Leben retten. Wie sich die Armut abschaffen lässt - und warum wir es nicht tun.
Ein ehrgeiziger Titel für ein Buch. Dementsprechend hoch war auch meine Erwartung. Der Titel vermittelt den Eindruck, eine Antwort auf die Frage zu haben, wie es sein kann, dass weltweit mehr als 30.000 Menschen pro Tag an akuter Armut und ihren Folgen sterben, ohne dass dies in der westlichen Welt Entsetzen auslöst und große Anstrengungen unternommen werden, um diesen Zustand zu verändern.
Genau diese Frage stelle ich mir oft und hoffte nun also in diesem Buch Denkanstöße und Erklärungsversuche zu finden, die mich einer Antwort näher bringen.
Leider wurde ich jedoch zutiefst enttäuscht. Singers einzige Antwort auf die Frage wie die weltweite Armut besiegt werden kann, sind Spenden im großen Maßstab an gemeinnützige Organisationen. Unserer Verantwortung den Menschen gegenüber, die in Armut leben, sollten wir Ausdruck verleihen, in dem wir uns in jeder Situation, in der wir Geld ausgeben könnten fragen, ob wir das Gut, das wir erwerben wollen, ebenso dringend brauchen, wie hungernde Menschen unsere Unterstützung in Form von Geld. Solange wir der Meinung sind, dass vom Hungertod bedrohte Menschen das Geld dringender brauchen als wir, sollten wir auf den Cappuccino im Café oder Mineralwasser aus der Flasche verzichten und das gesparte Geld an Organisationen spenden, die die weltweite Armut bekämpfen. Zuende gedacht, müssten wir also solange Geld spenden, bis wir selber auf einem ähnlichen Niveau leben, wie von Armut betroffende Menschen. Wir müssten auf fast jede Freude in unserem Leben, die uns Geld kostet, verzichten, da natürlich keine dieser Freuden ebenso wichtig ist, wie die Möglichkeit Leben zu retten. Seine Forderungen erinnern ein wenig an die christliche Moral des Verzichts.
Dass der weltweiten Armut strukturelle Probleme zugrunde liegen und es eben deshalb strukturelle Veränderungen braucht, um diese Armut zu überwinden, lässt Singer vollkommen außer Acht. Über den weltweiten unfairen Handel verliert er z.B. kein Wort.
Am spannendsten sind noch Singers Ausführungen über Faktoren, die das Spendenverhalten der Menschen beeinflussen. Singer hat einige interessante Ergebnisse von Umfragen zusammengetragen, die den Kauf des Buches alleine jedoch nicht rechtfertigen. Die Ergebnisse brachten die Erkenntnis, dass Menschen eher bereit sind Geld zu spenden, wenn sie mit einer einzelnen Person, die Hilfe benötigt, konfrontiert werden anstatt einer großen Gruppe von Menschen, denen geholfen werden kann. Ein wichtiger Faktor ist also Personifikation. Tiefergehende Ergebnisse liefert Singer jedoch nicht. Auch hier enttäuschte das Buch auf ganzer Linie.
Singer schafft es, einem durchgehend ein schlechtes Gewissen zu bereiten, anstatt Mut zu machen, dass wir die Möglichkeit haben die Verhältnisse auf dieser Erde zu verändern.
Lesern, die konkret etwas verändern und das Leid und die Armut in der Welt mindern wollen empfehle ich eher Bücher wie Tanja Busses "Einkaufsrevolution" oder "Fast nackt" von Leo Hickmann.
Noch 2 Sterne für dieses Buch, weil es an sich ein wichtiges Thema behandelt.