Vieles ist über Michel Houellebecq gesagt und geschrieben worden: Über seine Poesie, seine Scharlatanerie, eine vermeintlich gefälschte Biographie und eine wahnwitzige Ehe. So halten die einen ihn für einen PR-süchtigen Schwindler, die anderen für einen großen, tiefgründigen Poeten.
Wer "Lebendig bleiben" liest, wird sich schnell letzterer Gruppe anschließen. Das frühe Manifest Houellebecq und die beigefügten Texte untermauern als ungeschlossenes Ganzes, wie ernst es dem am ständigen Scheitern leidenden Schriftsteller mit seinem dichterisch- philosophischen Anliegen ist. Houellebecq geht es - platt gesagt - um die ganz großen Fragen des Lebens wie das legendäre Warum? Und: Wieso so?
Die einzelnen Kapitel der Houellebecq–Schrift fügen sich zusammen zu einer vielschichtigen, philosophischen Abhandlung – nicht im klar strukturierten Denkstil der großen deutschen Philosophen, sondern ganz in der Tradition französischer Dichter & Denker wie de Sade oder Celine. Der Titel "Lebendig bleiben" mit dem Untertitel "Leitfaden" beschreibt in gegebener Kürze treffend, was alle Gedankengänge des Autors verbindet: "Ein toter Dichter schreibt nicht mehr. Woraus die Wichtigkeit folgert, am Leben zu bleiben..."