peter Riedesser: "Lehrbuch der Psychotraumatologie". (Verlag Ernst Reinhardt)
Auf diesen Band geht Hans-Dieter Gondek nur mit wenigen Worten ein, merkt aber an, dass – anders als im Band "Trauma – Zwischen Psychoanalyse und kulturellem Deutungsmuster" sich die Autoren hier durchaus auf dem neuesten Stand der Forschung befinden. Darüber hinaus lobt er, dass – obwohl die Nähe der Autoren zu Freud und der "nachfreudianischen Psychoanalyse" unübersehbar sei - auch "behavioristische und lerntheoretische Theorien" berücksichtigt werden.

© Perlentaucher Medien GmbH

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
24 von 26 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
empfehlenswert 25. Dezember 1999
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Das Lehrbuch der Psychotraumatologie von Gottfried Fischer und Peter Riedesser ist äußerst empfehlenswert. Die deutsche Forschung hat seelische Verletzungen bisher eher wenig beachtet - im Gegensatz zur Situation in den Vereinigten Staaten, wo vor allem der Vietnam Krieg zu intensiverer Befassung damit führte. Das Werk ist ein großer Schritt dahin, die Psychotraumatologie aus ihrem Schattendasein hinauszuführen. Der Begriff Psychotraumatologie - psychologische und psychosomatische Traumatologie - wurde von den beiden Autoren neu geprägt, in Abgrenzung zur chirurgischen Traumatologie. Das Lehrbuch ist eine umfassende Darstellung sämtlicher Aspekte, sehr gut strukturiert und höchst informativ. Nach dem allgemeinen Teil über Verlaufsmodelle und Therapie geht es um die spezielle Traumatologie mit Kapiteln über Holocaust, Folter und Exil, Kindheitstrauma, Vergewaltigung, Gewaltkriminalität etc. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Das Werk von Fischer / Riedesser ist ein gutes Übersichtswerk zum Thema Psychotraumatologie. Sehr verständlich (auch für Nicht-Experten) aber dennoch wissenschaftlich fundiert geben sie einen guten und allumfassenden Überblick zum Thema.

Zunächst geben sie eine allgemeine Erklärung und Einordnung der Störung und der zugrundeliegenden Modelle mit dem Plädoyer für die Entwicklung eines eigenständiges Fachgebietes der Psychotraumatologie neben der chirurgischen Traumatologie.
Weiterhin gehen sie auf das Verlaufsmodell und kurz auf einige Traumatherapien ein.
Im Teil II geht es um spezielle Traumatologie. Hier werden einige Gebiete von Traumaursachen wie zum Beispiel Kindheitstrauma oder Gewaltkriminalität erläutert.

Sehr positiv zu bemerken sind der ausführliche Glossar zur Erläuterungen einiger psychotherapeutischer Fachbegriffe sowie die zwischendurch eingestreuten Abbildungen und Skizzen zum genaueren Verständnis der beschriebenen Modelle.
Es sind nicht 5 Sterne, da mir das Buch teilweise zu allgemein und theoretisch bleibt.
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11 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Dieses Lehrbuch ist sehr detailliert, aufschlußreich, gut lesbar und mit seinem breiten theoretischen Wissen praxisrelevant. Jeder Psychotherapeut, der Trauma-Patient(inn)en behandelt, sollte darauf zurückgreifen. Es ist sehr zu empfehlen. Es zeigt aber auch, dass Traumatisierte unbedingt in einer spezialisierte Klinik und nachfolgend von kenntnisreichen ambulanten Spezialisten behandelt werden sollten.
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