Die Doku erzählt aus einer sanften Perspektive von den Tieren, um die sich - auf dem Festland - die meisten Horror-Geschichten ranken. Nicht minder wichtig ist jedoch auch die Begegnung und Liebesgeschichte zwischen dem Tierfilmer Jim Dutcher und seiner Frau, der Wissenschaftlerin Jamie Dutcher. Diese Story wird nicht am Rande erzählt, sondern ist mit der der tierischen Protagonisten stark verwoben. Was auch gesagt werden muss, ist, dass es sich bei den hier gezeigten Wölfen um keine richtigen Wildtiere handelt. Es geht um einen Wolfsrudel, der in den genannten Jahren auf einem großen, vom Forstamt gepachteten und umzäunten Areal großgezogen und zum fast wilden Rudel "umfunktioniert" wurde. Das mindert natürlich in keiner Weise die Qualität der Bilder und Momente, die auf den Film gebannt wurden. Wer jedoch eher auf eine populärwissenschaftliche Doku aus war, im Sinne von "Planet Erde" (BBC) oder "Ameisen" (ORF), könnte enttäuscht werden. Ich ging - bei der Ansage - davon aus, dass die Filmemacher ähnlich Timothy Treadwell (Grizzly Man) unter den Wildtieren lebten.
Mir sind die menschlichen - emotionalen - Passagen eine Idee zu stark betont, nur deswegen vergab ich der Doku 4 Sterne.
Auf Wölfe konzentrierend, zeigt der Film fabelhafte, stellenweise fast postkartenreife Aufnahmen. Im Vordergrund wird das soziale Leben des Rudels gezeigt, mit einigen zwar in der Fachliteratur beschriebenen jedoch bisher ungefilmten Nuancen. Man sieht auch, dass der Film genug Zeit bei der Entstehung hatte. Es gibt keine zwei Aufnahmen, die beim gleichen Dreh entstanden.
Die Wölfe werden in diesem Film - im positiven Sinne - entmystifiziert. Der Zuschauer sieht füreinander sorgende Tiere, die nur in der Gruppe und mit gegenseitiger Unterstützung überleben könnten. Trotz ihrer jeweiligen Rolle und Funktion im Rudel bleiben sie verspielt, ja beinahe zärtlich.
Leo Walotek-Scheidegger / 4mare.com