Als ich mich für ein Bodenkunde-Buch zu entscheiden hatte, gab es noch kein "Search Inside", und die Rezensionen für dieses Buch waren ähnlich positiv wie für den Konkurrenten Kuntze/Röschmann/Schwerdtfeger. Über eine Websuche kam ich zu einer Sammlung von Definitionen des Wortes "Boden". Danach wusste ich, welches Buch ich wollte, denn Scheffer/Schachtschabel hat die mit Abstand einfachste und einleuchtendste Definition anzubieten. Diese einfache, verständliche Sprache zieht sich durch das ganze Buch, obwohl es von einer Vielzahl von Autoren verfasst wurde. Scheffer und Schachtschabel sind beide bereits verstorben, die letzte Auflage wurde von 14 anderen Autoren bearbeitet.
In Verbindung mit einem gelungenen Layout (gute Raumausnutzung, hervorhebung wichtiger Stichwörter) lädt das Buch zum Lesen ein, ja ich würde es sogar fesselnd nennen. Jedenfalls ansprechender als die meisten anderen Lehrbücher auf Uni-Niveau.
Zum Inhalt brauche ich nicht viel sagen, weil sich ohnehin das komplette Inhaltsverzeichnis über "Search Inside" abrufen lässt. Das Kapitel "Bodenphysik" beschreibt v.a. die Bodenstruktur und hat wenig mit dem Formellernen zu tun, auf das sich die Physik sonst gerne beschränkt. Im Kapitel über Systematik wird das Chaos der Klassifikationssysteme bewundernswert sachlich-detailliert abgehandelt. Die umfangreichen Literaturlisten am Ende der Kapitel sind meiner Meinung nach nur für jene Leser von Interesse, die selber wissenschaftlich tätig sind.
Leider habe ich auch einen Kritikpunkt anzubringen, der Studenten möglicherweise nicht betrifft, weil sie bei Exkursionen dieses Manko wettmachen können und weil sie in erster Linie für die Prüfungen lernen. Autodidakte wie ich werden hingegen im Regen stehen gelassen. Ich meine damit die Fotos von Bodenprofilen. Diese Fotos beschränken sich nämlich auf insgesamt 1 Seite - außer dem Buchdeckel die einzige mehrfarbige Seite im ganzen Buch - und sind zudem ziemlich unscharf.
Etwas weniger wichtig, aber der Vollständigkeit halber, möchte ich hier meine Besorgnis anmerken, wenn allgemeine Lehrbücher ohne besonderen Grund zur Deutschlandlastigkeit tendieren (z.B. Kapitel 10.1). Die Autoren mögen doch bitte bedenken, dass wegen der gemeinsamen Sprache auch österreichische und Schweizer Leser zum Käuferkreis gehören.
Weil ich den Rest aber für sehr gelungen halte und nicht 4 Sterne vergeben kann und weil ich weiters zu dem Buch keine Alternative sehe, kriegt es 5 Sterne...