Auf ihrem zweiten Studioalbum haben Pyramaze (Dänemark & USA) ihren melodischen Heavy Metal mit Progressive-Einschlag ein ganzes Stück weit episch ausgebaut und ein prachtvolles Konzeptwerk abgeliefert, das Freunde der Kamelot-Alben "Epica" und "The Black Halo" restlos begeistern dürfte. Dazu erzählt "Legend of the Bone Carver" eine spannende Geschichte und klingt wie die Vertonung eines düsteren Fantasy-Märchens. Schon der einleitende Erzähl-Track "Era of Chaos", untermalt von einem Streichorchester, deutet die epische Qualität der insgesamt 45:52 Minuten an (41 Minuten Musik plus zwei Erzähl-Tracks, die aber durchaus auch dramatisch aufgemacht sind). Der überragende Opener "The Birth" bestätigt, dass sich dieses Konzeptalbum nicht Gimmicks und Klischees hingibt, sondern die Story mit musikalischer Qualität umsetzt. Eine mysteriöse Gitarrenmelodie, einsetzende, düstere Drums, dazu als nächster Schritt vielschichtige Orchestrationen und schließlich die hohe, klare Stimme von Lance King (Ex-Balance of Power). Die Gesangslinien wirken lebendig und unverbraucht und drücken die geheimnisvoll spannenden Lyrics mit dramatischer Emotion aus. Umspielt wird der Gesang von lyrisch hohen Klavierklängen in der Strophe und von weit ausholenden Lead-Gitarren-Melodien im Chorus, die den Gesang kunstvoll umspielen und imitieren; und das mit eigenen Melodien, die bei anderen Bands locker für den Gesang selbst ausreichen würden. Dazu gesellen sich später im Song getragene Backing Vocals, die selbst derart eigenständig sind, dass sie sich mit den Lead Vocals zu einem mehrstimmigen Chorus verdichten anstatt diese "nur" zu unterstützen. Als Unterbau beeindruckt ein hervorragendes Zusammenspiel von Rhythmusgitarre, Bass und Drums, die ständig variieren und diverse Drives spielen, endlos viele Breaks einbauen und allerhand Finessen hoher technischer Klasse supertight darbieten. Keine Sekunde ist langweilig, ständig ist Bewegung und Veränderung da. Der Sound ist sehr dicht, aber nicht wie bei manch anderen Bands durch stupide Keyboardteppiche oder pausenlosen Double Bass, sondern durch die vielschichtig ineinander verstrickten Melodien sowie durch die hochklassig komplexe Prog-Metal-Rhythmussektion. Und das beste: diese Qualität halten Pyramaze das ganze Album über durch. Viele der Songs jagen dem Hörer mit unerwarteten Wechseln zwischen wahnsinnig schnellen und ebenso präzisen Double Bass-Parts und plötzlichen Verzögerungen mit schwebender Atmosphäre Schauer über den Rücken, gespickt mit zahlreichen Details wie kleinen Läufen und unerwarteten rhythmischen Akzenten. Der Hörer wird bis zum Ende verzaubert. Trotz wunderbarer Melodien ist "Legend of the Bone Carver" niemals kitschig, sondern Heavy Metal pur - eine schwer zu haltende Balance, die nahezu perfekt gewahrt wurde. Eine kleine Auszeit bietet das verträumte "She Who Summoned Me" mit dem lyrischen Gesangsgastspiel einer Sängerin. Instrumentalisten erfreuen sich auch an den ineinander verstrickten Soli von Keyboards und Gitarre mit blitzschnellen Frickeleien eingebettet in neoklassisch anmutende Modulationen - schon das Outro-Solo von "The Birth" sorgt für hängende Kinnladen. "Legend of the Bone Carver" kann sich problemlos mit o.g. Kamelot-Meisterstücken messen lassen. Man kann auch stellenweise Einflüsse von Bands wie Angra, Blind Guardian, Rhapsody oder auch Helloween zur "Keeper of the Seven Keys"-Zeit ausmachen und bei manchen Heavy-Hymnen wie "Souls in Pain" sogar kurzzeitig an Iron Maiden denken. Die Geschichte zur Musik erzählt vom Gleichgewicht zwischen Gut und Böse und einer Zeit, in der dieses zu Gunsten der dunklen Mächte kippte. Ein Junge wird geboren, der mysteriöse Worte aus einer alten Zeit in sich trägt. Indem das Geheimnis seiner Existenz gelüftet wird, enthüllt sich auch die Macht dieser Worte, welche die dem Ungleichgewicht zum Opfer Gefallenen wieder zum Leben erwecken und die Balance wieder herstellen können.