Wäre es nicht interessant, in die Vergangenheit zu reisen, um zu sehen, wie die Menschen damals gelebt, gegessen und gereist sind? Leider sind Zeitreisen nicht machbar, aber es ist seit einigen Jahren möglich, wie in guten alten Zeiten mit dem Zug zu reisen. Seit 1982 werden ausrangierte Luxuszüge liebevoll und detailgetreu restauriert und wieder auf ihren alten Reiserouten eingesetzt. Der Journalist Jonathan Farren hat sieben dieser Luxusreisen mitgemacht und seine Erlebnisse in dem schönen Bildband "Legendäre Luxuszüge" veröffentlicht.
Jonathan Farrens Buch liest sich wie das "Who's who" der Traumzüge einer längst vergangenen glanzvollen Hochzeit der Eisenbahngeschichte. Er reist mit dem "Venice Simplon-Orient-Express" von Venedig über Prag nach Istanbul, mit dem "Al Andalus Expreso" durch Andalusien, mit dem "Royal Scotman" durch Schottland und der "Nothern Belle" durch England. Der "Eastern & Orient Express" führt ihn durch Asien, der "Rovos Rail" durch Südafrika und der "Great South Pacific-Express" durch Australien.
In einer interessanten Einleitung zu "Legendäre Luxuszüge" führt Jonathan Farren den Leser zu den Anfängen des luxuriösen Zugreisens. Er plaudert über die Eisenbahnbegeisterung von Queen Victoria aus dem Jahr 1842, erzählt, dass der kaiserliche Zug von Franz Joseph von Österreich immer genau um 5.30 Uhr seine Fahrt verlangsamte, damit der Kaiser sich besser rasieren konnte, und berichtet von den Bemühungen des Amerikaners Georg Mortimer Pullmann und des Belgiers Georges Nagelmacker, den Reisenden die Fahrt mit dem Zug so angenehm wie möglich zu machen.
Der Autor beschreibt informativ und mit viel nostalgischer Begeisterung die unglaublich luxuriöse Ausstattung der Züge, den zuvorkommende Service, und die Annehmlichkeiten der Reisen. Er beschränkt sich jedoch nicht nur auf den Zug selber, auch die Reiseziele, die durchfahrenen Landschaften, und beeindruckenden Bahnhöfe gibt er detailliert und gefühlvoll wieder. Der sympathische Nostalgiker Jonathan Farren ist ein guter Beobachter und ein stilvoller Reiseberichterstatter, er macht den Leser zum staunenden Mitreisenden.
Der interessante Text des Buches "Legendäre Luxuszüge" wird von Bildern des französischen Reisefotografen Bernard Grilly begleitet. Die großformatigen farbigen Fotografien zeigen Aufnahmen der Züge von Außen und vom Interieur. Die stimmungsvollen Gesamtaufnahmen der beeindruckenden Inneneinrichtungen lassen den Betrachter erahnen, was für ein Vergnügen das Reisen in diesen Zügen ist. Die Fotografien zeigen nicht nur die Züge selbst, sondern auch die Landschaften, die sie durchqueren und die Städte, die sie erreichen. Der Titel des Buches ist insofern etwa irreführend, da das Buch sich nicht nur auf die Züge selbst beschränkt. Der französische Originaltitel "Trains de réve ou L'art de Voyager" ist da treffender. Das Buch wurde aus dem Französischen von Christa Trautner-Suder übersetzt.
Die Luxuszüge, mit denen Jonathan Farren reist, fahren alle nicht besonders schnell, schließlich ist der Weg bveziehungsweise die Fahrt das Ziel. Da alle Züge Speisewagen mitführen, nimmt das Essen eine wichtige Rolle ein. Der Gourmet Jonathan Farren beschreibt die servierten Menüs, die manchem Luxusrestaurants in nichts nachstehen. Zu vielen Gerichten hat er die Rezepte wiedergegeben, die von beeindruckenden Bildern des Foodfotografen Jean-François Mallet illustriert werden.
Der Bild- und Reiseband "Legendäre Luxuszüge" ist so schön wie die Züge, die er beschreibt!
(c) Maren Gierth von Literaturtipp.com