Wer einmal versucht hat, die Bibel aufzuschlagen und in der Offenbarung des Johannes zu blättern, weiß, dass dieses Buch so vielschichtig, mehrdeutig und umstritten ist, dass der Versuch einer Vertonung von vornherein als unmögliches Projekt erscheint. Und, um dem Urteil vorzugreifen... die Band macht ihre Sache viel besser als zu erwarten war.
Saviour Machine schaffen es sehr gut, in ihrer Musik und den Texten die Vielschichtigkeit und Mehrdeutigkeit der Buchvorlage beizubehalten. Auf platte Texte ("To Hell with the Devil") wird glücklicherweise verzichtet. Das Ergebnis mag für manche wie verquaster, pathetischer Bombast klingen... aber das ist es ja irgendwie auch. Der Gothic- Metal- Sound passt gut zu dem bedeutungsschwangeren Inhalt, die ausdrucksvolle Stimme von Eric Clayton deklamiert unaufhörlich bedrohliche Textpassagen, unterbrochen von gelegentlichen Hoffnungsschimmern. Kirchenchöre untermalen den druckvollen, transparenten und bombastischen Gesamtsound... es klingt wirklich gut.
Leider ergeht sich die Band gerade in der Mitte der CD zu sehr in ausufernden Soundcollagen und überlangen Songs, deshalb kann ich nicht die Höchstnote geben. Aber der Anfang mit "I am" und "Legend I:I - The Lamb" ist ganz exzellent, und am Schluss kommen die Highlights "Ten", "Legend I:II - The Beast" und vor allem der brilliante Cliffhanger "Antichrist I". Dazwischen erklingt immer wieder das refrainartige "Apocalypse, Apocalypse", das die CD textlich zusammenhält.
Fazit: Ein so ambitioniertes Projekt wird immer umstritten sein. Natürlich ist das Buch besser... aber darum geht es ja nicht. "Legend I" ist eine der besseren CDs aus diesem Genre. Eine der besten christlich inspirierten CDs sowieso. Leider fällt der zweite Teil etwas ab, aber der dritte ist wieder besser. Derzeit warten wir Fans auf das Erscheinen des abschließenden "Legend"- Kapitels.