Dieser Autor war eine zeitgenössische Lichtgestalt des lebendigen Buddhismus. Als Deutscher von der breiten Bevölkerung bis zum heutigen Tage sicher nicht wahrgenommen (17.5.1898 in Waldheim/Sachsen als Ernst Lothar Hoffmann geboren) verstarb er 1985 in Mill Valley, Kalifornien/USA, nach einem offensichtlich ausgefüllten Leben als buddhistischer Philosoph, Lehrer und Künstler.
Nach Beendigung seines Philosphiestudiums in Freiburg im Breisgau 1928 fuhr er nach Ceylon, um Mönch zu werden. Zuvor hatte er Pali erlernt und mit Meditationen begonnen. Er legte bereits im ersten Jahr seiner Reise die Gelübde als Brahmacari ab und wurde Schüler von Nyanatiloka Thera.
Der tibetische Guru Tomo Geshe Rinpoche führt ihn 1931 in die Tradition des Mahayana und Vajrayana ein; es folgte das Studium der tibetischen Sprache.
Er arbeitete in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts für diverse buddhistische Einrichtungen, und es war bereits damals klar zu erkennen, dass er seine Lebensaufgabe darin sah, eine Brücke von Ost nach West zu schlagen.
Forschungs- und Pilgerreisen quer durch Tibet folgten. 1952 gründete er einen westlichen Zweig des Arya Maitreya Mandala, 1960 bis 1978 folgten Vortragsreisen in Deutschland und Europa, USA, Japan, Malaysia, Philippinen, Canada, Mexiko, Süd-Afrika, Südostasien, Hawaii. 1978 nimmt er dann seinen Wohnsitz in den USA. Neben seinen weniger bekannten Zeichnungen und Gemälden, die er von 1934 in Calcutta bis 1996 in Konstanz in diversen Ausstellungen vorstellte, tritt er literarisch sehr nachhaltig und prägend mit über fünfzehn Werken in das Bewusstsein der buddhistisch interessierten Welt (1. Buch: DIE GRUNDGEDANKEN DES BUDDHISMUS - Leipzig 1920 und letzte Veröffentlichung 1986: LEBENDIGER BUDDHISMUS IM ABENDLAND)
Man verzeihe mir meine profane Einschätzung des Autoren: DER SCHREIBT WIE EIN DEUTSCHER, als ich das erste Buch von ihm las, zu einer Zeit, in der mir weder der Name dieses Menschen etwas sagte, noch für mich der Begriff BUDDHISMUS viel mehr war als ein Wort. Und so darf ich sagen, dass Lama Anagarika Govinda einer zu denjenigen wurde, die mir mein heutiges, wenngleich bescheidenes, Verständnis des Buddhismus vermittelten.
Eine lange Einführung zu diesem LETZTEN seiner Werke, zu dem man so viel dem Unverständigen sagen könnte, um ihn weiter zu interessieren und so wenig dem sagen muss, der über ein gewisses Erkennen verfügt. Ein letztes, sicherlich auch zusammenfassendes Werk, in dem dieser geborene Lehrer nochmals seine These vertritt und belegt, dass die in anderen Kulturen gewachsenen Praktiken nicht einfach von dem ABENDLÄNDLER übernommen werden müssen, sondern, dass der westliche Mensch sich eine eigene Ausprägung buddhistischer Lehren entwickeln und eine meditative Praxis seinem modernen westlichen Leben anpassen sollte.
Das Buch hat - wie alle Werke des Autoren zuvor - natürlich nichts mit GLAUBEN in westlichem Sprachverständnis zu tun, denn im Buddhismus gibt es nichts zu glauben, auch wenn andere gerne meinen, den Buddhismus in die Nähe eines Glaubens oder eines Glaubensmodells rücken zu müssen. Nach meinem Verstehen gibt es folglich letztendlich auch keine buddhistische Gläubige, wie auch keine ernsthaft zu nennende buddhistisch geprägte Äußerung einen dazu verleiten möchte, an etwas zu GLAUBEN.
Also: Lesen, den Inhalt aufnehmen und sich eine eigene Meinung bilden. Sehr zu empfehlen. HMcM