Ich habe Michael Pollan mehr durch Zufall entdeckt, als ich bei YouTube seinen Vortrag über eben dieses Buch (Im Englischen: In Defense Of Food) gesehen habe.
Sein Konzept hat mich sehr zum Nachdenken gebracht: Trotz immer neuer Erkenntnisse in der Lebensmittelforschung ernähren sich Menschen in den westlichen Industrienationen deutlich schlechter als in den restlichen Teilen der Welt. Herzerkrankungen, Diabetes, Krebs, krankhaftes Übergewicht und andere Krankheiten sind bei uns schon längst als unausweichliches Übel akzeptiert, dabei werden diese Zivilisationskrankheiten erst durch falsche Ernährung massiv begünstigt.
Wie kann es sein daß wir so viel über Nahrung zu wissen glauben, und dennoch nicht gesünder leben? Weil wir der Natur nicht mehr vertrauen. Volles Korn wird soweit zerstört daß ein nutzloses Weißmehl übrig bleibt, das keinerlei Vitamine und Mineralstoffe enthält, und statt dem Körper zu nutzen nur Schaden anrichtet; Kristallzucker und Glukosesirup hat längst unsere Lust an natürlich süßen Früchten zerstört; lebendige und dadurch lebensspendende Lebensmittel werden für lange Lagerung sterilisiert, entkernt, abgetötet. Wir glauben zu wissen was der Mensch zum Leben braucht - hauptsache also jeden Morgen eine Vitaminpille, da ist ja von allem genug drin!
Sehr eindringlich legt der Autor hier da, daß dem eben nicht so ist. Beispielweise glaubten Wissenschaftler noch vor kurzem, daß das Beta-Karotin in Karotten diese so gesund mache. Also isolierten sie den Stoff, stellten ihn künstlich her, pressten ihn in Tablettenform und testeten sie an Menschen. Denen allerdings half dieses Produkt nichts, machte sie in einigen Fällen sogar krank. Doch ständig wird ein neues Wundermittel entdeckt: Iss nur so viel Omega 3-Fettsäuren wie du kannst, dann wirst du hundert Jahre alt! Pollan legt hier sehr ergreifend da, daß wir es uns so deutlich zu einfach machen, und jedes Lebensmittel mehr ist als die Summe seiner Inhaltsstoffe.
In Lebensmitteln steckt also weitaus mehr als wir bei unserem heutigen Kenntnisstand erahnen können. Deshalb plädiert Pollan zur Rückkehr zu möglichst naturbelassenen Essen, nach so einleuchtenden Formeln wie: "Esse nichts was deine Urgroßmutter nicht als Essen erkennen würde", und führt als Erläuterung so schöne Beispiele an wie echte Milch und Haferflocken im Vergleich zu mit fettigem Milchpulver gefüllte Zucker-Cerealienriegel.
Eines der Erkenntisse, die mich in diesem Buch am stärksten beeindruckt haben, war daß Menschen in allen Teilen der Welt von den unterschiedlichsten Dingen Leben können: Eskimos, die beinahe nur fettigen Fisch essen, fast nur Blut und Fleisch essende Stämme in Afrika, rein vegetarisch lebende buddhistische Völker, und keine dieser Menschengruppen leidet an all den Wohlstandskrankheiten, die wir durch unser kaputtverarbeitetes Industriefutter bekommen. Der Mensch ist sehr anpassungfähig, aber er braucht eben vor allem eines: Echte Lebensmittel.