Ich besitze eine Vielzahl aktuellerer und historischer Instrumentationslehren. Der neue Umschlag darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Buch 1959 erschienen, also auch schon wieder fast 60 Jahre alt ist. Was es einmal von üblichen Instrumentationslehren unterscheidet, ist die historische Herangehensweise. Erpf betrachtet die historische Entwicklung des Orchesters und bespricht dabei die Entwicklungsgeschichte der Instrumente, ihrer Bauformen, Technik und Funktion im Orchesterklang der jeweilign Epoche, wobei diese sehr grob eingeteilt sind und die jeweiligen Beispiele natürlich daraufhin ausgewählt wurden, die Thesen des Autors bestmöglich zu stützen, was - um nicht den Faden zu verlieren - auch unbedingt erforderlich ist, um überhaupt solcherlei Erkenntnisse gewinnen zu können. Der Ansatz an sich ist sehr interessant und war für mich ein Anstoß, weiteres Repertoire unter diesem Aspekt zu erkunden. Es gelingt Erpf sicherlich, hier eine grundelegende durchgehende Entwicklung darzustellen und auch auf die sich ändernden Klangvorstellungen einzugehen bzw. diese überhaupt einmal sichtbar zu machen und zum Zeil nachvollziehbar zu machen. Er kommt immer wieder zu Erkenntnissen, die man zwar schon vage unbewusst ahnte, jedoch gerne einmal als These festgehalten liest. Als Nachschlagewerk in Sachen Instrumentenkunde sind die Informationen naturgemäß zu zerstreut. Wer sich über heutige Spieltechniken von Instrumenten informieren will, wird mit der Tabelle der paar Instrumentenumfänge im Anhang auch nicht viel weiterkommen. Als Beschäftigung mit historischem Orchestrieren finde ich das Buch gelungen, auch wenn ich mir oft mehr in dieser Richtung gewünscht hätte und dafür auf mancherlei eingeflochtene Exkurse, die z.B. eher in das Fach Partiturlesen/-spiel gehören, verzichtet hätte. Manche Aussagen kann ich auch gar nicht unterschreiben, man muss sie aber wohl im Hinblick auf das von Erpf untersuchte Repertoire, das naturgemäß beschränkt sein muss, verstehen, manches weiß man heute schon besser, manche seiner Termini haben sich bis heute nicht durchgesetzt. Wie dem auch sei: Sogenannte "Instrumentationslehren" können ohnehin immer nur eine Art von Begleitung sein. Die Kunst des Instrumentieren lässt sich nur selbst durch eigene Analysen und aktive Anwendung erlernen.