Ketil Bjoernstad, Komponist, Jazzmusiker und Schriftsteller aus Oslo, ist eng mit der jetzt 68 jährigen norwegischen Schauspielerin Liv Ullman befreundet. Er hat ihr bei der Abfassung ihres Buches geholfen. Sie hat ihm vertrauensvoll ihre Tagebücher und Briefe übergeben und sie haben daraus und aus intensiven Gesprächen, gemeinsam Liv Ullmanns Leben erarbeitet.
So sind die Memoiren der berühmten, großen Schauspielerin entstanden. Ketil Bjoernstad hat es verstanden ganz zartfühlend und sanft, bis zu den letzten Geheimnissen im Leben Liv Ullmanns vorzudringen. Er kitzelt alles aus ihr heraus, beschreibt auch das Schonungslose in diesem schillernden Schauspielerleben, aber er lässt ihr dabei immer ihre Würde.
Liv Ullmann ist die weltbekannte Heulsuse aus den Ingmar Bergmann Filmen. Sie ist eine Künstlerin von besonderer Ausstrahlungskraft, eine freimütige Frau, die einen Schlaganfall überlebt hat, die ständig mit Alkoholproblemen zu tun hatte, die sich einer Herzoperation unterziehen musste und die nun Abstand nimmt von ihrem schillernden Leben, inne hält und reflektiert. Es ist vorbei mit dem ständigen Verlieben, vorbei mit den wechselnden Leidenschaften, mit den schwierigen Männerbeziehungen. Ihr Hauptproblem ist das Alt werden. Sie sagt einmal: Alt werden ist viel schwerer als Sterben, Tod ist nur eine Sekunde, ist nur ein Moment.
Persönlich erzählend, räsonierend und kommentierend hält sie Rückblick auf das gelebte Leben. Es ist auch in irgendeiner Form ein Spaziergang durch 60 Jahre Kinogeschichte. Man erfährt viel über die Extravaganzen des Regisseurs Ingmar Bergmann, mit dem sie jahrelang liiert war. Sie berichtet unter anderem über ihre Begegnungen mit Woody Allen und Frederico Fellini.
Obwohl es häufig kitschig und sentimental ist, beeindruckt dieses Prominentenbuch doch immer wieder durch Ehrlichkeit und Schonungslosigkeit. Literarisch hat mich das Buch nicht erreicht, wir haben es hier ja auch mit einer Schauspielerin und keiner Dichterin zu tun. Aber zweifellos ist es ein Buch fürs Gefühl. Es ist ein ganz offenes, kluges und ernstes Buch über die Ereignisse und Erlebnisse im Leben der Liv Ullmann. Ich denke von dem Buch gilt, was Robert Gernhardt einmal übe gute Gedichte gesagt hat: Gut gefühlt, gut gefügt, gut gedacht und gut gemacht.