Ich habe das aktualisierte 228-seitige Buch von 2000 gelesen, das auf der 87-seitigen Broschüre "Lebende Fossilien. Zeugen vergangener Welten" aus dem Jahre 1965 basiert. Es ist sicher ein gutes Buch zum Thema lebende Fossilien. Es befasst sich gelegentlich mehr mit Lebewesen, die eigentlich KEINE solchen sind, aber oftmals dafür gehalten werden. Manchmal macht diese Definitionsunterscheidung durchaus Sinn, zu manchen Kriterien kann ich nur kommentieren, dass sie in der Zukunft mit Sicherheit ebenfalls einer Änderung unterworfen sein werden, so wie es die Definitionen in der Vergangenheit waren. Beispielsweise: Früher muss es die Lebewesen weiträumig gegeben haben, heute nur in kleinen Rückzugsgebieten. Diese Logik klingt nicht nachvollziehbar, sondern willkürlich. Noch weniger nachvollziehbar, dass der mittlerweile (wieder) global verbreitete Gingko innerhalb dieser Definition trotzdem dazuzählt: Weil der Baum vom Menschen verbreitet wurde, das zählt irgendwie nicht als weites Verbreitungsgebiet. Ich weiß durchaus WissenschaftlerInnen zu schätzen, die sich über eher absurde Überkategorisierungen geflissentlich hinwegsetzen können. Dazu zählt der Autor offensichtlich nicht. Der 1924 geborene Erich Thenius gehört eher zum Wissenschaflter alten Schlages. So schreibt er dieses Buch, das sich eigentlich an ein generelles Publikum richtet, mit einer Fülle von Fremdwörtern, von denen man einige gewiss nachschlagen muss. Vor allem solche, die für die Leserschaft des deutschen Buches deshalb nicht bekannt sind, weil sie die österreichische Variante darstellen. Aha, kontroversiell ist also einfach kontrovers. Und normal klingende Wörter wie weiters einfach weiterhin... Etwas anstrengend auch, dass in Text und Bildunterschriften oftmals nur die lateinische Bezeichnung der Lebewesen erwähnt wird. Außerdem wird ein gewisses Grundwissen vorausgesetzt: Was bitteschön ist ein "rückgebildetes Analfeld auf den Hinterflügeln"?! Im Duden lässt sich dieses gewisse Wort nicht finden, also gehört es in einem Buch eigentlich erklärt. Na zum Glück gibt es mittlerweile wikipedia...
Wenn der Autor einmal umgänglich wird, dann schlägt er über die Stränge. Warum er sich gerade den Prozess der (Wieder)Entdeckung des Quastenflossers ausgesucht hat, um mit dieser in aller Länge und Breite mehrere Seiten auszufüllen, erschließt sich nicht so ganz. Ok, Schwamm drüber. Was ich tatsächlich und nachhaltig kritisieren muss, ist die Tatsache, dass dieses Buch zwar viele Bilder aufzuweisen hat, aber beileibe NICHT von allen lebenden Fossilien. Dafür von manchen, die es nicht sind. Nicht nachvollziehbar. Manche sind darüberhinaus nur gezeichnet.
Das Buch hat mich weitergebracht, keine Frage. Ich gebe ihm auch 4 Sterne. Ich kann es mir aber durchaus besser aufbereitet vorstellen.