Der Kriminalroman "Lebenshunger" hat mir sehr gut gefallen. Die Figuren und die gesamte Location sind so sympathisch normal, dass man neugierig darauf wird, wie es den Leuten so ergeht, vor allem, was Jana, die Hobbygärtnerberaterin aus Weihenstephan, alles so anstellt bzw. improvisiert, um einen Mordfall aufzuklären. Die Dialoge zwischen ihr und den ermittelnden Beamten sind äußerst unterhaltsam, auch das, was nicht ausgesprochen, sondern gedacht wird. Witzige Brechung, eine so wagemutige, ungeübte Person mit einer knallharten Verbrechensbekämpfung zu konfrontieren. Und auch spannend, weil die Szenen detailliert beobachtet sind, fast wie gezeichnet, da ist man als Leser mitten im Geschehen. Ein Hauch satirisch wird es, wenn die Hobbykriminalistin die Tatverdächtigen "aus den Augen der Gärtner" observiert oder methodisch an das gebunden ist, was das normale Freizeitverhalten hergibt. Mitunter bis zum Bersten ausgereizt, z.B. wenn Jana auf bloßem Verdacht hin in ein wildfremdes Haus einbricht und eine entscheidene Spur findet. Durch ihren gesunden Menschenverstand wirkt es nie lächerlich, man teilt die Empörung. Es ist zudem interessant, wie die verschiedenen Handlungsstränge miteinander verwoben wurden. (z.B. Urlaub am Chiemsee, Migration, Auftritt der Paparazzi etc.) Ein facettenreiches Spiegelbild aus heutiger Zeit. Schließlich bringt Janas Schnüffelei" ungewollt eine ganze Serie von Verbrechen ans Tageslicht. Ich finde sehr informativ, was die Autorin, ohne belehrend zu sein, zum Thema Zwangsprostitution und Menschenhandel geschrieben hat. Die Liebesgeschichte hingegen ist idealisiert, insbesondere die Zuspitzung im Epilog, aber trotzdem kann man sich mit den Gefühlen gut identifizieren, weil sie immer mit wenigen Sätzen real erfasst sind. Eine Gratwanderung zum Kitsch, jedoch kunstvoll verdichtet. Ich denke an das erotische Spiel um die Handschellen im Buch. Bei manchem alt hergebrachten Detail musste ich, je mehr Drehungen und Wendungen sie kriegten, richtig lachen. Zum Schluss, als es brenzlig wurde, fast wie in einem Tatsachenbericht, konnte ich nicht mehr aufhören zu lesen. Sehr dramatisch hat die Autorin dann die Zeitraffer eingesetzt, könnte man meinem Erachten nach gut verfilmen. Die Rezeptvorschläge, die sie zwischen die einzelnen Episoden gestreut hat, passen natürlich nicht wirklich zu einem Roman. Aber da der Lebenshunger der jungen Frau, nicht zuletzt durch die Flirts mit ihrem Partner Jay, so selbstverständlich beschrieben ist, verzeiht man das Eva Gardener als Selbstironie, die zwischen den Zeilen immer mal wieder aufflackert.