Die Geschichte fängt mehr als beschaulich an: Bei Familie Steilberg ist für den Abend eine Grillparty geplant, während Astrid in der Küche die letzten Vorbereitungen trifft, schickt sie zuvor noch Tochter Julia in den Supermarkt. Eine Fahrt, von der sie nie mehr zurückkehren wird..
Plötzlich geht alles ganz schnell, nachdem Julia nach über zwei Stunden vom Einkaufen immer noch nicht zurück ist, wird die Polizei alamiert, die Julia sofort zur Fahndung ausschreibt. Vor dem Ehepaar Steilberg liegen nun Stunden der Angst und der Vorwürfe. Schnell kristalisiert sich für den Leser die Kluft zwischen dem Paar heraus und man spürt mehr als deutlich, dass das Verschwinden von Julia das Tüpfelchen auf dem i vor dem Ende der Ehe ist.
Während Fabian die Polizei versucht zu unterstützen, fällt Astrid in ein tiefes Loch und wirkt absolut lethargisch und der Einzige der noch einen Zugang zu ihr hat, ist ihr Bruder.
Als wenige Tage später dann Julia's Leiche gefunden wird, stirbt Fabian mit ihr. Den Anblick im Leichenschauhaus wird er wohl sein Lebtag nicht vergessen und ist mit der Verarbeitung dessen weiterhin auf sich allein gestellt.
"Lebenslang" nimmt langsam und schleichend an Tempo zu und lässt den Leser ungewohnt nah dabei sein. Außergewöhnlich gut fand ich es, dass die Geschiche aus der Sicht von Fabian erzählt wurde und nicht, wie es in solchen Fällen oft der Fall ist, aus der Sicht der Mutter. Auf jeder Seite fühlt man mit Fabian mit und merkt auf erschreckende Art und Weise, wie er innerlich immer mehr zerbricht. Zwischendurch hat sich sogar das Gefühl bei mir eingestellt, dass ich Astrid am liebsten geschüttelt hätte, dass sie aus ihrem Trance-Zustand erwacht und endlich die Hand nimmt, die Fabian ihr die ganze Zeit über reicht.
Ob Peter Schwindt hier nun wirklich einen Thriller geschrieben hat, ist fraglich, denn dafür geht er für meinen Geschmack zu wenig ins Detail, legt stattdessen aber raffinierte Fährten, beispielsweise mit der Geschichte von Yvonne, die "nebenher" läuft und man sich die ganze Zeit über fragt, was sie mit dem "Fall Julia" zu tun hat. Aber die Aufklärung dessen ist einfach grandios und hätte ich in dieser Form auch nicht erwartet.
Auch stopft der Autor all meine Wissenslücken genau zum richtigen Zeitpunkt und lässt keinerlei Fragen offen. Für mich ein ganz außergewöhnliches Buch, das mich nach den ersten Sätzen gefesselt und in seinen Bann gezogen hat. Es ist erstaunlich, wie gut es Peter Schwindt gelungen ist, den Leser so tief in das Buch und die Story zu ziehen.