Ursprünglich hatten Entdecker die Aufgabe, bislang unbekannte Regionen der Erde für ihre Herrscher zu erkunden, in Besitz zu nehmen und ihre Ausbeutung einzuleiten. Erst im Zuge der Aufklärung änderte sich das Bild vom Entdecker. Nun ging es nicht unwesentlich auch um wissenschaftliche Fragestellungen.
Fünfzig der berühmtesten Expeditionen werden in diesem Band vorgestellt, und zwar sowohl anhand einer kurzen Biografie des jeweiligen Entdeckers und eines Abrisses seiner wichtigsten Reise oder Reisen als auch mittels mehrerer Ausschnitte aus den Aufzeichnungen des Abenteurers.
Jeder dieser fünfzig Reiseberichte umfasst etwa fünf Seiten, wobei die Texte aus der Feder der Reisenden selbst den meisten Raum einnehmen. Und das ist auch gut so, denn die vorzüglich gestalteten, von den Herausgebern verfassten Einführungen können nicht annähernd den Eindruck der Strapazen und häufig vorhandenen Todesnähe vermitteln, den die Originalaufzeichnungen anrührend, packend und nicht selten zutiefst erschütternd wiedergeben. Wer kennt nicht die letzten Sätze im Tagebuch von Robert Falcon Scott, der fast bis zum Augenblick seines Todes schrieb?
Vor allem lernt der Leser hierdurch die Motivation der Entdecker kennen, die sich natürlich in den Einzelfällen unterscheidet. Oft handelt es sich um Forscherdrang, um die Neugier auf nie zuvor Erblicktes, in vielen Fällen jedoch auch um übersteigerten Ehrgeiz, der bereitwillig Gesundheit und Leben auf Spiel setzt, sowohl der Mitarbeiter als auch des Expeditionsleiters selbst.
Die Quellen wurden sehr gut ausgewählt. Manche schildern den Alltag einer Expedition, andere Extremsituationen wie Todesfälle, Unwetter und nagenden Hunger, nie jedoch geht es langweilig zu. Gelegentlich kommen Ehefrauen von Entdeckern zu Wort, die ihre Gatten auf Expeditionen begleiteten, es werden auch zwei weibliche Forschungsreisende porträtiert, Isabella Bird und Freya Stark.
Jedes Forscherporträt wird von mindestens einem Bild oder Foto ergänzt, das nach Möglichkeit vom Porträtierten selbst oder aus seiner Gruppe stammt; viele Expeditionen aus der Zeit vor dem Aufkommen der Fotografie wurden von Künstlern begleitet. Diese Bilder vermögen einerseits die Schönheit fremdartiger Landschaften, ihrer Flora und Fauna dazustellen, andererseits geben sie auch die menschenfeindlichen Bedingungen vieler Expeditionen wieder, etwa jenes, das zeigt, wie dem Bergsteiger Maurice Herzog ambulant erfrorene Finger amputiert werden.
Auch wenn die Sammlung zeitlich bewusst bei der Aufklärung einsetzt, hätte man möglicherweise Reisende wie Marco Polo oder Vasco da Gama einbeziehen können, doch insgesamt überzeugt die Auswahl der porträtierten Persönlichkeiten sehr.
Ein sehr gut aufgemachtes, spannendes und informatives Buch also, das dem Leser nicht nur die Herausforderungen und Triumphe näher bringt, denen sich Entdeckungsreisende dreier Jahrhunderte gestellt haben, sondern auch die von ihnen bereisten Gegenden der Erde.