Zu allen Zeiten haben Menschen darüber nachgedacht, wie menschliches Leben zu interpretieren sei, welchen Sinn es habe und ob es eine Unterscheidung geben kann zwischen einem gelungenen Leben und einem, das man als gescheitert bezeichnen muß, weil es seinen Sinn verfehlt hat oder anderen Zielvorstellungen folgte, die ins Verderben führten. Schon in den vorchristlichen Jahrhunderten haben die griechischen Philosophen versucht, auf diese schwierigen Fragen nicht-religiöse Antworten zu geben. In Abgrenzung von den Religionen versucht auch Luc Ferry in seinem neuen Buch, sich der Heilsfrage von der philosophischen Tradition her zu nähern.
Das zentrale Datum allen Fragen nach dem Sinn menschlichen Lebens und nach dem Heil ("wie können wir gerettet werden ?") ist die Frage nach der Endlichkeit des Lebens, die brutale Tatsache des Todes und wie man damit umgeht. Bedient sich vor allem die christliche Religion einer religio, einer Rückbindung an ein höheres Wesen, Gott, um diese Fragen zu beantworten, verlässt sich die Philosophie einzig auf die eigene Kraft und die Vernunft.
"Mit anderen Worten, wenn die Religionen sich selbst als 'Lehren zur Erlangung des Heils' durch einen anderen, nämlich Gott, verstehen, so könnte man die großen Philosophien definieren als Doktrinen zur Erlangung des Heils durch sich selbst, ohne die Hilfe Gottes."
Wenn aber auch die Philosophie die Endlichkeit des Lebens anerkennt, ihr der transzendente und religiöse Weg verschlossen bleibt aus Vernunftgründen, dann muß sie erst recht und radikal die Frage beantworten, was man mit diesem begrenzten Leben anfangen soll, wenn es gelingen und Sinn machen soll. Welche Kriterien gibt es dafür, welche Ziele und Geisteshaltungen ?
Zunächst erläutert Ferry die drei Dimensionen der Philosophie an Beispielen aus der Antike:
- das Verständnis dessen, was ist (Theorie)
- das Bedürfnis nach Gerechtigkeit (Ethik) und
- die Suche nach dem Heil (Weisheit)
Danach erläutert er, immer wieder die eben genannte Trias benutzend, das Zeitalter des Sieges des Christentums über die griechische Philosophie, dann den Humanismus als Geburt der modernen Philosophie (Rousseau, Kant, Descartes), gefolgt von der Postmoderne, wobei er sich ausführlich mit Nietzsche auseinandersetzt und wirft schlussendlich unter der Überschrift "Nach der Dekonstruktion" einen ausführlichen Blick auf die zeitgenössische Philosophie.
Das Buch ist entstanden als Niederschrift eines zunächst mündlich gehaltenen, recht spontan entstandenen Philosophiekurses für Eltern und Kinder in "Leben lernen" auch deshalb ermutigt, weil vor einiger Zeit sein Buch "Was ist ein gelungenes Leben ?" ( noch nicht auf Deutsch erschienen) ihm viele Rückmeldungen von Lesern brachte, die ihm sagten, seine Vorträge würden sie sehr ansprechen, aber wenn sie nur wenige Seiten seines Buches lesen würden, könnten sie nichts mehr verstehen. Dieses Vorhaben ist ihm vollends gelungen. Sein Buch ist für Jugendliche, die gerne denken und für Erwachsene, die sich schon immer mal mit Philosophie befassen wollten oder von den Antworten ihrer überkommenen Religion nicht mehr erreicht werden, gleichermaßen hervorragend geeignet.
Durch die dialogische Struktur des Gesprächs mit dem gedachten Zuhörer (Leser) wird das Verständnis eines nach wie vor komplexen Themas erleichtert. Es macht große Freude, dieses Buch zu lesen, weil es die Lust am eigenen Denken fördert und zum selbständigen Weiterdenken motiviert.
Sie suchen ein Geschenk für eine kritischen Konfirmanden oder für einen anderen Jugendlichen oder Freund, der Ihnen durch ungewöhnliches Fragen oder Denken aufgefallen ist : hier haben Sie es.