Man nehme einen charismatischen, jungen Sänger mit einzigartiger Stimme, einen Gitarristen, der schon durch sein Mitwirken bei den Yardbirds und seine Tätigkeit als Sessionmusiker sehr erfahren war, dann einen souveränen Bassisten, der zudem ebenfalls die Tasteninstrumente beherrscht und einen Schlagzeuger, der technisch zwar von anderen übertroffen wurde bzw. heutzutage wird, aber mit einer Energie auf sein Kit einprügelte, die man wohl bei kaum einem anderen Drummer findet - und heraus kommt DIE Rockband schlechthin, die noch heute fasziniert und Maßstäbe setzt.
Die Band hatte vom Stand weg einen Riesenerfolg und warum, zeigt bereits das erste Album: die Art, wie Blues und Hard Rock vermischt wurden, war etwas ganz Neues.
Die Dynamik bei einem solch genialen Arrangement wie "Babe I'm Gonna Leave You" fasziniert mich auch nach dem hundertsten Hören noch; die sich abwechselnden Passagen mit aggressiver Härte mit Geprügel aufs Becken, mächtigen Gitarrenriffs und Robert Plants Schreien auf der einen Seite, während auf der anderen Seite ruhige Akustikgitarren und ein sanft singender Robert Plant zu hören sind.
Dann sind da natürlich auch unvergessliche Songs wie "Dazed And Confused" und "How Many More Times", die zu Live-Standards der Zeps avancierten und die jeder kennen sollte; außerdem die Cover-Versionen von "You Shook Me" und "I Can't Quit You Baby", die zwar immer noch als Blues-Songs erkennbar sind, aber vom Sound her viel aggressiver und rockiger - so was war in dieser Form bisher nicht dagewesen.
Unbedingt erwähnen muss man natürlich noch den 2 1/2-Minuten-Song "Communication Breakdown", der einfach nur zum Headbangen auffordert, den gleich gut reinbratenden Opener "Good Times, Bad Times", bei dem man als Rock-Fan eigentlich schon gleich wissen sollte, dass man hier richtig ist oder das nette "Your Time Is Gonna Come" mit dem pompösen Orgelintro von John Paul Jones.
Es mag sein, dass Led Zeppelin auf ihren nachfolgenden Alben sich viel weiter entwickelten, neue Stilrichtungen ausprobierten (und gerade ihre Vielseitigkeit zeichnete sie ja auch aus) und es mag sein, dass sie bei den ein oder anderen Songs mehr oder weniger von alten Blueslegenden abkupferten - nichtsdestotrotz kann keiner leugnen, dass Led Zep bereits einen sehr eigenen, harten Sound kreiert hatten und die Roh- und Unbekümmertheit ihres Debüts ist einfach immer wieder eine Freude. Vier junge Musiker, die am Beginn einer unvergleichlichen Karriere standen und ein Album voller Energie einspielten!