In dieser Briefsammlung erfindet Bischöfin Margot Käßmann Personen, um auf häufig gestellte Lebensfragen Antworten zu finden. Normalerweise beantwortet sie Briefe persönlich. In diesen fiktiven Briefen vertieft sie Themen wie Krankheit, Trauer, zwischenmenschliche Beziehungen (Freundschaft, Partnerschaft und Trennung) oder Glaubensthemen wie Beten, Engel, Suche nach dem Seelenfrieden, heilige Räume und Sehnsucht nach Frieden, um die Oberfläche des Alltags zu durchdringen.
Die Briefe beginnen mit der Fragestellung oder der Problembeschreibung einer fiktiven Person. Da regt sich beispielsweise das Gewissen einer Frau, weil sie die Pflege der eigenen Mutter nicht mehr leisten kann. Auslöser war eine Predigt, in der die Autorin dazu aufrief, wir sollten aus der Lebenswüste von Egomanie in die blühende Landschaft von Zärtlichkeit und Zuneigung" eintreten. Im Laufe ihres Briefes relativiert sie diese Aussage, weist auf persönliche Leistungsgrenzen hin. Wer sich selbst überfordere, der könne auf Dauer weder dem Pflegebedürftigen noch sich selbst gerecht werden. Nach verschiedenen grundsätzlichen Überlegungen kommt sie auf das konkrete Anliegen der Frau zurück und empfiehlt, nicht heroisch das eigene Leben aufzuopfern, sondern das Mögliche zu tun, dass die Mutter in Würde gepflegt wird.
Wertschätzung:
Bei dem breit gefächerten Themenspektrum des Buches finden sich für jeden Menschen Sinnfragen, die das eigene Leben oder das von Mitmenschen betreffen. In einigen Fällen erscheinen mir die grundsätzlichen Überlegungen etwas zu umfangreich oder zu weit her geholt. Eine Stärke von Margot Käßmann besteht darin, nicht vorzugeben, auf alle Fragen eine endgültige Antwort zu haben. Die Verantwortung zur Entscheidung bleibt dem Leser vorbehalten. Wo es allerdings um Grundrechte des Menschen und die Menschenwürde geht, bezieht sie klare Standpunkte.