Dass ich das noch erleben darf! Ein Buch, das einfach nur eine nette Geschichte gut formuliert erzählt. Keine politische Botschaft, keine Moral von der Geschicht, kein psychologischer Hintersinn. Einfach nur lesen und sich wohlfühlen.
Stefan, die Hauptperson der Geschichte, kommt zu spät zum Flughafen, seine Freundin ist sauer, will von ihm nach Hause gefahren werden und ihn nie wieder sehen. Stattdessen fährt er sie einfach irgendwohin, und sie landen in einem Ferienort im nächsten Weinanbaugebiet. Dort lernen sie sich selber, sich gegenseitig und den Rebensaft ganz neu kennen und lieben.
Stelter hält sich mit flachen Kalauern wohltuend zurück (einen oder zwei wird der Lektor übersehen haben), schreibt aber gewitzt und erlaubt sich auch den einen oder anderen guten Scherz. Seine Formulierungen sind zielsicher, intelligent und zwischendurch sogar mal rührend.
Zwischen die Kapitel der Erzählung baut er immer wieder Abschnitte, in denen es auf unterhaltsame Weise viel über Wein zu lernen gibt. Man merkt, hier weiß einer nicht nur, worüber er schreibt, er liebt es auch.
Das gilt nicht nur für den Wein, sondern auch fürs Ahrtal, in dem der Großteil der Handlung spielt. Zwischendurch bekommt man den Eindruck, das Buch soll eine Werbebroschüre für Urlaub im Ahrtal sein. Falls es das ist - bei mir hat es funktioniert.
Ich konnte das Buch allerdings nicht in einem Rutsch durchlesen, sondern musste nach jedem Kapitel eine Pause machen - wie nach einem Glas gutem Weines.
Darum bedauerte ich auch, dass ich beim Lesen gerade keinen Rotwein im Haus hatte.
Denn - meine Güte, macht dieses Buch Appetit auf Wein! Meine nächste Einkaufsliste wurde sofort um ein paar Flaschen ergänzt.
Stelter verhehlt zwar nicht, dass ab einer gewissen Menge die gesundheitsfördernden Eigenschaften des Weines von seinen gesundheitsschädlichen überwogen werden.
Aber dieser eine Satz kann nicht die Lebensfreude aufwiegen, die das Buch ausstrahlt, und die mich Burgunder und Riesling seitdem in einem ganz neuen Licht sehen lässt.
Dringend vom Kauf abraten möchte ich daher allen, die gerade versuchen, mit dem Trinken aufzuhören, oder wissen, dass sie es nicht könnten, wenn sie einmal anfangen. Diese Warnung meine ich ernst, sie soll das Lob für das Buch nicht aufheben, aber ist doch genauso nötig.