Rick Warren's neueste Aktion, die "New Health and Wellness Initiative" heißt es, befürwortet tantrischer Sex, Yoga, Meditation and Reiki. Was hat uns dieser Autor in diesem Buch zu sagen? Nichts von alledem.
Dieses Buch enthält viele biblische fundierte Wahrheiten. Das ist gut. Das Problem ist, dass vieles nicht drin steht, was für ein gesundes evangelisches Lehrbuch unverzichtbar sein sollte. Der Vergleich mit Rattengift, das niemand essen würde, obwohl es doch zu 95% aus leckerem Futter besteht, drängt sich dennoch nicht auf.
Warrens Buch enthält nämlich auch gewisse Anklänge von von der Bibel abweichenden, eher auf New-Age-Lehren zurückgehende Denkweisen, die ja von vielen populären Schriftstellern millionenfach unters Christenvolk gemischt werden. Die Wirkungen sind durchaus gewünscht, denn die Mehrheit der organisierten Christen möchte sich auf einer gemeinsamen Plattform treffen, wo es um die Brüderlichkeit und Einheitlichkeit für alle "Christen" gehen soll. Ganz unmerklich von den meisten, wird aber auch eine gemeinsame Philosophie eingeführt.
Auch Rick Warren vertritt die Lehre von "Gott in allem". Das erinnert mich immer stark an hinduistische Philosophien und das "Tat tvam asi" der Brahmanen. Einerseits will man das tantrische Gott in allem, andererseits will man aber auch die Lehre von der Verdammung. Aber das Buch soll ja nicht theologischen Ansprüchen genügen. Und zu viel Bibelstudium ist nach Warren eher hinderlich!
Warren geht es jedenfalls auch um Ökumenismus und der ist nie weit vom Synkretismus entfernt, unter deren Schirmherrschaft sich eine große Mehrheit von "Christen" wiedererkennen können, ohne dabei ihr gutes Gefühl für den Glauben verlieren zu müssen.
"Er regiert alles und ist überall und ist in allen Dingen" sagt der Autor. Das ist seine Botschaft. Und man merkt es kaum, dass es zwar biblisch zu sein scheint ( vgl. Eph 1,23; Kol 1,17), , dass es aber etwas anklingen lässt, was nicht zur Bibelexegese gehört. In der Bibel geht es, wenn die Theologen der führenden Kirchen recht haben, darum, dass Gott zwar Schöpfer aller Dinge ist und alle Fäden in der Hand behält, aber eine Wesensgleichheit wie im Hinduismus und im New-Age-Glaube mit den Dingen an sich, ein Monismus oder Pantheismus, der Gott entweder zu einem allem in sich oder alles ist Gott macht, lehrt die Bibel sicherlich nicht. Ich will nicht glauben, dass Warren zum Wegbereiter nicht-biblischer Strömungen und vor allem des New-Age-Gedankens werden will. Aber die Gefahr ist bei einer Verkürzung des Evangeliums um die Dinge, die der postmoderne Mensch am wenigsten hören will, weitere biblische Aussagen zu verlieren.
Leider ist es so, dass es bei "christlichen" Buchautoren oft immer auch um kommerzielle Überlegungen geht! Es geht nicht nur um kommerzielle Überlegungen! Aber oft auch!
Stutzig hat mich schon der allumfassende Selbstanspruch auf der Rückseite des Buches gemacht, für alle Fragen, die für einen Menschen wichtig sein können, die Antworten zu haben. Und das ohne Hinweis auf die Bibel! Ob wohl die Bibel, als sie sagte "ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen" (Heb 11:6) meinte, man müsse auf dieses Buch warten, um zu wissen, was man glauben muss?
Auffällig ist, dass Warren genau das zu vermeiden scheint, was man im Wohlstandsevangelium nicht gerne hören mag: wenn jemand über die Notwendigkeit des Sünders zur Umkehr, über Schuld, Gericht und Verdammung spricht. Davon ist wehr wenig die Rede. Klar, das Buch soll ja nicht die Bibel ersetzen. Dennoch, das Buch passt sich an den Mainstream der christlichen Literatur an. Ja nicht anstoßen, ja nicht aufrühren! Das ist ja bei der Wortverkündigung in vielen Kirchen groß aus der Mode gekommen. Die Psychologie sagt ja auch, dass es keine Sünde gibt, außer der Sünde, die man sich einredet. Um davon frei zu kommen, reicht die Couch des Psycha-Tors. Warren heißt Sünde nicht gut, aber er betont auch nicht, dass der Mensch dagegen ankämpfen sollte (Allerdings sind seine Ausführungen zum Thema Versuchung beachtlich).
Wie war das noch mit dem Opfertod Jesu? Wozu ist noch mal das Blut Jesu vergossen worden?
Gerade in der heutigen Zeiten der Ambivalenz, wo alles erlaubt ist, was gesellschaftsfähig ist, wäre es wichtig den christlichen Glauben als herausfordernden Kontrapunkt zu positionieren. Es gibt zu viele Brückenbauer um des Brückenbauens Willens. Die ganze Landschaft ist zugebaut mit Brücken, die keinem nützen. Und das geht nur, wenn man die Notwendigkeit der Abkehr von der Sünde beiseite lässt. Es gibt keinen leichteren Zugang zum biblischen Heilsangebot. Es gibt keine Abkürzung. Wo bleibt der Aufruf zur Selbstverleugnung? Doch, einmal findet er sich. Vielleicht fehlt es Warren nur an der richtigen Gewichtung? Denn wo bleibt der Hinweis zum Kreuzesweg?
Manchmal ist das Buch sprachlich schwammig und uneindeutig in seinen Aussagen. Er sagt z.B. einmal, dass richtiges Leben damit anfange, dass man sich völlig Jesus Christus überantworte. Aber das sagt sich so leicht, "lieber Jesus, ich übergebe dir mein Leben." Ob am Anfang eines Lebens mit Jesus nicht doch eher die Reue mit dem Glauben an das was Christus für die Menschen getan hat, stehen sollte, um dann immer mehr den Glauben in das Leben eines echten Christusnachfolgers hineinwachsen zu lassen? Will man da nicht den zweiten vor dem ersten Schritt machen, mit der Folge, dass der erste Schritt gar nicht gemacht wird? Ist das Ebsenzählerei? Wenn nicht, ist es irreführend und führt bestimmt nicht zum Lebenszweck, denn Warren geht es ja in jedem Kapitel um das Wozu des Lebens.
Aber spricht Warren nicht die Zauberformel: Glaube Jesus und nehme ihn an? Als Start ins neue Leben? Ja, aber wo bleibt die Reue? Reicht es aus zu wissen, dass Jesus der Sohn Gottes ist, der die Menschen durch seinen Opfertod gerettet hat? Die Dämonen glauben es auch und zittern!
Warren scheint auch zu glauben, dass es ausreicht, den Sinn der menschlichen Existenz verstanden zu haben, um in den Glauben getrieben zu werden. Nach der Bibel tut dies der Heilige Geist, nicht menschliche Verstandeskraft.
Warren sagt er könnte das Problem des fehlenden Zugangs zu Jesus lösen, man brauche nur sein Gebet nachsprechen. In diesem Gebet wird Jesus ersucht, ins Leben des Glaubensneulings zu kommen. Keine Reue? Keine Umkehr? Und nach dem Gebet begrüßt Warren den Neuankömmling in der Familie Gottes! Wo ist die Botschaft vom Kreuz? Nein, es scheint zu genügen, dem Menschen aufzuzeigen, was seine Bestimmung ist. Wer seine Bestimmung nicht kennt, heißt es, hat ein unerfülltes Leben. Und was ist mit Christus? Sollte man nicht lieber ihn kennen, den laut Bibel einzigen Weg zum wahren Leben? Die Kenntnis über die Bestimmung ergibt laut Warren das Ziel des Lebens, sie wird das Leben vereinfachen, sie wird die Motivation für das Leben erhöhen, sie wird den Menschen auf die Ewigkeit vorbereiten. Das ist alles richtig, zum Teil. Aber Christus tut das nicht alles auch und noch viel besser? In Religionen, mit denen man die Ökumene anstrebt, spielt Jesus keine so große Rolle wie im evangelischen Bibelglauben.
Die "Evangelien" dieser Religionen betonen sehr wohl die "Liebe", sie minimieren Doktrine und ignorieren göttliche Gerechtigkeit. Das was die Menschen auf eine Bekehrung vorbereitet, wird weggelassen, weil es ja reicht nur eine Gebetsformel nachzusprechen. Ein postmoderner Gläubiger soll Selbstvertrauen haben, aber er braucht keine geistliche Urteilskraft? Obwohl er doch gerade die bräuchte, um beurteilen zu können, ob er aufs Glatteis geführt wird. Irgendwann sind die an Gesetz und Ordnung festhaltenden miesepetrigen Bibelapologeten in der Minderheit und werden aus den Gemeinden verdrängt. Dann kann der bewusstseinsverändernde Prozess der nach dem inneren Frieden ruft, wo doch der eigenen Natur erst mal der Kampf angesagt werden sollte, noch stärker angetrieben werden. Er drängt alle Reste an moralischen Absolutismus aus dem Christenvolk. Ungläubige "Gläubige", die die Wege der Welt lieben, wollen eine Kirche, die zur Welt nicht entgegengesetzt ist. Also muss man auch das Wort Gottes weichspülen. Man will sich ja wie zu Hause fühlen, wo man zu Hause ist. Bedenklich ist nämlich, dass Warren in seinem Buch in der Originalausgabe auch eine Bibelübersetzung benutzt, die Zusätze und Weglassungen aufweist. Die Unterschiede zu den herkömmlichen Übersetzungen sind frappierend, die Bedeutung wird nicht selten völlig verfremdet.
Keine seiner fünf Lebenszwecke, so stimmig sie auch an sich sind, sollten darüber hinwegtäuschen, dass Christus der wichtigste Lebenszweck sein muss. Alles dazu steht nach biblischer Lehre in der Bibel, aber nicht in Warrens Buch. Nur in Spurenelementen. Gott sucht keine "Welt-klassechristen" nach Warrens Art. Er sucht überhaupt keine weltlichen Christen!
Leider haben die heutzutage so populären Liebe-Nachricht-Bücher eine deutliche Neigung biblische Richtlinien auf dem Altar der Gleichmachung und Ökumene zu opfern, getarnt mit der Begrifflichkeit der Bruderliebe! Wenn Verderbnis der moralischen Sitten und Verweltlichung in die Kirche eindringen, verliert auch der Begriff Liebe seine Bedeutung und hat jedenfalls mit der Agape-Liebe nichts mehr zu tun!
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