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Lee Raven
 
 
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Lee Raven [Gebundene Ausgabe]

Zizou Corder , Sophie Zeitz
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (11 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Elemente aus Gangsterfilm und Thriller schaffen die Kulisse für eine packende Verfolgungsjagd." Andrea Lüthi, Neue Zürcher Zeitung, 01.07.2009 "Dieser Jugendroman lässt selbst lesefaule Erwachsene nur schwer los." Neue Luzerner Zeitung, 14.07.09 "Eine magische Abenteuerstory!" Familie & Co, 08.09 "Diese wunderbare Hommage an Geschichten und eine ihrer Inkarnationen, das Buch, sollte man (frau, kind) sich keinesfalls entgehen lassen. Von der ersten bis zur letzten Seite ein großes Vergnügen." Sylvia Mucke, eselsohr, 08.10 "Es ist wie bei der 'Unendlichen Geschichte'. Man fragt sich: Ist dieses Buch, das ich da in Händen halte und lese, vielleicht genau das Buch, von dem die Geschichte erzählt? Das ist aufregend! Und ungewöhnlich!" Charlotte Inden, Badische Neueste Nachrichten, 19.05.09 "Ein rasantes Abenteuer im London von 2046!" NLP Bookconnection, 27.03.09

"Spannend, kurzweilig und unterhaltsam. Ein Buch, das seine Leser zu verzaubern mag mit griffigen, glaubwürdigen Figuren und einer abwechslungsreichen Handlung." Carsten Kuhr, Phantastik-News.de, 09.02.09 "Ein wirklich faszinierendes und geradezu magisches Buch, das man gar nicht mehr aus der Hand legen mag. Ein unbedingtes Muss!" Thorsten Kneuer, ex libris, 05.05.09 "Eine sehr kreative Geschichte, die sich erholsam aus dem reichlichen Angebot an Fantasy-Krimi-Jugend-Romanen hervorhebt." Ndr 1, Bücherwelt, 02.06.2009 "Die Autorinnen finden mit dem sprechenden Buch eine wunderbare Metapher für die Überlebensfähigkeit des Erzählens, das sich immer wieder neue Medien und Kanäle sucht, um zu den Menschen zu gelangen. Und gleichzeitig wecken sie das Interesse der jungen LeserInnen für die abenteuerliche Geschichte der Schrift und des Lesens." Christine Lötscher, Buch&Maus, 07.09 "Mit viel Fantasie, Tempo und großem Gespür für filmreife Action-Szenen wird das Abenteuer eines liebenswerten Gauners erzählt. Ein von Magie durchsetzter Thriller, der in der Zukunft spielt - grandioser Genremix und für mich das Buch des Jahres, um lesezögerliche Jungs fürs Lesen zu begeistern!" Maren Bonacker, Bulletin Jugend&Literatur, 08.09

Kurzbeschreibung

Wenn er nur nicht diese tolle Bildergeschichte darin entdeckt hätte - dann hätte der kleine Taschendieb Lee Raven das Buch sicher nicht geklaut. Kurz nach dem Diebstahl wird der ursprüngliche Eigentümer des Buches ermordet. Lee flieht in die Londoner Kanalisation, wo er das unglaubliche Geheimnis entdeckt: Das Buch ist magisch, viele Jahrtausende alt und erzählt jedem Leser genau die Geschichte, die er sich wünscht. Kein Wunder, dass es viele Schurken gibt, die Lee Raven das Buch abjagen wollen. Ein rasantes Abenteuer im London von 2046!

Über den Autor

Zizou Corder ist ein Pseudonym für die 1960 geborene Schriftstellerin Louisa Young und ihre 15-jährige Tochter Isabel Adomakoh Young. Die Geschichte von Lee Raven haben beide gemeinsam entwickelt. Bei Hanser erschien bereits die Lionboy-Trilogie, die in über 35 Ländern verkauft wurde.

Prolog. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1

Die Geschichte aus der Sicht des Taschendiebs Lee Raven

Vor einer Weile habe ich mich in ein Abenteuer verwickeln lassen, das so seltsam und wunderlich war, dass ich es selber nicht geglaubt hätte, wenn jemand mit der Geschichte zu mir gekommen wäre, ja, wahrscheinlich hätte ich ihm sogar auf die Glocke gehauen, wegen Unverschämtheit. Aber jetzt sitze ich hier, wo mich das Abenteuer hingeführt hat, mit der Ursache und dem Helden des Abenteuers in den Armen einer Freundin neben mir, und deswegen muss es wohl stimmen. Und wenn ihr mir nicht glaubt, habt ihr Pech gehabt, aber versucht bloß nicht, mir auf die Glocke zu hauen, denn das würde euch leidtun.

Aber ich will am Anfang anfangen, weil man eine Geschichte am Anfang anfängt. Das habe ich inzwischen gelernt. Am Anfang, da war der Kuddelmuddel auf der Greek Street in Soho, in London, England, am 20. April 2046, als das Benzin längst alle und das Flachland überflutet war, aber bevor die Marsmenschen einmarschiert sind (was bis heute nicht passiert ist, aber man weiß ja nie).

Ich, Lee Raven, nutzloser Trampel, falscher Fuffziger, dämlicher Taugenichts, freches Früchtchen, blöder Baubudenrülps (ich zitiere nur meine Fans – also, meinen Vater), ich dachte mir, wo Freitagabend war, nach einem schönen warmen Tag, und die Abendsonne das Licht ganz orange färbte, würden sicher haufenweise durstige Seelen in Soho unterwegs sein, die sich volllaufen lassen wollten. Und da könnte ich mich ein bisschen unters Volk mischen und ihnen die Taschen erleichtern, mir ein paar Mäuse borgen, was den Saufnasen nicht mal auffallen würde, denn wenn die Nacht zu Ende ging, würden sie nach Hause torkeln und denken, sie hätten ihr ganzes Geld versoffen. Wären sie gute Menschen, hätten sie etwas davon für Bedürftige gespendet, für arme kleine Straßenkinder wie mich, aber so wie es stand, musste ich mich selbst bedienen. Außerdem ersparte ich ihnen die Kopfschmerzen von dem extra Bier und Schnaps, für das sie das Geld, das ich ihnen abknöpfte, andernfalls ausgegeben hätten. Genau genommen erwies ich sogar der Öffentlichkeit einen Dienst, indem ich den Wohlstand umverteilte und aktiv gegen Trunkenheit in der Öffentlichkeit eintrat.

Und als ich spät am Abend darauf wartete, dass die Zecher aus den Pubs und Clubs getorkelt kamen, fiel mir plötzlich eine gefärbte Blondine auf. Sie hatte einen Pelzmantel an und eine piekfeine Handtasche dabei, die aussah, als steckte ein hübscher dicker Geldbeutel drin. Ich beobachtete die Tante eine Weile, wie sie vor dem Club, über dem ein Leuchtschild mit einer Eule prangte, herumstand. Anscheinend war sie allein. Als sie sich umdrehte, konnte ich ihr Gesicht sehen. Sie war dick geschminkt. Wahrscheinlich wollte sie jünger aussehen, aber ich sah, dass sie unter der Schminke eine Visage hatte wie zähes, verschmortes Fleisch. Sie schien auf jemanden aus dem Club zu warten. Nichts wie ran, Lee-o, dachte ich, und schon war ich bei ihr, versetze ihr den guten alten Rempler und murmele im Vorbeigehen: »Verzeihung, Lady!« Nur dass sie meinen Arm packt, als ich gerade die Hand in ihrer Tasche habe. Sie reißt ihn in die Luft, bis ich auf Zehenspitzen stehe, und dann schreit sie Zeter und Mordio, dass alle Welt glaubt, ich hätte ihr ein Messer an die Kehle gesetzt, statt nur ein bisschen ihre Handtasche zu kraulen. Alle starren her, und sofort kommen ein paar Sicherheitsfritzen aus dem Club gerannt, und der kleine Lee denkt: Zeit für den Abgang, Kum-pel. Also trete ich ihr gegen das Schienbein, ziemlich feste, wenn ich so sagen darf, und sie macht »Arrgg« und lässt mich los, um sich ans Bein zu fassen, und schon bin ich über alle Berge. In die nächste dunkle Gasse rein, die zufälligerweise die Gasse ist, wo meine Tante Jobisca wohnt, seit sie aus Norfolk wegmusste. Da wollte ich natürlich nicht hin. Deshalb sauste ich gleich weiter zur Piccadilly, um im Lärm und Gedränge unterzutauchen, nur dass auf der Shaftesbury Avenue die ganzen Theater- und Clubaufpasser waren, und ich hatte keine Lust, mich auch noch bei denen durchzukämpfen. Also lief ich weiter zur Regent Street und immer weiter mit wummernden Schritten, wummerndem Herzen, immer weiter, über die Regent Street rüber, und plötzlich hatte ich meinen Bezirk hinter mir. Aber ich rannte immer noch weiter, nur für den Fall, und irgendwann kam ich an einen großen grünen Platz, und ich sprang über den Zaun (mit einer Hand!) und rollte mich unter den nächsten großen Busch und blieb bäuchlings liegen. Mein Herz klopfte so schnell, dass die Erde unter mir bebte.

Ansonsten war es still, bis auf einen Vogel, der aus Leibeskräften zwitscherte.

Niemand war mir gefolgt. Vorsorglich würde ich trotzdem eine Weile den Kopf einziehen. Für eine Nacht war ich genug gerannt.

Der Platz war gar nicht schlecht zum Übernachten. Ich legte mich tief unter die herabhängenden Äste und Blätter und deckte mich mit meiner Jacke zu. Der Boden unter meinem Gesicht war trocken und sandig. Londoner Wurmkacke. Morgen früh könnte ich mir lauter graue Würstchen von der Backe kratzen.

Und ich hatte den Geldbeutel, sicher verwahrt in der geheimen Innentasche, die Mama mir extra für diesen Zweck hinten ins Jackenfutter genäht hatte.

Am nächsten Tag ließ ich es erst mal langsam angehen. Obwohl ich im Freien pennte, schlief ich ziemlich lange, und dank der prallen Geldbörse, die ein Bündel Scheine enthielt – gründlicher hatte ich noch nicht nachgesehen –, gönnte ich mir zum Frühstück Kaffee, Schokoladencroissants, ein Mozarellabrötchen und ein dickes Himbeereis. Den Proviant schleppte ich unter meinen Busch im Grünen, und die Sonne schien ein bisschen. Die Blätter und die Blüten der Bäume leuchteten wie Schaumkronen. Die Häuser um den Platz waren groß und weiß und schick. Und als ich so dasaß, mein Frühstück verdrückte und mir die Sonne auf die Nase scheinen ließ, war ich vollkommen glücklich. Wenn die Sonne scheint, bin ich glücklich. So einfach ist das.

Mein Glück dauerte ungefähr zehn Minuten.

Dann kam so ein Kerl und setzte sich auf die Bank, die am Weg stand. Ich überlegte kurz, ob ich meine langen Finger spielen lassen sollte, aber ich entschied mich dagegen. Erstens hatte ich für den Augenblick genug Geld, zweitens war es zu still und zu hell, und drittens hatte ich keine Lust, schon wieder wegzurennen, nach gestern Nacht. Also ignorierte ich ihn einfach.

Er hatte einen Kaffee und ein belegtes Brötchen dabei und sah aus wie ein Büroangestellter, der Pause machte. Dabei warf er einen Blick in die Zeitung. Anscheinend ging er die Fußballergebnisse durch.

Ich war gerade mit meinem Frühstück fertig, und weil ich ein guter Bürger bin, stand ich auf und schlenderte zum Abfalleimer, der genau neben der Bank stand, um meinen Abfall zu entsorgen.

Im Vorbeigehen warf ich einen Blick in seine Zeitung. Und bekam einen Riesenschreck. Auf der Titelseite prangte ein Foto – ein großes Foto – von mir! Auch wenn ich nicht für jedermann zu erkennen war, weil mein Gesicht halb im Schatten lag, ich erkannte mich sofort – meine Haare sind so merkwürdig bleich –, und ich erkannte die Frau in dem Pelz. Und da war meine Hand, und es war ziemlich offensichtlich, was vor sich ging. Oben drüber war eine fette Schlagzeile und ein dicker Artikel in der Spalte daneben.

Der Bürotyp merkte, dass ich dastand wie eine Zitrone, denn jetzt sah er auf und lächelte mich an und zeigte auf die Geschichte. »Ja, ja, unglaublich. Gestern Abend wurde Romana Asteriosy überfallen! Bei so vielen Leibwächtern, die sie wahrscheinlich hat, kommt ein kleiner Junge und überfällt sie! Der Bengel hat wirklich …«

Na, das reichte mir schon. Mit einem Grinsen und einem Nicken versuchte ich davon abzulenken, dass ich die Klappe nicht mehr zubekam. Ich warf meinen Müll in die Tonne und machte mich in Windeseile aus dem Staub.

Romana Asteriosy! Das erklärte einiges. Zumindest warum ich auf einmal ein ganzes Heer...

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