Dies ist das erste Buch über Chinchillas, bei dem ich wirklich das Gefühl habe, dass die Autorin weiß, wovon sie redet. Sie informiert umfangreich über die verschiedensten Themen, mit denen man in der Chinchillahaltung konfrontiert wird / werden kann, und stellt das Wohl der Tiere dabei vor die Bequemlichkeit des Halters. Durch umfangreiche Hintergrundinformationen und eigene Erfahrungsberichte wirken ihre Ratschläge authentisch und vertrauenswürdig. Gut finde ich auch, dass sie ihre Meinung nie als die einzig richtige darstellt, sondern oft darauf hinweist, dass die Meinungen an diesem Punkt eben auseinandergehen, da verschiedene Halter auch verschiedene Erfahrungen machen.
Ich wünsche mir schon seit längerem Chinchillas, in meiner momentanen Wohn- und Lebenssituation ist eine Haltung aber leider nicht möglich. Dennoch möchte ich mich schon einmal ausführlich über die Tierchen informieren. Durch dieses Buch habe ich - insbesondere was das Verhalten und entscheidende Unterschiede zwischen Chinchillas und anderen Heimtieren betrifft - sehr vieles gelernt und denke, dass ich nun über das notwendige Grundwissen verfüge.
Einzig bedenklich finde ich einerseits die genannten Mindestmaße für Käfige, die sich zwischen 1x1x1m und 1x2x0,75m bewegen. Meiner Meinung nach ist dieses Platzangebot viel zu gering, als dass sich ein Chinchillapaar vernünftig bewegen und beschäftigen geschweige denn richtig austoben könnte. Die Maße erinnern mich an die Zeiten, in denen noch guten Gewissens empfohlen wurde, Kaninchen den überwiegenden Teil des Tages sowie die Nacht in handelsübliche Käfigen zu sperren und ihnen "zum Ausgleich" eine bis mehrere Stunden Freilauf täglich zu gewähren. Heute hat sich die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine solche Haltung Quälerei für die bewegungsfreudigen Langohren ist und 2-3qm pro Tier dauerhafte (!) Grundfläche das Wohlfühl-Minimum sind.
Auf meiner Lieblings-Heimtier-Internetseite, [...], werden als Grundfläche für Chinchillas mindestens 5qm und als Mindesthöhe 1,50m angegeben. Dies erscheint mir sehr viel plausibler; hierbei hätte ich nicht das Gefühl, die Tiere einzupferchen, und ich würde mich immer danach richten.
Andererseits bezweifle ich, dass die Fütterung von Pellets gesund ist - und auch wenn diese Form der Ernährung (Heu + Pellets) momentan so gut wie von jedem Chinchillahalter praktiziert wird. Bei Kaninchen und Meerschweinchen weiß man mittlerweile um die Gefahren der Pelletsfütterung - die enthaltene Rohfaser ist viel zu fein zermahlen, um der Verdauung gut zu tun, und kann im Gegenteil schwere Verdauungserkrankungen wie Magenüberladungen und Verstopfungen nach sich ziehen. Da die Verdauungsanatomie der Chinchillas sehr ähnlich ist, kann ich mir kaum vorstellen, dass diese Gefahren bei ihnen nicht zur Debatte stehen (auch, wenn sie vielleicht in der Regel nur so wenige Pellets fressen, dass sie gut damit zurecht kommen). Und natürlich ist es auch schwierig, Chinchillas hierzulande artgerecht zu ernähren, da sie - im Gegensatz zu Meerschweinchen und Kaninchen - sich von Natur aus kaum von frischen, sondern eher von vertrockneten Pflanzen ernähren, und zwar von Sorten, die es in Deutschland nun einmal nicht gibt.
Allerdings werden für Meerschweinchen und Kaninchen mittlerweile sogenannte "Struktur-Trockenfutter" produziert - d.h. Trockenfutter, dessen Inhaltsstoffe nicht nur artgerecht sind (d.h. keine Getreideprodukte, Körner, Milcherzeugnisse o.ä.), sondern auch - und das ist der entscheidende Punkt - in ihrer Form naturbelassen; d.h. die enthaltene Rohfaser ist nicht zermahlen und gepresst worden, sondern hat ihre natürliche Struktur beibehalten. Die getrockneten Pflanzen liegen also nicht in Form von Pellets vor, sondern haben sozusagen "Heu-Format". Natürlich ist auch ein solches Futter für Meerschweinchen und Kaninchen lediglich "das kleinste Übel an Trockenfutter" und keineswegs optimal, da sie von Natur aus auf eine reichliche Flüssigkeitszufuhr mit der Nahrung eingestellt sind. Für Chinchillas, die sich natürlicherweise von Getrocknetem ernähren, wäre es hingegen in meinen Augen perfekt. Sollte ich einen Hersteller von Struktur-Trockenfutter für Chinchillas finden, würde ich dieses auf jeden Fall gegenüber den Pellets bevorzugen.
Das Zucht-Kapitel betrifft mich weniger, da es meiner Meinung nach mehr als genug Chinchillas gibt und ich nicht noch mehr in Welt setzen möchte. Aber das muss jeder für sich entscheiden. Spannend ist das Kapitel über Genetik für mich trotzdem auf jeden Fall, da ich mich sehr für Biologie interessiere.