Ich habe das Buch gelesen, nachdem ich Frau Asgodom im Fernsehen gesehen habe und fand, dass sie dort zu wenig zu Wort kam, um ihre Thesen sinnvoll vorzutragen. Also wollte ich das Buch sehen, in dem sie genug Raum hierfür hatte. Meine Erwartungen waren hoch. Ich hatte gehofft, ein Buch zu finden, dass scharfsinnig und sprachlich gewandt neue Erkenntnisse zu einem wichtigen Thema vermittelt. Dieser Erwartung wurde das Buch in keiner Weise gerecht. Vom Aufbau her folgt es kleiner klaren Struktur. Bereits nach wenigen Seiten kann man den Hinweis "aber davon später mehr" nicht mehr sehen, zumal die Ankündigung dann oft nicht erfüllt wird. Wer in einem Buch ständig und ununterbrochen Themen nicht abschließt, sondern auf spätere Ausführungen verweisen muss, der sollte irgendwann selbst merken, dass die Struktur nicht gut ist. Teilweise kommen gute Gedanken, die dann mit belanglosen Ausführungen über den Alltag der Autorin während des Verfassens des Kapitels seitenmäßig aufgepumpt werden. So erfährt man vom gemeinsamen Frühstück mit ihrem Mann und dem Leberwurstbrot dabei. Sprachlich ist das Buch leider auch bestenfalls Mittelmaß.
Inhaltlich bringt das Buch leider auch nichts Neues. Teilweise werden provokante Thesen aufgestellt, die dann im späteren Verlauf relativiert werden. Beispiel: Am Anfang des Buches werden die gesundheitlichen Auswirkungen von Übergewicht abgestritten und als PR-Erfindung der Diät-Industrie dargestellt. Später wird dann eingeräumt, dass Übergewicht ab einer gewissen Grenze doch ungesund ist - ohne diese Grenze näher zu definieren. So lernen wir also, dass Übergewicht erst ab einer gewissen Grenze wirklich Gesundheitsrisiken mit sich bringt, wo auch immer die liegen mag. Keine wirklich spektakuläre Erkenntnis.
Weiteres Beispiel: Am Anfang des Buches wird dargelegt, dass es Menschen gibt, die von der Veranlagung her nicht in der Lage sind, sich zu einer regelmäßigen körperlichen Betätigung aufzuraffen. Das wird mit der provokanten These verbunden, dass im Grunde sportlich aktive Menschen asozial seien, weil sie lieber ihre Zeit zur egoistischen Körperpflege verwenden, statt in der gleichen Zeit allgemeinnützigen Tätigkeiten nachzugehen. Später wird im Buch übergewichtigen Frauen gleichwohl Bewegung empfohlen - nur eben nicht mehr mit dem Ziel der Gewichtsreduzierung, sondern für das allgemeine Wohlbefinden (ist das dann weniger asozial?). Die Liste sachlicher Fehlleistungen ließe sich beliebig erweitern.
Besonders störend ist die dauernde Selbstbeweihräucherung der Autorin. Ununterbrochen weist sie auf eigene Fähigkeiten und Lebensleistungen hin, teilweise sogar in Aufzählungsform. Alles, um darzulegen, dass auch dicke Menschen toll und leistugsfähig sein können. Ich hätte es schöner gefunden, wenn die Autorin hierfür andere Beispiele als immer sich selbst gewählt hätte (zumal es für diese eigentlich selbstverständliche Feststellung kaum Beispiele gebraucht hätte). So entsteht der Eindruck, dass die Autorin eher sich selbst als der Leserin etwas beweisen will - was die Frage aufwirft, warum sie das braucht. Und es stellt sich die Frage, welchen Nutzen jemand daraus ziehen soll, der unter seinem Übergewicht leidet und der beruflich nicht so erfolgreich ist wie Frau Asgodom. Welchen Nutzen hat für diese der Hinweis auf ein strahlendes (und völlig unnötig überhöhtes) Beispiel, dem man als Leser in der Regel auch nicht genügen kann?
Noch etwas stört ungemein: Schlanke Frauen werden oft als zickige verbissene Menschen im Magerwahn dargestellt, die es nötig haben, auf Dicke herabzuschauen, um sich daran zu erbauen oder eigene Komplexe zu überdecken. Wer selbst gegen Vorurteile gegen Dicke ankämpft, der sollte stärker darauf achten, welches Bild er von Schlanken zeichnet. Vorurteile sind in beide Richtungen unnötig.
Natürlich bleibt das Thema des Buches weiterhin wichtig. Die meisten Übergewichtigen schaffen es nach wie vor nicht, dauerhaft schlank zu werden. Und wenn dies schon nicht gelingt, dann ist es wichtig, dass dies nicht noch mit Komplexen und Selbstzweifeln einhergeht. Es ist wichtig, denen, die ihr Übergewicht nicht in den Griff bekommen, einen Weg zu zeigen, gleichwohl ein erfülltes und glückliches Leben zu führen. Das Thema hätte eine handwerklich bessere Umsetzung verdient gehabt. Wirklich überzeugend und originell ist leider nur der Titel, der vermutlich für eine gute Auflage ausreicht.
Immerhin enthält das Buch einige sinnvolle Gedanken und einige schöne Zitate. Daher verdient es einen zweiten Stern. Gemessen an meinen Erwartungen war das Buch aber leider eine große Enttäuschung.