In unseren Zeiten des Massentourismus war nahezu jeder schon fast überall. Mit Reisen, wie es in diesem reich bebilderten Band gezeigt und geschildert wird, hat das oft nicht viel zu tun. Eher schon mit viel Konsum in relativ kurzer Zeit.
Dieses Buch führt uns zurück in die Jahre um 1900 auf Routen, die auch der heutige Nordamerikatourist gerne nutzt: Die Küsten, Yosemite Nationalpark, Grand Canyon, Niagarafälle..., was man sich halt so gerne anschaut, wenn man schon einmal in diesem Land Urlaub macht, das so viel atemberaubende Natur zu bieten hat, wenn man erst einmal die großen Shopping-Malls und das ewige Fastfood-Einerlei der immer gleichen Ein- und Ausfallstraßen hinter sich gelassen hat und keine XXXL-Werbetafel den Blick mehr einengt.
Um 1900, das war die Zeit der Belle Époche mit seinen luxuriösen Hotels und beeindruckend ausgestatteten Eisenbahnen. Im Kontrast zwischen opulenten Genussreisen mit diesen komfortablen Eisenbahnen zu besagten Hotels, umgeben von stets vielen dienstbaren Geistern, zu der damals noch sehr unberührten, ja wilden Natur, liegt der größte Reiz beim Blättern in diesem Buch. Handkolorierte Schwarzweißaufnahmen der USA-Highlights, fantasievolle Plakate der Reiseveranstalter, ja sogar Faksimiles von Hotelprospekten und Speisekarten sind hier versammelt und laden ein zum Schwelgen und Träumen von einer längst versunkenen Zeit, in der das Reisen eine wochen- oder gar monatelange Gradwanderung zwischen echten Abenteuern in bedrohlicher Wildnis und Luxusleben pur sein konnte - wenn man das nötige Kleingeld hatte. Wären wir Zeitgenossen gewesen, so hätten viele von uns vermutlich nicht zu diesem elitären Kreis gezählt. Aber dieses Buch ist trotz seines Preises für die meisten von uns latent Fernwehkranken und Vonfrüherträumern doch erschwinglich. Der Preis ist dem Vergnügen, das es uns bereitet, angemessen und das Gütesiegel "Geo" findet besonders im visuellen Bereich seine Bestätigung. Leider ist Weihnachten soeben um die Ecke gerannt. Dieses Buch wäre ein aufmerksames Geschenk für obengenannten Personenkreis gewesen. Aber ehe wir uns versehen, steht das Fest sicher schon wieder vor unserer Tür. Dass dieser Reiseführer (über 300 Seiten mit fast ebenso vielen Bildern) der nostalgischen Art bis dahin veraltet sein wird, ist nicht zu befürchten.