Auf 30 Jahre Berufserfahrung kann die fornesische Psychologin Helen Morrison zurückblicken. Doch von ihrer Tätigkeit als Profilerin erfährt man in diesem Buch nicht unbedingt viel - außer dass sie das Gehirn eines Serienmörders in ihrem Keller aufbewahrt. In unzähligen Gesprächsstunden mit Serienmördern kam Morrison zum - wie sie selbst immer wieder betont - streng wissenschaftlichen Schluss, dass diese Menschen auf der emotionalen Entwicklungsstufe eines Säuglings stünden und dass es für die von ihnen begangenen Serienmorde kein Motiv gäbe.
Nun, vielleicht gibt es doch Gründe, die Menschen zum Töten treiben, die sich nicht messen und wägen lassen, auch wenn sie sehr wohl wissenschaftlich fundiert erschließbar wären. So geht beispielsweise der österreichische, international anerkannte Profiler Thomas Müller ins seinem Buch "Bestie Mensch. Tarnung. Lüge. Strategie" von dem Ansatz aus, alle Handlungen seinen bedürfnisorientiert. (Erkennt man das Bedürfnis hinter der Handlung, ergibt sich auch Täterprofil und Motiv.)
Helen Morrison aber ist - für meinen Geschmack etwas zu einseitig - dem Mörder-Gen auf der Spur, mit dem nur allzu leicht jegliche Verantwortung zurückgewiesen werden könnte. Es liegt halt in den Genen bedingt und darum sind Serienmörder auch nicht therapierbar - aus, Schluss, Punkt. Beklemmend ist auch die Schilderung am Ende des Buches, wo die Wissenschafterin erklärt, mit welchen Methoden sie ihre Theorien zu beweisen versuchen wolle, wenn man sie nur ließe. Frankenstein lässt grüßen!
Fazit: eine recht einseitige Auseinandersetzung mit der Theorie des Mörder-Gens, nahezu keine Informationen über die Arbeiten eines Profilers, wenn es darum geht, ein Täterprofil zu erstellen, dafür persönliche Informationen über Helen Morrison selbst, die sie allerdings manchmal etwas seltsam erscheinen lassen.