Kurzbeschreibung
Sonja Hilzinger erzählt die ungewöhnliche Biographie Inge Müllers als Einheit von Leben und Werk
Der Boden war zu dünn, auf dem sie ging, schreibt Christa Wolf, und stellt Inge Müller in die Tradition des aufrührerischen Denkens neben Irmtraud Morgner, Maxie Wander und Brigitte Reimann. Inge Müller wurde nach ihrem Tod zur Legende. Sie war eine nach Leben brennende Frau, traumatisiert und von Schmerzen heimgesucht, eine Autorin aus Leidenschaft, Mutter eines Sohnes, Geliebte eines viel jüngeren Mannes, in dritter Ehe mit Heiner Müller verheiratet, mit dem sie 13 Jahre in einer Lebens- und Arbeitsgemeinschaft liiert war. Sonja Hilzinger, Herausgeberin der Gesammelten Texte Inge Müllers, beschreibt sie als eine Frau der Widersprüche bis zur Zerrissenheit und zugleich von solch bodenständiger Lebenstüchtigkeit, wie eine preußische Erziehung sie hervorbringt. Ihre Talente hatte sie nicht nur in einer klaren gestischen und atemlosen Lyrik bewiesen, sondern auch mit Dramenbearbeitungen, Hörspielen und autobiographischen Erzählungen. Die Traumatisierung durch den Krieg holte sie immer wieder ein. Sie lebte süchtig: nach Liebe, Erfolg, Arbeit, Menschen und Drogen. Der Aufschub, den sie dem Kriegstod abgetrotzt hatte, lief ab: Mit 41 Jahren nahm sich Inge Müller das Leben. Am 13. 3. 2005 wäre sie 80 Jahre alt geworden.
Über den Autor
PD Dr. Sonja Hilzinger ist Privatdozentin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Mainz, Fachfrau für DDR- und Exilliteratur, seit ihrer 1986 bei Metzler erschienenen Monographie als Kennerin des Werkes von Christa Wolf anerkannt. 1996 gab sie bei dtv ein Lesebuch mit Erzählungen von Anna Seghers heraus; zu der 13-bändigen Seghers-Taschenbuchausgabe im Aufbau Verlag schrieb sie die Nachworte. Derzeit arbeitet sie an einem Buch über Inge Müller. Sie lebt in Berlin.