Ein Buch mit "Rezepten" zu jeder Lebenskrise von der Empfängnis bis zum Tod (und darüber hinaus), geht das denn? Nein, aber das ist auch nicht der Anspruch des Buches. Vielmehr ist dieses Buch ein Aufruf zur Entwicklung oder Bewußtwerdung des eigenen Musters. Dahlke setzt das Muster des Lebens in Beziehung zu den natürlichen Rhythmen des Lebenslaufes etwa eines Jahres. Alles in allem ist das Buch wunderbar und meine Kritik setzt in einem Bereich an, der sehr schwer zu sehen ist. Dahlke zeigt mit großer Sachkenntnis und scharfem Blick immer wieder die großen Muster unserer Zeit und Kultur auf und da wir nun einmal alle Kinder unserer Zeit und Kultur sind, zudem auch noch jeder in das beschriebene Muster von Werden und Vergehen eingebettet ist, ist also für jeden, der sein Leben besser verstehen will, in diesem Buch etwas zu finden. Das Buch ist einfühlsam und nicht ohne Humor, zu dem wieder einmal locker und gut geschrieben mit zahlreichen Fragen uind Anregungen zu all den angesprochenen Lebensbereichen. Ob Suchtgesellschaft, Impfkampagnen, Ernährung oder Geburtskomplikationen, Alter, Pubertät und Tod Dahlke hat und weiß zu allen Gebieten etwas zu sagen. Aus meiner Sicht sind alle Darstellungen Dahlkes in seinem Buch ebenso praktikabel (was nicht leicht bedeuten soll) wie theoretisch richtig, bis auf den Grundrahmen, der sein Werk durchzieht. Dahlke stellt den Mennschen vor, als aus der Einheit/Mitte kommend und in die Ein-heit/Mitte gehend, und irgendwo dazwischen befinden wir uns. Doch hier genau ist der wichtige Diskussionspunkt. Die Einheit aus der wir kommen, wo genau beginnt oder endet sie? "Vor der Empfängnis", schreibt Dahlke, "befindet sich die Seele in einem Zustand von Ungebundenheit und Weite, Freiheit und Schwerelosigkeit." Ja und nein, denn vor der Empfängnis ist die Seele, nach östlicher Anschauung, auf die sich auch Dahlke beruft, eben nicht nur in der Einheit sondern durchläuft einen ganzen Prozeß von Entwicklungen, deren letztendlicher Höhepunkt die erneute Verkörperung ist. Damit ist die Empfängnis aber zugleich Tiefstpunkt der Entwicklung (der Evolution) und der Höhepunkt der Verwicklung (oder Involution) alles was danach kommt ist Entwicklung zum Höheren. Die Involution findet nicht in dieser Welt statt, oder anders, das Kleinkind ist weder in der frühesten symbiotischen Phase, und noch weniger im Mutterleib der Einheit näher, als mit drei, sieben, oder 50 Jahren. Lebensalter allein ist natürlich kein Garant für seelische Entwicklung, aber man sollte (erleuchtete) Omnipotenz nicht mit (embryonaler) Undifferenziertheit verwechseln. Dies als kurze Kritik zum Grundrahmen. Dies als Diskussionsgrundlage im Hinterkopf behaltend ist das Buch eine Goldgrube. Die einzelnen Abschnitte des Lebens sind ebenso treffend wie liebevoll dargestellt, nicht jedes Detail erfassend, sondern eben (ur)prinzipiell. Und da ist Dahlke einer der größten Experten und deshalb wird sich jede(r) in diesem Buch im-mer auch ein wenig (und machmal auch mehr) wiederfinden. Fragt man nun, "Was bringt mir das denn?" so hat man vielleicht nicht erfaßt, was Dahlke meint. Wer sich einfach ansprechen läßt und sich immer wieder ein Stück weit auf die Reise nach Innen traut, wer einfach offen ist und die Vorschläge und Sichtweisen annimmt, dem wird dieses Buch sehr viel zu sagen haben... Und diesen "Anspruch" erfüllt das Buch im ganzen Umfang.