Aus der Amazon.at-Redaktion
Psychische Krankheit ist selten Thema hochkarätiger Literatur wie dieser: Eine Tochter berichtet über ihre Kindheit, ihre Beziehung zur Mutter, welche das Kind in ihre Welt des Wahnsinns entführt. Die Tochter kommt zu Pflegeeltern, wächst in einem katholischen Umfeld ohne Verständnis und in Armut auf. Das Kind überlebt seelisch auch deshalb, weil es sich in die Welt der Indianerliteratur und der Gedichte von
Friedrich Rückert flüchtet: "Jedes Buch eine starke Hand, die bremst auf dem Weg in die Tiefe".
Selten sind die schönen Momente, von kurzer Dauer die raren Freundschaften des Mädchens. Sein Schicksal macht es zur Außenseiterin. Und doch fehlt dem Kind jeder Anflug von Selbstmitleid, seine Unzerstörbarkeit verwundert. Dabei ist ihm die einfache Zuordnung des Erlebten als "unnormal", wie es die Erwachsenen tun, verwehrt. Das Kind liebt seine Mutter und ist deren Krankheit gnadenlos ausgeliefert. Erst nach und nach, als das Kind und seine Einsicht wachsen, enthüllt sich auch das Schicksal der Mutter, die die Tochter -- Kind eines verheirateten Mannes -- nicht abtreiben lassen wollte. Langsam bekommt das Kind Distanz zur Mutter und lernt, mit deren Krankheit umzugehen.
Die kindliche Gefühlswelt wird aus der Einsicht und mit der sprachlichen Ausdruckskraft einer Erwachsenen beschrieben. Die Erzählung verliert dadurch jedoch nichts von ihrer Authentizität. Leben zwischen den Seiten geht unter die Haut, nicht nur des außergewöhnlichen Themas wegen. Die dichte, bildhafte und trotz allem auch humorvolle Erzählweise zieht den Leser in den Bann und lässt ihn bis zur letzten Seite nicht mehr los. Die junge Autorin, die unter einem Pseudonym schreibt, wurde für ihr Erstlingswerk mit dem Rauriser Literaturpreis 2001 ausgezeichnet.
Ein Lesegenuss, berührend bis zur Schmerzgrenze. --Irmgard Kirchner
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
»Mit dem Erwachsenwerden muß sich das Kind Zoe der Lebensrealität der Mutter stellen – und damit der eigenen. Keine Anklage, kein wehleidiges Lamentieren ist da zu erleben, sondern ein schleichender Prozeß zwischen Anpassung und Emanzipation, zwischen Liebe und Angst, zwischen Wahn und Wirklichkeit; ein Prozeß, an dessen Ende das Kind die Verantwortung für die Mutter übernehmen wird.«
(
Bayerisches Fernsehen )