Mein Vater schenkte mir dieses Buch knapp 2 Wochen vor dem Beginn meiner Chemotherapie bei Diagnose Hodenkrebs mit Metastasenbildung in Nieren und Lunge. Natürlich überlegte ich mir,ob ich überhaupt wissen wollte, was mir da noch so bevorsteht. Ich tat es trotzdem und die Entscheidung war richtig. Mein Hauptkritikpunkt vorne weg: an manchen Stellen werden Sachverhalte übertriebener dargestellt, als sie es sind. So beschreibt Armstrong sehr pathetisch, dass er während der Chemotherapie im wahrsten Sinne des Wortes "Säure gepinkelt" habe. Ich habe meine Ärztin daraufhin angesprochen. Sie erklärte mir, dass es in der Tat so sei, dass sich der Säuregehalt des Urins erhöhen würde, dass dies jedoch beim pinkeln nicht scmerzhaft sei, da Urin sowieso sauer sei.
Trotz dieser und einiger weniger anderer Übertreibungen ist die "Tour des Lebens" ein faszinierender Erfahrungsbericht eines ehemaligen Krebspatienten. Das Buch besticht durch einen einfachen, oftmals auch umgangssprachlichen, Stil. So gewinnt der Leser den Eindruck, dass es Lance Armstrong daran gelegen war, das Schreiben nicht der Co-Autorin Sally Jenkins zu überlassen, sondern seine Erfahrungen direkt zu Papier zu bringen ohne sie durch eine zweite Instanz verwässern zu lassen. Gerade dieser Stil könnte es für direkt Betroffene, und vielleicht auch für zart besaitete Zeitgenossen, schwer erträglich machen, das Buch zu lesen. Vor allem das Kapitel über die Chemotherapie ist schon ziemlich harter Tobak. Trotzdem muss keiner davor zurückschrecken, sich die "Tour des Lebens" zu Gemüte zu führen. Betroffene sollten dabei nur immer im Hinterkopf behalten, dass Lance den bösartigsten aller Hodentumoreim im weit fortgeschrittenen Stadium hatte und dementsprechend eine extrem intensive Therapie bekam.
Mir blieb beim Lesen dennoch das ein oder andere Mal die Luft weg. Aber es hilft ja auch nichts die Augen vor der Wahrheit zu verschließen. Und, um selber mal etwas pathetisch zu klingen, sagt man ja das Wissen Macht sei. Je mehr man über den Krebs und die Behandlung, jenseits vom medizinischen Fachchinesisch, weiß, desto besser ist man auch vorbereitet. Davon bin ich überzeugt.