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Produktinformation
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Lebensfülle
Weh. Als Begründer der Soziobiologie geniesst Edward O. Wilson einen zweifelhaften Ruhm. Für zahlreiche Kritiker ist diese Wissenschaft zu reduktionistisch. Als Ameisenforscher wiederum hat Wilson einen unbestrittenen Ruf. Seine jetzt auf deutsch erschienene Autobiographie zeigt, dass Wilsons theoretischer Reduktionismus stark mit seiner lebendigen Naturanschauung kontrastiert. Es präsentiert sich ein Forscher, der schon als kleiner Junge von der Vielfalt der Tierwelt bis ins Innerste ergriffen war. Tiere sind für ihn nicht blosses Forschungsobjekt, sondern Faszinosum. Ameisenforscher wurde Wilson aber auch auf Grund einer Sehbehinderung: Folge einer Verletzung, die ihm schon in der Kindheit eine Meerbrasse beim Angeln beigebracht hatte. Fortan konnte er Objekte präzis nur noch aus unmittelbarer Nähe wahrnehmen. Vogelkunde war für ihn deshalb ein ungeliebtes Fach in seiner Studienzeit. Bemerkenswert sind seine genauen Beschreibungen der eigenen Entwicklung: seine charakterliche Prägung durch die Gulf Coast Military Academy, die er als Scheidungskind besuchte, sein Verhältnis zur Religion und sein Weg als Forscher. Spannend erzählt Wilson aus seiner Forschungspraxis und von den Auseinandersetzungen, die die Veröffentlichung seiner Soziobiologie provozierte. Geradezu anrührend ist die Offenheit, in der Wilson die unterschiedlichen Charaktere seiner Gegner und Mitstreiter schildert und sich selbst in diesen Konflikten in seiner Irritation darstellt. Während Wilson in seinen theoretischen Abhandlungen manchmal auf unangenehme Weise rechthaberisch wirkt, präsentiert er sich hier als suchender und somit sympathischer Gelehrter.
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Leider meint es Wilson in seiner Autobiographie aber manchmal etwas zu gut mit der Sprachvirtuosität und gerät ins fabulieren - was offenkundig nicht sein Metier ist. Wilson ist und bleibt Biologe - nicht Literat - und das ist auch gut so. Glücklicherweise fängt er sich nach einigen schwächeren Passagen immer wieder und kehrt zu dem ihm eigenen sachlich-distanzierten Stil zurück.
Insgesamt ist das Buch für alle *kundigen* Leser, die sich bereits mit dem wissenschaftlichen Werk des Autors beschäftigt haben, ein Gewinn. Schildert es doch lebendig und erstaunlich stringent die berufliche Entwicklung vom naturkundlichen „Briefmarkensammler" (Entomologen) über den Biogeographen und Populationsbiologen hin zum Soziobiologen und schließlich zum Kämpfer für die Erhaltung der ökologischen Biodiversität. Die unkommentierte Erwähnung dieser Fachbegriffe erfolgte dabei nicht ohne Grund; denn ohne (zumindest elementare) Grundkenntnisse der hinter den Begriffen stehenden biologischen Fachkonzepte bleiben einem viele Nuancen des Buches zwangsläufig verschlossen.
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