»Wir stehen auf Werder Bremen! Wer jetzt zehn Jahre alt ist, wird das Double 2004 in seinem Herzen tragen. Wer zwanzig ist, war beim Pokalsieg 1999 völlig von den Socken. Wer dreißig ist, verklärt den Triumph von Lissabon 1992 zu einem der schönsten Tage seines Fan-Lebens. Wer vierzig ist, vergöttert nach wie vor Horst-Dieter Höttges oder Dieter Burdenski. Wer fünfzig ist, erinnert sich an die kurzzeitige Aufregung um die rohrkrepierende 'Millionenelf'. Wer sechzig ist, erinnert sich an Eintrittspreise um 2 DM in der alten Betonschüssel Weser-Stadion...«
Samstag, 24. August 1963, 17:34 Uhr, Willi Soya bekommt den Ball, schießt, prallt mit dem Dortmunder Torhüter Hans Tilkowski zusammen, verletzt sich, spielt tapfer weiter und der Schuss ging in die Bremer Annalen ein ' das erste Bundesligator für Werder Bremen zum 1:1 gegen Borussia Dortmund. Erwähnenswert ist allerdings auch, dass Borussia Dortmund in diesem Spiel das allererste Bundesligator überhaupt erzielte und das bereits nach nicht mal einer Minute.
Mittwoch, 01. April 1981, Dienstantritt für Otto Rehhagel beim SV Werder. Damals ahnte wohl noch niemand, wie lange König Otto das Zepter hier in seinen Händen halten würde. Der eigentliche Trainer 'Ritter Kuno' Klötzer verletzte sich bei einem Autounfall und fiel aus und so begann die Ära Rehhagel, die erst am 17. Juni 1995 bei der Begegnung FC Bayern München - SV Werder Bremen ein Ende fand. Sein Erbe anzutreten war wirklich keine leichte Aufgabe und so scheiterte Ad de Moos bereits im Januar der folgenden Saison. Was Otto Rehhagel heute noch mit dem Verein verbindet, erzählt er in einem sehr persönlichen Interview.
Samstag, 16. Oktober 1982, für Willi Lemke und auch zahlreiche andere Werderfans der traurigste Tag in der Werdergeschichte. Dies war der Tag, an dem Adrian Maleika beim Pokalderby HSV-SV Werder sein Leben lassen musste.
»Er war der erste gewaltsam zu Tode gekommene Fan eines Bundesligisten. In Hamburg und Bremen wird sein Name immer ein mahnendes Beispiel dafür sein, dass selbst die allergrößte Rivalität zwischen Fan-Gruppierungen Spielregeln und Grenzen muss.«
Gerade heute, wo die Randalierer wieder stärker werden, sollten wir uns die Geschichte von Adrian Maleika immer wieder vor Augen halten.
Mittwoch, 08. Dezember 1993, der RSC Anderlecht erlebt sein grün-weißes Wunder in der Champions League-Endrunde. Nach 33 Minuten steht es bereits 0:3 für den RSC. In der Halbzeitpause scheint Otto Rehhagel, eher für Kultiviertheit bekannt, die genau richtigen (wohl eher unschönen) Worte zu finden, die die Mannschaft so braucht. Wynton 'Kiwi' Rufer trifft in der 66. Minute zum 1:3, dem Rune Bratseth, Bernd Hobsch, Marco Bode sowie noch einmal Wynton Rufer Tore folgen lassen ' Werder gewinnt 5:3.
Samstag, 08. Mai 2004, Bremen muss gegen Bayern München im Olympiastadion ran. Endstand 1:3. Bremen ist Meister. Samstag, 29. Mai 2004, DFB-Pokalfinale in Berlin Alemannia Aachen fordert Werder heraus, Endstand 2:3. Bremen ist Pokalsieger. Wen interessierte da noch das Ausscheiden aus dem UI-Cup?
Arnd Zeigler, Bremer Stadionsprecher, Autor und Radiomoderator, hat mit 'Lebenslang grün-weiß' ein Buch geschrieben, das in das Regal eines Werderfans gehört. 'Lebenslang grün-weiß' beinhaltet ausführliche Berichte sämtlicher Spielzeiten seit Bundesligaeinführung 1963 sowie Statistiken, die Zeiglers Vereinsliebe und Liebe zum Detail zeigen: Ein Wer-kam-und- ging, eine Aufstellung der Mannschaft mit Bild jedes einzelnen, Trainer, Nennung der Werderführung, ALLE Spiele der Saison mit Aufstellung, Toren, besonderen Vorkommnissen und Zuschauerzahl, die Bundesliga-Abschlusstabelle und die Fieberkurve vom SVW.
Jede Spielzeit bekam in diesem Buch gleich viel Platz, er berichtet im sehr eigenen Plauderton über Besonderheiten der jeweiligen Saison. Der Leser hat eher das Gefühl, sich mit Zeigler über seinen Lieblingsverein zu unterhalten, als zu lesen. Das Buch ist nie trocken sondern stets flüssig und äußerst lebendig geschrieben. Den besonderen Charme dieses Werkes machen die sehr persönlichen Interviews aus, die mit Spielern, Trainern sowie Funktionären von damals und heute geführt wurden (z.B. Josef Piontek, Rudi Völler, Marco Bode, Johan Micoud, Otto Rehhagel u.v.m.). Zeigler zeigt die sonnigen Zeit des Vereins auf, verschweigt aber nie die verregneten Tage Werders, ganz im Gegenteil. Im Schlussteil des Buches zieht Zeigler aus ausgewählten negativen Dingen noch Positives.
'Lebenslang grün-weiß' ist ein emotionales, sehr persönliches Buch, eine Liebeserklärung an den Verein von der Weser. Bezeichnend ist auch hier, dass man stets merkt, wie sehr der Verein doch auf dem Boden der Tatsachen geblieben ist. Ein Buch von einem Fan für die Fans.
Als nette Zugabe gibt es ein beiliegendes Poster, auf dem noch eimal sämtliche Werderspieler zu sehen sind, sowie rückseitig sämtliche Trikots, die ja nicht immer unumstritten waren, wie Tim Wieses zum Beispiel, dessen rosarotes Trikot 2005 für massig Schlagzeilen und (leider) auch Häme sorgte. Nachteil hier ist, dass der Fan nicht weiß, welche Seite nun aufzuhängen ist.
Einziges Manko des Buches ist die fehlende Zeit vor Bundesligaeinführung, was wahrscheinlich noch eimal zig Jahre Recherchearbeit bedeuten würde.
Bislang waren Sport- bzw. Vereinbücher eher geprägt durch trockene Statistiken und Bilder von Glanzleistungen. Arnd Zeigler aber setzt mit 'Lebenslang grün-weiß' neue Maßstäbe und auch wenn er manches durch die Werderbrille sieht (wenn nicht hier, wo dann?), findet der Leser in dieser wundervollen 'Werderbibel' keinerlei Selbstbeweihräucherung, was die Lektüre eigentlich für jeden Fußballfan lesenswert macht. Zeigler hat drei Jahre lang intensive Recherche betrieben um 578 Seiten Inhalt zu geben und es gibt keine einzige Seite, die uninteressant oder überflüssig wäre. Solch ein Werk ist bislang einmalig in diesem Bereich und wird es sicherlich auch einige Zeit bleiben!
Zeigler veröffentlichte in der Bundesligasaison 2003/2004 bereits das Buch 'Das W auf dem Trikot', welches mit den Sätzen endete: 'Arnd Zeigler wurde 1965 in einem Weidenkörbchen unter der Ostkurve des Bremer Weser-Stadions gefunden. Noch heute lebt er im Weser-Stadion. Weil er einfach nicht weggehen wollte, ist er nun dort Stadionsprecher. Das bedeutet: Er schaut sich alle Fußballspiele des SV Werder an und darf dabei rumbrüllen. Das ist auch das, was er am besten kann...' Hier muss ich ihm leider einmal widersprechen: Mindestens ebenso gut kann er schreiben und Erinnerungen aufleben lassen. Danke, Arnd!
'Lebenslang grün-weiß' ist auf jeden Fall ein Buch, das einen Sonderplatz im Bücherregal findet und bei jedem Aufschlagen etwas Neues finden lässt. Es ist ein Buch, dass das Herz jeden Werderfans höher schlagen lässt!
Das wirkliche Ende des alten sowie jetzt vorliegenden Titels ist der 'Raum für Werder-Träume', indem jeder seine Träume bezüglich des Vereins notieren kann.
Werder wurde Meister und Pokalsieger! Das schaffen wir! Werder Bremen ' Lebenslang grün-weiß!