Das bleibt also als Rahmenhandlung übrig, wenn man die Romane, Erzählungen und Gedichte von Edgar Allan Poe aus den Folgen 1 - 25 der Hörspiel-Reihe von Lübbe Audio herausnimmt? Wie enttäuschend!
Ich bin ein großer Fan dieser Hörspielreihe um "Edgar Allan Poe", jenen Mann der Mitte des 19. Jahrhunderts ohne Gedächtnis und Identität aus einem Irrenasyl auf einer Insel entlassen wird und, immer verfolgt und begleitet von Gestalten und Handlungsorten aus dem Werk des Schriftstellers Edgar Allan Poe als vermeintliche Erinnerungsfetzen, Tagträume oder Visionen, auf der Suche nach seiner Vergangenheit durch die düsteren und schmutzigen Abgründe der Städte New York und New Orleans jener Zeit irrt.
Es ist kaum zu glauben, wie es dem Autor der Hörspielreihe, Melchior Hala - Hörspieladaption laut Booklet zu den CDs - gelungen ist, die Rahmenhandlung in diesem Roman in einer so platten und wenig befriedigenden Art wiederzugeben. In größtenteils extremst kurzen Sätzen, ohne irgendeine Beschreibung der durchaus interessanten und unheimlichen Schauplätze oder der Gefühle und Innenwelten der Hauptfiguren hastet er hier durch die zudem noch extremst gekürzte Geschichte, die Hörer der Hörspielreihe bereits kennen. Dabei geht für mich der Reiz der Hörspielreihe total verloren. Mit diesem "Edgar Allan Poe" und dieser "Leonie Goron" kann ich als Leser nicht mitleiden. Auch wenn man sich beim Lesen die Charaktere vorstellt, die Ulrich Pleitgen und Iris Berben durch ihre Darstellung in den Hörspielen entwickelt haben, kommt keine Freude auf. Die Suche nach der Vergangenheit und Identität der Hauptfigur, die sich zwangsläufig auch im Geist und im Gedächtnis der Hauptfigur abspielt, wird ein Stück weit langweilig, weil sie zur reinen Verfolgungsjagd verkommt, weil man eben nicht die Innenwelten der Hauptfiguren beschreibt. Die Handlungsorte werden nicht allein dadurch spannend und unheimlich, dass man schreibt, dass sie es sind. Dem Autor gelingt es absolut nicht der Rahmenhandlung der Hörspiele neue Aspekte hinzuzufügen oder die Vergangenheit der Hauptfiguren aus einer anderen Perspektive zu beleuchten.
Für mich ist dieser Roman extrem enttäuschendes Fast-Food geworden: schnell zu lesen und genauso schnell auch wieder vergessen. Und das Ganze als eine Hommage an Edgar Allan Poe zu bezeichnen, ist schon fast eine Frechheit.
Da höre ich mir lieber die inzwischen 29 Folgen der Hörspielreihe an, und vergesse dieses Machwerk ganz schnell wieder. Oder lese lieber noch einmal die "Originale" von Edgar Allan Poe.