Ausgehend von der Sprache der Tojolabales, einem Mayavolk Mexikos, führt Carlos Lenkersdorf den Leser ein in die Weltanschauung dieses seit Jahrhunderten unterdrückten und diskriminierten Ureinwohnervolkes Mittelamerikas. Für diejenigen, bei denen bereits Zweifel an der allein-glücklichmachenden Lebensart des Westens mit seinem hohlen,
kompensierenden Konsumverhalten und seinem Individualismus aufgekommen sind, bedeutet die Sichtweise der Tojolabales, in der alle Menschen Brüder und Schwestern sind, Hoffnung. Hoffnung, dass man auf dieser, unserer Erde auch so leben kann, ohne seine 'Geschwister' (ausdrücklich sind auch Tiere, Pflanzen und 'Dinge' mit eingeschlossen) zu leidenden und unterdrückten 'Objekten' zu machen.
Ich kann "Leben ohne Objekte" nur wärmstens empfehlen. In einer Zeit wo das Elend der meisten Erdenbewohner stetig - trotz des vermeintlichen Fortschritts - zunimmt, können uns Völker, die wir bis jetzt oft genug als unzivilisiert und primitiv bezeichnet haben, Antworten auf unsere Fragen geben. Sie tun dies durch ihre Art zu leben, die bedeutet, dass man sich nicht über andere 'Subjekte' erhebt sondern mit ihnen im Einklang lebt. Im Gegensatz zu unserer westlich-europäischen Weltanschauung, die uns immer mehr von uns selbst und unseren Mitmenschen und Mitgeschöpfen entfremdet, hat es die Kosmosvision der Maya-Tojolabales diesen ermöglicht, die über 500jährige Unterdrückung und Fremdbestimmung zu überleben.