Ich hab dieses Buch zufällig in einer buchhandlung auf einem Stapel entdeckt. Der Untertitel " Ein Anschlag auf die Vertröstungsgesellschaft" sprach mir aus dem Herzen.
Dieses Buch hat mir genau das gegeben was ich gebraucht habe: Eine Stimme, die wachrüttelt und auf das Wesentliche hinweist - etwas was jungen Menschen heutzutage häufig vorenthalten wir.
Als Studentin, im Berufsorientierungsjungle, fand ich die Kritik, die Bruder Paulus an den Illusionen, die jungen Leuten über ihre vermeintlich planbaren, vermeintlich glücklichmachenden Karrieren, heutzutage gemacht werden, besonders gut. Er hat recht, wenn er sagt, dass die jungen Leute erstaunlich konform geworden sind und nur noch darauf aus sind ihr Leben "lebenslaufgerecht" zu gestalten. Wie oft höre ich den Satz: "ja, aber es macht sich gut im Lebenslauf". Keiner gestaltet seinen Alltag, sein Studium, sein Leben danach, was er/sie für richtig hält, sondern alles geht darum einem zukünftigen Personalchef, durch einen besonders herausstechendem Lebenslauf aufzufallen. Das sind die Ziele einer Generation geworden.
Dagegen wehre ich mich und finde es super, dass ein Kapuzinermönch dieses Kreuz unserer Zeit so scharfsinnig erkannt hat.
Weiter fand ich ansprechend, dass Bruder Paulus erkennt, inwieweit durch Internet und Fernsehen uns ständig vor Augen geführt wird, welches Leben wir vermeintlich "noch nicht" führen und wie wir aus Selbstflucht uns in Träume vom besseren Morgen, in dem man schöner, klüger, reicher, berühmter ist, als im tristen Jetzt, stürzt. Anstatt sein Leben als das zu erkennen, was es ist, und es voll "auszuleben".
Für mich war dieses Buch eines der erfrischendsten, mutmachendsten, wichtigsten Werke, die ich in letzter Zeit gelesen habe. Auf witzige Art und Weise führt Bruder Paulus Terwitte uns Vorurteile über das Klosterleben vor Augen und entlarvt gleichzeitig das Leben in unserer modernen Hochgeschwindigkeitswelt als absolut nicht zufriedenstellend.
Sehr treffend formuliert er die Krankheiten unserer Zeit und zeigt einen Weg mit dem man ein bisschen Heilung erlangen kann. Er betont wie wichtig es ist, als Mensch nicht immer die Bürden des Lebens selbst tragen zu wollen sondern dies zusammen mit Gott zu tuen. Sogenanntes Gottvertrauen.
Insgesamt ein leicht zu lesendes,gelungenes Werk, das wohl dringend notwendig war. Vielen Dank.