"Lebertran und Chewing Gum" war das erste von mittlerweile vier Büchern aus der Zeitgut-Reihe, das ich gelesen habe, und es werden sich mit Sicherheit noch viele anschließen.
Zu dieser Reihe geriet ich nach der Lektüre etlicher Sachbücher, die die ersten zwei Drittel des vergangenen Jahrhunderts zum Inhalt hatten. Ich wollte nun nicht mehr nur die politisch-geschichtlichen Fakten verstehen - sofern das überhaupt möglich ist -, sondern die Lebensumstände und den Alltag der ganz "normalen" Menschen dieser Epochen kennen lernen. Und meiner Ansicht nach gelingt dies mittels der anthologieartig aufgebauten Zeitgut-Bände hervorragend. Es sind Menschen aus den verschiedensten Regionen des damaligen Deutschland, die besondere Ereignisse ihres Lebens skizzieren, welche symptomatisch für ihre Zeit waren, oder in ihrer schlichten und daher umso treffenderen Sprache schildern, wie ihre Kindheit oder Jugend aussah. Der Querschnitt aus den verschiedensten Zeitzeugen vermittelt ein vielseitiges und gut verständliches Bild der dargestellten Epoche. Die Verfasser der Texte haben zudem privates Fotomaterial eingebracht, das den Lebensbildern zusätzliche Facetten verleiht.
Diese Rezension gilt im Grunde also der gesamten Reihe, doch wozu sollte ich sie mehrfach schreiben? Wer den Mut hat, sich von Individualschicksalen berühren zu lassen (denn die Zahlen aus den Sachbüchern gehen wesentlich weniger ans Gemüt), sollte sich das eine oder andere Buch aus dieser ausgezeichneten Reihe zulegen.