Das Buch "Legitmation durch Verfahren" ist ein beeindruckendes Frühwerk Luhmanns, das bereits sein begriffliches Instrumentarium und seine maßgeblichen Gedanken aus späteren Schriften in einer vergleichsweise einfachen Sprache enthält. Mit welchem Scharfblick hier gesellschaftliche Institutionen ihrer normativen Fassade enthüllt, ihrer vorgeblich zur Schau gestellten Zwecke entkleidet werden, ist nicht nur faszinierend mitanzusehen, sondern gibt zugleich Aufschluß über die vielen widerspruchsvollen Prämissen, die diesen Institutionen untergeschoben werden. Gerade weil das Buch ein Musterbeispiel an wertfreier Analyse darstellt, wünscht man sich indes, Luhmann möge hier und da eine bewertende Aussage abgeben. Denn auch wenn vieles in den von Ihm analysierten Institutionen funktional der Reduktion von Komplexität dient, sei doch die Frage erlaubt, ob nicht auch andere Funktionsäquivalente denkbar sind, die diese Aufgabe besser, und, obschon dies nicht zu erwarten ist, widerspruchsfreier erfüllen können. Ein Parlamentarismus, der Luhmann zufolge zur Erfüllung der offziell und historisch verlautbarten Zwecke weder imstande noch intendiert ist, sorgt meines Erachtens dort für einen Einbruch von unbestimmter Komplexität, wo immer größere Gruppen sich dieser Tatsache bewußt werden und im Ringen mit Zweckverwirklichung und Festhalten der tradierten Werte einerseits und Schaffung neuer institutionell-verankerter Zweckmechanismen andererseits einem unlösbaren Konfliktpotential ausgeliefert sind.