"Hut ab vor jedem der macht, was er für richtig hält, und sich nicht verkauft".
(Jimmy Page)
"Hammer of the Gods: The Led Zeppelin Saga" ist in seiner ersten Edition bereits 1985, in aktualisierten englischsprachigen Ausgaben 1997 und im April 2008 veröffentlicht worden. In deutscher Sprache erschien das Werk Stephen Davies' im Juni 2008. In 14 Kapiteln erzählt der renommierte Musikjournalist und -historiker die Geschichte der "größten Rockband aller Zeiten". Seine 409seitige Betrachtung lässt er in den 1930er Jahren mit den Vertretern des klassischen amerikanischen Blues, wie Blind Lemon Jefferson, Leadbelly und Robert Johnson, dem Erfinder der "Zitronenmetapher" beginnen. In den 1940ern verwandelten Muddy Waters, John Lee Hooker, B. B. King, Robert Jr. Lockwood (der als einer der ersten zur E-Gitarre griff) u. a. den Blues in den Rhythm & Blues. Ein Jahrzehnt später machten Chuck Berry, Elvis und andere daraus den Rock and Roll....
....bis sich, wiederum eine Dekade später, vier englische Musiker zu einer legendären und skandalumwitterten Formation zusammenfinden sollten, die alle bisherigen Superlative des Showbusiness sprengen sollte.
Der Ausnahmegitarrist James Patrick "Jimmy" Page OBE (Jahrgang 1944) hatte bereits als Studiomusiker mit zahlreichen Bands zusammen gearbeitet und hatte zusammen mit Jeff Beck als Nachfolger Eric Claptons bei den Yardbirds gespielt, als er sich mit dem studioerfahrenen, instrumentalen Multitalent (Klavier, Orgel und Saxophon) John Paul Jones (Jg. 1946) zusammentat. Zu den beiden gesellten sich der aus den Midlands stammende Sänger Robert Anthony Plant (Jg. 1948) und dessen Buddy, der Drummer John Henry Bonham (1948- 1980). "Bonzo", der mitreißendste Drummer seit Keith Moon, spielte seine achtundzwanzig Zoll großen Drums, die er für einen besonderen Knalleffekt zusätzlich mit Alufolie ausgelegte (Seite 91) präzise und voller Gefühl. Seine Alkoholexzesse und unberechenbaren Gewaltausbrüche sollten ihm den Beinamen "La Bête" einbringen. Der einstige Mod Robert, der bald "Percy" genannt wurde, war von der keltischen Vergangenheit, den Kampf der Angelsachsen gegen die Wikinger und der nordischen Mythologie fasziniert, was sich später im "Immigrant Song" und anderen Lieder niederschlagen sollte. Mit unverhohlenen heidnischen Bildern von Bäumen, Bächen, lockenden Pfeifern und einer mythischen Dame kumulierte die Sehnsucht einer ganzen Generation nach spiritueller Transformation schließlich in der gigantischen Hymne "Stairway to Heaven".
John Entwistle (1944-2002), der Bassist der Gruppe "The Who" prophezeite der Gruppe um Page, dass sie durchfallen würde wie ein "Bleiballon" (S. 49), worauf sich die zunächst als "New Yardbirds" firmierende Band in "Led Zeppelin" umbenannte; nicht "lead", weil sonst die Amerikaner "leed" statt "led" ausgesprochen hätten (S. 49). In den USA wurde die Kombination von Pages Gitarrengewitter und Plants Furiengeheul zum Konzert- und Kassenschlager. Zahlreiche Saiteninstrumente, wie eine 1958er Telecaster (S. 31, S 36), eine Gibson Black Beauty und eine eigens angefertigte Gibson mit einem Doppelhals (S. 162) sollten ebenso wie die mit einem Geigenbogen gestrichene tiefe E-Saite zum Markenzeichen des Pages werden. Daneben beherrschte der Gitarrenmagier auch das Mandolinenspiel (Going to California) und das bereits 1919 erfundene Theremin, das ohne körperliche Berührung gespielt wird. (S. 115). Demgegenüber übte sich John Paul Jones im Spiel des um 1960 erfundenen Mellotrons (S. 189). Trotz theatralischem Gepose waren Led Zeppelins, bis zu vier Stunden (!) dauernde Bühnenshows im Zeitalter des Glam- und Glitterrocks eher eine "nüchterne" Angelegenheit ohne Vorgruppe, Kulissen und Requisiten. Das Quartett weigerte sich zudem, seine ausgefeilten Darbietungen in ein Drei-Minuten-Singleformat pressen zu lassen und gründete 1974 mit Swan Song Records ein eigenes Label, mit dem auch neue Gruppen, wie "Bad Company" gefördert wurden. Während "Whole Lotta Love" im Vietnamkrieg von amerikanischen Soldaten aus ihren Panzern heraus bis zum Anschlag aufgedreht wurde, arteten die Beziehungen der Gruppe zur Presse in einen offenen Krieg aus (S. 150).
Das 1971 erschienene vierte Album trug weder einen Titel, noch zeigte es den Bandnamen, wartete im Inneren statt dessen mit vier geheimnisvollen Zeichen auf; Eine Feder im Kreis für Robert, drei ineinander verwobene Kreise für Bonzo, drei ineinander verwobene Ovale, die wiederum in einen Kreis verwoben sind für John Paul Jones und eine mystische Glyphe mit dem Wort "Zoso" für Jimmy Page. Für seine Gruppe lehnt Page den neuen Begriff "Heavy Metal" ab, weil er damit endlos runtergedroschene Riffs assoziierte, die Musik Led Zeppelins für ihn jedoch eine innere Dynamik von Licht und Schatten, Dramatik und Vielfalt verkörperte (S. 123). Die sogenannten progressiven Gruppen seinen mit ihrer persönlichen Intellektualisierung der Beat Musik zu weit gegangen. (S. 123)
Davis geht in seinem Buch auch auf die (z. T. angedichteten) Randale und andere Skandale der Gruppe ein. So hatte besonders Jimmy eine besondere Obsession für den Okkultisten Aleister Crowley (1845-1947), mit dem sich sowohl die Rolling Stones als auch die Beatles bereits befasst hatten. Das angebliche "backward masking" mancher Tracks, mit dem Luziferische Botschaften verbreitet werden sollten, wird in das Reich der Fantasie verwiesen. Wahr ist jedoch, dass Page die Interviewfrage, welcher historischen Person er am liebste begegnen würde, mit Machiavelli beantwortete. Auch die zahlreichen Rockkurtisanen und Groupies, wie "Miss Pamela" oder Lori Maddox kommen nicht zu kurz. Ebenso wenig fehlt die "Hai-Episode" die Frank Zappa zu seinem Song Mudsharks inspirierte (S. 97). Los Angeles wurde zum persönlichen Sodom und Gomorra (S. 109) der Gruppe. Während im im Riot House Produzent Peter Grant dem Hotelmanager "einen Fernseher zum aus dem Fenster Rauszuwerfen" (S. 233) spendierte, bekam die Gruppe für das Tokyo Hilton lebenslanges Hausverbot. Neben Alkohol gerieten die aus England steuerflüchtigen Bandmitglieder allmählich in Abhängigkeit von Mantrax (S. 148), Kokain und Heroin. Dennoch waren für die 1975er US-Tour 700.000 Karten innerhalb eines Tages ausverkauft. Led Zeppelin verkauften mehr Platten als die Rolling Stones und hatten neun Alben gleichzeitig in den aktuellen US-Charts! Fünf Jahre später, nach dem Tode Jon Bonhams am 25. September 1980 trennten sich die verbliebenen Crewmitglieder des Zeppelins....
....um sich am 14. Juli 1985 beim Live Aid Konzert in Philadelphia mit Phil Collins am Schlagzeug wieder zusammen zu finden.Im Mai 1988 traten sie dann mit dem Jason Bonham, dem Sohn Bonzos beim 40-jährigen Jubiläum von Atlantic Records im Madison Square Garden auf. Nach der Aufnahme in die Rock and Roll Hall Of Fame am 12 Januar 1995 und diversen Solo-, und Gruppenprojekten enden Davis' Betrachtungen im Jahr 2003. Daher fehlt der Auftritt im Londoner Millennium Dome am 10. September 2007, bei dem sich angeblich 20 Millionen Menschen für den Erwerb einer von 20.000 Eintrittskarten hatten registrieren lassen und die Präsentation des neuen Albums "Mothership" am 28. Januar 2008.
Eine Sechszehnseitige SW-Fotostrecke, ein Quellenverzeichnis und Auswahlbiographie, sowie eine Discographie runden ein musikhistorisches Leseerlebnis ab, das mit 5 Amazonsternen zu bewerten ist.