Als aktiv Teilnehmender am modernen Gesundheitskult (wie auch der Autor, der Chefarzt einer psychiatrischen Klinik ist) tut diese Polemik richtig wohl. Lustvoll liest man sich durch rhetorisch geschickt angelegte Abschnitte, die zwar oft ein wenig Logik vermissen lassen, die aber nie langweilig oder komplett ohne Hand und Fuß sind.
Es ist in der Tat kein Buch für Gegner der katholischen Kirche, aber damit haben wahrscheinlich nur die wenigsten Angehörigen der Zielgruppe wirklich ein Problem.
Jeder, der beruflich im Gesundheitswesen seine Brötchen verdient, kennt die Auswüchse der modernen "Ersatzreligion". Und diese werden einem von einem Kenner in neuem Licht von einem interessanten Standpunkt aus vor Augen geführt. Der klare Appell, daß das Leben nicht aus Gesundheit besteht, Gesundheit nichts machbares (schon gar nicht komplett und auf Dauer) ist und der ungesunde Genuß wichtiger ist, als die unendliche Vorbereitung auf ein gesundes lustvolles Leben, das dann aber nie stattfindet - das sind schon wirkliche Kontrapunkte zu einer Gesellschaft des Gesundheits- und Schönheitsfanatismus.
Offen, humorvoll und mit unverblümter Kritik ruft der Autor dazu auf verantwortlich zu Leben, die modernen Dogmen der Gesundheitsindustrie mindestens ebenso heftig zu hinterfragen, wie die der "Altreligionen" und das eigene Gefühl und den eigenen gesunden Menschenverstand als Richtschnur zu benutzen (falls gewünscht mit Unterstützung der katholischen Morallehre). Oposititionelle Meinungen sind (Gott sei Dank!!!) noch erlaubt in unserem Land, auch wenn die Lobyisten der Kurkliniken und Fitnessstudios, der Koronarsportgruppen und NordicWalkingVereine dies nicht gerne hören.