Kaum ein anderes Thema fasziniert die Menschen so wie die Frage, ob wir alleine im All sind. Dieser faszinierenden Frage hat sich Roland M. Horn in seinem Buch "Leben im Weltraum" angenommen. Horn geht systematisch vor und fängt mit dem Ort im Sonnensystem an, von dem wir sicher wissen, da es hier Leben gibt: Der Erde. Hier führte die Jupitersonde Galileo 1990 ein interessantes Experiment durch: Sie sollte nach Leben auf der Erde suchen und konnte diese Frage durch den Einsatz ihrer Instrumente beantworten. Sodann geht Horn der Frage nach, wie wir uns eigentlich außerirdisches Leben in der Science Fiction vorstellen, bevor er dann die provokative und richtige Frage stellt, ob denn Leben immer so sein muß, wie wir uns das vorstellen. Auf der Suche nach diesem Leben nimmt uns Horn mit auf eine Reise durch unser Sonnensystem und darüber hinaus in die Galaxie. Geschickt stellt er dabei Legenden, Mythen und rätselhafte Phänomene modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen gegenüber, wobei er meistens den letzteren den Vorzug gibt. Wir erfahren, daß es im Aitken-Becken des Mondes Eis geben könnte, und selbst auf der Venus könnte in höheren Atmosphäreschichten Leben auf Schwefelbasis existieren. Der Mars nimmt bei Horn eine zentrale Stellung ein. Hier fehlt wirklich nichts: Von den "canali" Schiaparellis über Lovell's Marszivilisation zu den Versuchen der Viking-Sonden, Leben auf dem Mars zu finden. Erfreulich kontrovers werden die Spuren im Marsmeteoriten ALH84001 diskutiert, die 1996 der Öffentlichkeit präsentiert wurden und Spuren marsianischen Lebens sein sollen. Auch Pathfinder und Sojourner fehlen nicht. Unnötig sind die Spekulationen zu den Monumenten von Cydonia, in denen Horn eine Hinterlassenschaft von Atlantis erblickt. Das Buch erschien 1997, vor den neuen Bildern, die MGS von Cydonia zur Erde funkte. Doch bereits 1997 gab es Arbeiten von Johannes Fiebag, die belegten, das Cydonia nicht künstlichen, sondern natürlichen Ursprungs ist - zumal Atlantis selbst ein Phantasieprodukt ist und so von Horn eine Spekulation mit einer anderen erklärt wird. Vom Mars geht die Reise weiter zu den äußeren Planeten, ihren Monden, sowie den Kometen und Asteroiden. Auf der Weiterreise durch die Galaxie erfahren wir etwas über Geburt und Tod der Sterne sowie etwas über protoplanetare Scheiben, die erste Stufe zu Planetensystemen. Ausführlich wird von den Entdeckungen echter Planetensysteme bei fernen Sternen berichtet: 51 Pegasi, 70 Virginis oder 47 UrsaeMajoris. Doch Horn dämpft zu Recht die Erwartungen, hier könne man auf hochentwickeltes Leben stoßen. Von den extrasolaren Planeten ist es ein kleiner Schritt zu SETI, der Suche nach außerirdischer Intelligenz. Kontrovers und mit guten Argumenten wird das SETI-Projekt mit seinen Stärken und Schwächen diskutiert. Insgesamt zeigt Horn detailliert auf, welche Schwierigkeiten die Suche nach außerirdischer Intelligenz und die Kommunikation mit ihr mit sich bringt und wir genaugenommen gar nichts über Außerirdische wissen. Die Prä-Astronautik-Hyptohese (Paläo-SETI) wird angesprochen, wobei Horn aufgrund des nicht vorhandenen Beweises zu dem Ergebnis kommt, daß unsere Vorfahren keinen Besuch von Außerirdischen hatten. Auch die UFO-Thematik kommt kurz zu Wort - auch hier kann Horn nichts Außerirdisches finden. Von einigen Schwächen abgesehen hat mir das Buch wegen seiner Vielzahl aktueller Informationen gefallen. Ich kann jedem, der sich für die Thematik interessiert, die Lektüre von "Leben im Weltraum" empfehlen, zumal der Preis mit sensationell gering ist.