Erstaunlich, was man alles unter "neu" verstehen kann. Die in diesem Buch enthaltenen Romane stammen aus den Jahren 1983 und 1985 und die deutsche Erstausgabe aus 1986.
Das hierdurch einige grundlegende Hintergrundscenarien des Buches, das in seinem ersten Teil nicht allzu weit in der Zukunft liegt, mehr als überholt sind, dürfte klar sein. Wenn man darüber aber mit leichtem Schmunzeln hinwegsieht ist zumindest der erste Teil "Sonde 53935" lesenswert. Eine spannende Geschichte - eben nur in einem dem Entstehungsjahr entsprechenden Stil. Nach dem Eintreffen einer außerirdischen Sonde im Sonnensystem kommt es um politische und militärische Auseinandersetzungen darüber, wie man mit ihr verfahren soll. Abgesehen von den teilweise hölzernen, oberflächlich geschilderten Protagonisten durchaus lesenswert.
Der zweite Teil "Planetensystem Procyon" vermag mich dagegen nicht zu überzeugen. Die Story selbst ist nicht sonderlich spannend, die Protagonisten werden wieder (und noch mehr) ziemlich eindimensional geschildert, und alle Rollenklischees der 60ziger Jahre sind darin verarbeitet. Schafft es in diesem Roman doch eine kleine Gruppe von Siedlern auf einem fernen Planeten nicht nur einen FTL Antrieb aus den Hinterlassenschaften einer außerirdischen Rasse zusammenzubauen, ohne ihn überhaupt zu verstehen, sie baut dazu noch zwei interstellare Raumschiffe mit diesem Antrieb, ohne das bei einer derart geringen Bevölkerungsdichte auch nur im geringsten die Chance bestehen würde, eine entsprechende technische und industrielle Basis zu haben. Die weitere Schilderung der Handlung würde den Rest der noch vorhandenen Spannung des Buches völlig verderben.
Kurz gesagt, Teil 1 verdient (mit kleinen Einschränkungen) durchaus 3 Sterne, Teil 2 dagegen allenfalls 2.