Das Buch "Lauf Jane, lauf" von Joy Fielding begeisterte mich als ein Meisterwerk der Spannung und ein Wechselbad der Gefühle. So ging ich mit entsprechend hohen Erwartungen an diesen Titel heran. Er spricht sicher die Emotionen meisterhaft an, die eine Mutter in dieser Situation haben muss. Ihre Gefühlslage, die zunehmende Isolation, der ihr mehr und mehr Lebenskraft raubende Schmerz wecken ein starkes Mitgefühl und lassen mitleiden. Geschickt sind auch soziale Fragen zur Opfer-Täter-Problematik in die Handlung eingewoben, die zum Nachdenken anregen. Doch Spannung kommt eigentlich nie richtig auf, es mangelt dem Buch an Ideen. Nach dem tragischen Vorfall irrt die Mutter umher, bringt ihre Familie zum Verzweifeln, zerstört sich immer mehr in Selbstvorwürfen - mehr geschieht nicht. Bei diesem Hin und Her bleibt es, ohne Höhepunkte, ohne überraschende Wendungen, ohne packende Ereignisse, ohne eine wirklich mitreissende Handlung, die über das Mitgefühl hinausgeht. Sogar das Ende ist vorhersehbar, ein Finale so lau wie ein Grossteil der Handlung. Schade, denn die Autorin wäre zu mehr fähig gewesen und die Storyidee hätte ebenfalls mehr hergeben können.