Ja, wenn dieses furchtbar gestelzte Deutsch des Autors nicht wäre, dann würde das Lesen mehr Spass machen, und mancher bekäme auch sicher Lust darauf, es mit der Hirngerbung selber zu probieren. Das Buch liest sich, als ob man eine Anleitung zur Steuererklärung von 1885 in der Hand hätte, der exzessive Gebrauch des zu recht aus der Mode gekommenen Relativpronomens "welcher" u.ä., die vorwiegend passive Sprache lassen keine rechte Freude an der Lektüre aufkommen.
So, dafür, und für die winzigen Bildchen, das miserable Layout, die schlecht plazierten Bildunterschriften, und die störenden Einsprengsel mit historischen Zitaten gibt's drei Sterne Abzug. Wobei die Zitate als solche interessant sind, aber die Anordnung stört den Lesefluss ungemein.
Der Preis steht auch nicht in einem rechten Leistungsverhältnis, Matt Richards' Braintanner Bibel "Deerskins Into Buckskins" gibt's bei Amazon.com für nicht mal 14 Dollar!
Zum Inhalt: Markus Klek versteht das Handwerk der Hirngerbung vorzüglich, das merkt man recht schnell, wenn man sich durch die Bleiwüste durchgearbeitet hat. Wer sich auf das faszinierende Hobby der Hirngerbung einlassen möchte, findet hier schon mal einen ersten Ratgeber. Sind dann noch einigermassen gute Englischkenntisse vorhanden (sollte heute im pseudo-Englisch verseuchten Deutschland eigentlich selbstverständlich sein!), dann würde ich unbedingt Matt Richards' "Deerskins into Buckskins" (am besten Buch und DVD!) empfehlen.
Ein Handwerk aus dem Eff-Eff zu beherrschen und es anderen zu vermitteln sind zwei vollkommen verschiedene Dinge -- nur selten kommen sie in einer Person zusammen. Der Autor sollte nicht nur von seiner persönlichen Situation ausgehen -- abgelegener Bauernhof im Schwarzwald, wo keine Nachbarn merkwürdig schauen und auch nicht gleich die Feuerwehr kommt, wenn man die erste selbst"gegerbte" Haut auf dem Balkon räuchern will -- sondern auch an Leser denken, die möglicherweise in der Großstadt leben und einen Familienkrach erster Güte heraufbeschwören, wenn das Badezimmer mit nassen Haaren und Fett- und Fleischresten verwüstet ist. Es gibt sie, die "Apartment Tanner".
Schade, eine verpasse Gelegenheit! Der Inhalt ist gut, nur die Verpackung stimmt nicht -- ein guter Lektor hätte sicher Wunder bewirkt, Gefälligkeits-Vorworte von Museumskuratoren helfen da nicht viel.
P.S.: Der Rezensent hat sowohl im Hirngerben als auch im Bücherschreiben als auch im Lektorieren Erfahrung -- Hinweise von der Art "Erst mal selber machen bevor man meckert" erübrigen sich also!