Wer leise Töne und hintersinnigen Humor schätzt, wird an dem 2007 von Jan Svìrák - wie stets nach einem Buch seines Vaters Zdenìk Svìrák - realisierten "Leergut" seine Freude haben. Mit "Leergut" wird nach "Die Volksschule" und "Kolya" die "Trilogie der Lebensalter" abgeschlossen.
Die Geschichte erzählt - liebevoll beobachtet und mit Augenzwinkern präsentiert - von den kleinen und größeren Problemen mit dem Leben und der Liebe, mit denen das äußerst gut erhaltene Ehepaar Josef Weberknecht (Zdenìk Svìrák, 71) und seine Frau Eliska (Daniela Kolárová, 61) konfrontiert wird, nachdem Josef sich spontan entschlossen hat, seine Tätigkeit als Lehrer aufzugeben.
Parallel zur persönlichen Entwicklung läuft die Veränderung des sozialen Umfelds, beispielhaft betrachtet an der Einführung von Leergut-Automaten im Supermarkt, die nicht nur die Arbeitsplätze an der Leergutannahme, sondern auch die damit verbundenen sozialen Kontakte wegrationalisiert.
Auch Josef muss sich schließlich überlegen, ob seine immer wieder zu früh unterbrochenen Träume von aufregenden Abenteuern mit schönen Frauen Wirklichkeit werden sollen, oder ob er die Erkenntnis zulassen muss, dass auch hier "neu" in den seltensten Fällen mit "besser" gleichzusetzen ist.
Wie so oft in Filmen, die aus "noch nicht 100% kapitalistischen" Umgebungen kommen, berühren die in so vielen Kleinigkeiten noch erhalten gebliebenen menschlichen Beziehungen, an die wir uns nur noch erinnern können. Insbesondere wird der Zusammenhang zwischen "Modernisierung" und "Entmenschlichung" erlebbar. Aber auch die noch unverklemmte Begeisterung für erotische Frauen begeistert und bringt mit leichter Hand Pep in den Film. In sehr schönen Bildern setzt der Film letztendlich um, dass man auch in einer Ehe, die "baden" gegangen ist, noch mal frisches Feuer entfachen kann ...
Im Original 100 Minuten, Format 1,85:1, DD|SDDS|DTS (IMDB)
film-jury 4* A0618 24.5.2011e 6A