Um eines gleich voraus zu sagen: Ich habe mir die Serie zugelegt und durchgeschaut bevor ich begonnen habe das erste Buch von Terry Goodkind zu lesen.
1. Schauspieler
Für mich ist der wichtigste Bewertungspunkt mit welchen Schauspielern die Hauptrollen einer Serie besetzt sind. Ich kann über viele Dinge hinwegsehen, wenn die Schauspieler auf meiner Sympathie-Skala einen hohen Rang haben. Und in diesem Punkt hat mich die Serie sehr positiv überrascht. Das für mich bis dato unbekannte Hauptdarsteller-Trio Horner/Regan/Spence rangiert bei mir in der Skala weit oben. Sie bringen ihre Rolle inklusive Konflikte nicht nur glaubhaft herüber, alle drei haben auch einen Charme, der mir sehr zugesagt hat.
Aber nicht nur die Hauptdarsteller haben mir sehr gut gefallen, auch viele der Nebendarsteller haben eine sehr gute schauspielerische Leistung gezeigt, vorne weg Craig Parker in seiner Rolle als Darken Rahl.
2. Die Charaktere
Der Charakter des Richard Cyphers war mir einfach sympathisch. Der Wandel von einem jungen Waldläufer im Sinne eines Jägers und Fährtenlesers (den man als hitzköpfig, unbesonnen, einfühlsam und gerechtigkeitsliebend beschreiben könnte) zu dem perfekt kämpfenden Sucher ging mir persönlich etwas zu schnell. Allerdings fand ich das nicht störend, da ich diesen schnellen Wandel dem Schwert der Wahrheit zuschrieb - denn ein Zauberschwert muss ja auch bestimmte Auswirkungen auf den Träger haben. Von daher empfand ich diesen Wandel nicht als Logikbruch.
Was mir an dem Charakter so gefiel war, dass er anfangs oft noch hitzköpfig und unüberlegt reagierte und das meist aufgrund dessen, weil er das Herz auf dem rechten Fleck hat, später jedoch meistens seine Hitzköpfigkeit zu kontrollieren verstand ohne dabei seine Gefühle und vor allem sein Mitgefühl beiseite zu schieben.
Kahlan Amnell als Konfessor ist eine Rolle, die recht vielschichtig und daher schwer zu beschreiben ist. Einerseits will sie Ungerechtigkeiten bekämpfen begeht hierbei aber selbst immer mal wieder Ungerechtigkeiten. Nichtsdestotrotz ist sie ein gutherziger, intelligent wirkender Mensch, der versucht für das Richtige einzustehen und dabei gemachte Fehler oft verzweifelt aufnimmt. Auch der Einsatz ihrer Gabe der Wandlung setzt sie (wenn auch fast in jedem Teil der Serie) meistens nur dann ein, wenn ihr keine andere Wahl mehr bleibt, oder es für den Kampf gegen Darken Rahl notwendig ist. Obwohl sie im Laufe der Serie zur Mutter Konfessor wird, bleibt sie ein Mensch, der niemals hochnäsig agiert oder den eigenen Vorteil im Auge hat. Sie ist einfach ein Mensch, dem man vertrauen kann und ist so der perfekte Partner für Richard. Im Grunde wünscht man sich in jedem Teil, dass die beiden endlich ein Weg finden zusammenzukommen. Und die Verzweiflung mit der beide wegen diesen Umstand zu kämpfen haben wirkt eigentlich nie kitschig oder aufgesetzt, sondern hat eher die Wirkung, dass man mitleidet.
Zeddicus Zu'l Zorander - schon allein der Name ist Klasse. Die Rolle des immer hungrigen, dürren, sehr von sich selbst überzeugten Zauberers, der ab und zu etwas tolpatschig wirkt, dies aber eigentlich nie ist, hat der Serie ebenfalls sehr viel Charme gegeben.
Darken Rahl - kurz und bündig: der perfekte Bösewicht. Kühl, zynisch, gnadenlos, aber viel Charisma.
3. Umgebung und Requisiten
Die Umgebung ist Neuseeland entsprechend einfach schön. Da gibt es nichts zu bemängeln.
Die Requisiten sind durch die Bank durch aufwendig und geben der Serie viel Atmosphäre. Ich persönlich konnte zumindest in die Serie abtauchen, ohne dass mir etwas besonders negativ aufgestoßen wäre. Ausnahme bildete die enge Ledertracht der Mord-Sith (wie kämpft man darin?), die ich etwas übertrieben fand. Aber nachdem ich das Buch gelesen habe, ist mir inzwischen klar geworden, dass man hier um eine glaubwürdige Umsetzung bemüht gewesen ist.
4. Der rote Faden und die einzelnen Teile
Der rote Faden geht meistens durch alle Teile: Darken Rahl muss gestürzt werden. Nur wenige Teile brechen inhaltlich aus. Bemerkenswert war, dass die Teile in sich alle abgeschlossen sind, aber dennoch aneinander anschließen. Im Großen und Ganzen (d.h. bis auf ein paar wenige unnötige oder auch nervige Teile) ergibt die erste Staffel ein rundes Bild, das zu gefallen versteht - selbst nachdem es ein paar Teile gibt, die ich beim erneuten Durchschauen nicht mehr anschauen werde.
Die Serie nimmt sich selber ernster als man es von anderen Phantasy-Serien wie "Herkules" oder "Xena" eigentlich gewohnt ist. Das heißt aber nicht, dass sie komplett humorlos ist. Und offen gesagt würde es in dieser Serie auch sehr stören, wenn die selbe Art des Augenzwinkerns wie in "Herkules" stattfinden würde. Die Geschichte an sich macht einen gewissen Grad an Ernsthaftigkeit notwendig. Und dieser Grad wurde meiner Meinung nach gut eingeschätzt.
5. Tricktechnik und Musik
Die Tricktechnik kann natürlich nicht mit einem Herr-der-Ringe mithalten, ist aber solide und glaubhaft. Es gab kaum Szenen, die mir hier negativ aufgefallen wären.
Die Filmmusik von Joseph LoDuca ist einfach schön. Bestimmt kein Hans Zimmer, Harry Gregson-Williams oder John Williams, aber passend, atmosphärisch und einprägsam.
6. Kämpfe und Töten
In fast jedem Teil wird im Grunde getötet - und zwar meist ohne richtiges Hinterfragen. Da wird eine ganze D'Haranische Einheit niedergemetzelt, ohne dass mit der Wimper gezuckt wird. Die Kampfsequenzen an sich sind gut choreographiert, auch wenn sie immer wieder überzeichnet wirken.
Darüber mag jeder denken was er will. Zu bedenken ist allerdings, dass unser Trio zwangsläufig ständig Patrouillen über den Weg laufen muss, denn so groß ist D'Hara dann auch wieder nicht und der Widerstand gegen Darken Rahl bringt solche Szenen eben mit sich. Denn strategische Ziele sind nun mal gut bewacht. Anzumerken ist, dass es auch durchaus Teile gibt, in denen versucht wird zu zeigen, dass auch in der D'Haranischen Armee Menschen sind, aber dies ist eher seltener der Fall. Trotzdem kann ich nicht behaupten, dass die Menschlichkeit in dieser Serie verloren gegangen ist.
Dennoch wird für diejenigen, die solche Szenen verurteilen diese Serie vielleicht nicht unbedingt geeignet sein. Wen das nicht stört oder wer es schafft darüber hinwegzusehen, dem dürfte nach einigen Teilen schwer fallen nicht alle Teile in einem Zug durchschauen zu wollen.
7. Vergleich zum Buch
Ich halte ein Vergleich zum Buch bei Verfilmungen immer für sinnlos. Aber nachdem ich nun einige Rezensionen gelesen habe, möchte ich doch für die Serie eine Lanze brechen (und mich damit bei den Buch-Fans unbeliebt machen):
Wie schon oben erwähnt habe ich den ersten Teil der "Schwert der Wahrheit"-Reihe gelesen, nachdem ich die erste Staffel gesehen hatte. Und die große Überraschung war, dass ich das Buch nie wieder in die Hand nehmen und auch die Nachfolgebände nicht lesen werde, während ich die Serie bestimmt noch öfters anschauen werde. Das Buch, das so hoch gelobt ist, stößt mir in so vielen Dingen negativ auf, das ich wahrscheinlich die Serie nicht gekauft hätte, wenn ich zuerst das Buch gelesen hätte. Die Charakter des Richards Cyphers hat keinerlei Tiefe. Ich sehe in dem Buch keine Wandlung, die er durchmacht. Alles was er am Ende ist und kann, scheint er auch schon von Anfang an gehabt zu haben. Für mich war er ein leerer Charakter. Noch schlimmer und oft auch nervig war Kahlan - die größte Überraschung für mich. Naiv, vertrauensselig und einfallslos ist wahrscheinlich die beste Beschreibung. Selbst der Charme, den ich in der Serie bei Zedd so gemocht hatte, war im Buch an keiner Stelle zu finden. Zedd war einfach ein kühl überlegender Zauberer, dem irgend welche Gefühle angedichtet wurden. Sehr schade!
Fazit:
Legend of the Seeker ist eine Serie, die zwar bestimmt keinen Oscar verdient hat. Aber sie bietet sehr gute Schauspieler, faszinierende Charaktere, einigen Witz, Charme, Phantasie, gute Choreographie, schöne Landschaften, gute Musik und solide Tricktechnik. Wer einfach mal wieder abschalten will, aber dabei nicht in die Niveaulosigkeit von Talkshows absinken will, ist hier gut beraten.