Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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89 von 95 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
"Marx - Engels - Lenin - Stalin - Maoooo Tse-Tung!" ..., 28. August 2008
... so skandierten Jungakademiker, die sich für eine aufklärerische Avantgarde hielten, vor einigen Jahrzehnten. Dabei konnte man auch schon damals wissen, dass nicht nur Lenin und Stalin, sondern auch Mao ein Massenmörder war. Wer Maos mörderisches Wirken (und die Heilsverblendung der akademischen Wiedertäufer im Deutschland von 1967 ff.) auch jetzt noch ignorieren möchte, sollte dieses voluminöse Buch nicht lesen. Wer aber der Praxis sozialistischer und kommunistischer Revolutionäre unerschrocken und illusionslos ansichtig werden will, muss es lesen.
Zehn Jahre lang haben die beiden Autoren Interviews geführt und in chinesischen und sowjetischen Archiven recherchiert.
Über 70 Millionen Tote hat Mao zu verantworten, in Friedenszeiten wohlgemerkt. Selbst Stalins und Hitlers gigantische Blutspuren können sich damit nicht messen. In jedem Jahr von Maos Herrschaft befanden sich rund 10 Millionen Menschen in Gefängnissen oder in Arbeitslagern; die jährliche Sterblichkeitsrate lag bei mindestens 10 Prozent.
Schon in seinen späteren Jugendjahren zeichnete sich der 1893 geborene Mao durch grenzenlose Selbstsucht und Verantwortungslosigkeit aus, er betrachtete sich als "Großen Helden", der Freude an Aufruhr und Zerstörung hatte. "Ich bin nicht der Ansicht, dass das Motiv des Handelns, um moralisch zu sein, dem Nutzen anderer dienen muss", so charakterisierte er im Alter von 24 Jahren seine Einstellung. Dieser Einstellung blieb er offensichtlich sein Leben lang treu.
Als pars pro toto seien hier nur eine Epoche aus Maos Herrschaftszeit herausgegriffen, nämlich der "Große Sprung nach vorn".
In den Jahren 1958 bis 1961 findet der "Große Sprung nach vorn" statt. Hinter diesem euphemistischen und megalomanen Jargon verbirgt sich nichts anderes als das nackte Elend. Chinas Ziel, so wurde proklamiert, sei es, "alle kapitalistischen Länder in recht kurzer Zeit zu überholen und zu einem der reichsten, fortschrittlichsten und mächtigsten Länder der Erde zu werden." Tatsächlich wurden den Bauern gewaltige Mengen an Lebensmitteln abgepresst. Vielerorts hatten sie nur noch Erdklumpen zu essen. Diese Zwangsabgaben ermöglichten 1959 den Export von 4,74 Millionen Tonnen Getreide in die UdSSR. Auch wurden mehrere 10 000 Tonnen Getreide zur Treibstoffgewinnung für Raketentests verwendet. Die Zahl der Schweine ging während des "Großen Sprungs nach vorn" um annähernd 50 Prozent zurück. Allein in diesen vier Jahren starben fast 38 Millionen an Hunger und Überarbeitung - die größte Hungersnot in der Geschichte der Menschheit. Selbstverständlich focht Mao dieses Massensterben nicht an, war er doch der Auffassung, dass "der Tod ein Grund zur Freude" ist: "Wir glauben an die Dialektik, deshalb können wir nicht gegen den Tod sein." Und: "Die Toten sind nützlich, sie düngen den Boden."
Während der von Mao nur zum absoluten Erhalt seiner Macht angezettelten Kulturrevolution (1966-76) starben - außerhalb der Gefängnisse - mindestens drei Millionen Chinesen eines gewaltsamen Todes.
"Ich weiß, sie tranken heimlich Wein / Und predigten öffentlich Wasser", schrieb Heinrich Heine. Auch auf Mao traf dieses Diktum präzise zu: "Persönlich pflegte Mao den ausschweifenden Lebensstil eines Monarchen und lud damit dem Land immense Kosten auf." Während er dem Volk ultra-puritanischen Verzicht abverlangte, gab er in seiner abgeschotteten Privatsphäre jedem sexuellen Gelüst nach. Massenhaft wurden ihm junge Frauen zugeführt. Auch in finanzieller Hinsicht war er kein Anhänger der Frugalität: "Der Einzige, der in Maos China Millionär wurde, war Mao selbst." Die Bauern, denen angeblich seine tief empfundene Sorge galt, waren ihm völlig gleichgültig. Mao war ein nicht nur ein Kleptokrat, sondern auch ein Psycho- und Soziopath schlimmster Sorte.
Mao starb 1976. Fast drei Jahrzehnte später beherrschen noch immer sein Portrait und sein Mausoleum den Platz des Himmlischen Friedens in der chinesischen Hauptstadt. Sein Konterfei schmückt jeden Geldschein. Wird sich die VR China jemals aus seinem Bann lösen können?
Einige Mängel des Buches soll nicht verschwiegen werden: Die Schriften Maos werden weder systematisch referiert noch interpretiert. Dies muss als Mangel angekreidet werden, nicht deshalb, weil Mao als bedeutender Autor und Theoretiker gelten kann, sondern weil sein Einfluss und seine Macht ohne seine Schriften gar nicht verständlich werden. Diktatoren und Despoten wirken nicht nur durch Gewalt und Terror, sondern auch durch Ideen, die in brüllbaren Losungen kommuniziert und diffundiert werden.
Ein zweiter Mangel besteht darin, dass nicht klar genug herausgearbeitet wird, warum Mao die diktatorische Macht, die er hatte, erlangen und behalten konnte. Diktatoren können nur herrschen, wenn sie hinreichend viele freiwillige Gefolgsleute haben. Warum sind so viele Personen Mao freiwillig gefolgt?
Ein dritter Mangel ist wohl der, dass mitunter so viele Bäume gezeigt werden, dass der Wald bisweilen aus dem Blick gerät. Die Darstellung der Kulturrevolution (1966-76) z. B. wird über 12 Kapitel verstreut.
Diese Kritik ändert freilich nichts daran, dass ich dieses Buch jedem empfehlen kann, der sich mit der Praxis totalitärer Despotie befassen möchte. Lenin, Stalin, Hitler und Mao gehören zu den schlimmsten Figuren des vergangenen Jahrhunderts. Sie verkörpern all das, was Liberale verabscheuen und bekämpfen.
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80 von 86 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das Große Monster endlich enttarnt , 2. April 2007
Zu den Merkwürdigkeiten der Gegenwartsgeschichte gehört, dass von den drei großen Monstern des 20. Jhdts. der größte und schlimmste von ihnen - Mao tse tung - erst relativ spät als solcher enttarnt wurden. Es hat immerhin ganze dreißig Jahre gedauert, bis das vorliegende Buch erschienen ist, die erste Biographie dieses großen Menschenschlächters, dem nicht weniger als siebzig Millionen Menschen zum Opfer gefallen sind. Auf dem Hinterrund unzähliger Interviews und eines geradezu monumentalen Quellenstudiums entfalten Jung Chang, die Autorin des Welterfolgs "Wilde Schwäne" und ihr Ehemann Jon Halliday auf knapp eintausend Seiten das Leben eines Mannes, der zum Schicksal seines Volkes wurde. In 58 Kapiteln und streng chronologischer Reihenfolge zeichnen die Autoren den Werdegang Maos vom Sohn eines wohlhabenden Bauern bis zum totalitären Diktator eines gleichgeschalteten Riesenreiches nach und kombinieren Persönlich-biographisches und mit Allgemein-geschichtliches zu einem imponierenden, aber gut lesbaren Kompendium der chinesischen Geschichte des letzten Jahrhunderts.
Für den Einsteiger, der sich wirklich für chinesische Geschichte interessiert gibt es nichts besseres, was aber hat dieses Buch dem etwas Eingeleseneren zu bieten? Ich meine dreierlei.
Zunächst bieten die Autoren eine Vielzahl von gut recherchierten und packend geschilderten biographischen Details, die man so noch nicht gelesen hat - etwa den Hass des jungen und arbeitsscheuen Mao auf seinen Vater und seine Lehrer, der erst die bizarren Ausschreitungen der Kulturrevolution verständlich werden lassen oder die Hinterlist, Menschenverachtung und Schläue, mit der der junge Parteistratege und Guerillataktiker erfolgreichere Konkurrenten wie Kuo-tao, Wang Ming und andere rücksichtslos ausschaltete. Beschämend sind die Umstände, in denen sich Mao während des langen Marsches in Sänften über die Berge tragen ließ, erschreckend sind die Ausmaße, die die blutrünstigen Säuberungen schon in der Kampfzeit der Dreißiger Jahre angenommen hatten. Nicht neu war mir die Begeisterung westlicher Intellektueller und Salonrevolutionäre wie etwa Edgar Snow, Simone de Beauvoir oder Pierre Trudeau, die durch ihre Verlautbarungen dem Psychopathen auf dem Drachenthron internationales Renommee verschafften. Schrecklich zu lesen, wie der amerikanische Außenminister Marshall 1946, als die Kommunisten fast geschlagen waren, dazu beitrug, einen Waffenstillstand mit der Kuomintang einzufädeln, der Mao schließlich retten und China damit ins namenlose Elend stürzen sollte.
Aber auch über die Personen im Umkreis des Diktators erfahren eine neue Einordnung. Der im Westen so hochgeschätzte Chou en-lai war kein Gemäßigter, sondern ein rückgradloser Kriecher vor Mao, ein herzloser Apparatschik, der die Exzesse des Großen Sprungs und der Kulturrevolution mit organisierte, seine eigene Adoptivtochter verkommen ließ und erst am Ende seines Lebens, als ihm Mao seine Krebsoperation verweigerte, sich gegen den Diktator wandte. Auch Lin Biao, der Erfinder des Roten Buches" war ein Psychopath allererster Ordnung, nicht weniger als seine durchgeknallte Ehefrau, ganz zu schweigen von Madame Mao, die manifest schizophren gewesen sein muss und den Kanaillen der Viererbande. Aber neben diesen Figuren, das ist einer der größten Vorzüge des Buches, wird auch eine ganze Galerie von Aufrechente und Helden vorgestellt, die sich dem Wahnsinn des Völkermörders entgegenstellten und deren Namen es verdienen, erinnert zu werden - allen voran Liu chao chi, der nach dem so genannten "Großen Sprung", als dreißig Millionen Menschen verhungerten, Mao auf der berühmten "Konferenz der 7000" offen zu widersprechen wagte und dafür zusammen mit seiner Frau später furchtbar büßen musste. Andere Beispiele sind die junge Studentin Wang Rong, die inmitten des Taumels der Kulturrevolution einen Protestbrief an Mao schrieb und sich vor den Toren der Verbotenen Stadt umbrachte oder General Chen, der es 1968 wagte, dem Alleinherrscher Mao im Namen der Vernunft zu widersprechen und der dafür später sterben musste. Am erstaunlichsten aber erscheint der Lebenslauf und die Leistung von Teng tsia ping, dem kleinen Agilen aus Szechuan, der noch zu Lebzeiten Maos das Staatsschiff behutsam neu justierte und die Grundlagen für den enormen Aufschwung schuf, den China heute erlebt.
Schließlich werden drittens bestimmte Kapitel der chinesischen Revolutionsgeschichte ganz neu dargestellt. Eine so schlüssige Abhandlung über die Vorbereitung und die Phasen der schrecklichen Kulturrevolution" wird man lange suchen müssen - ebenso wie eine vergleichbare Schilderung des Auf und Ab des chinesischen Bürgerkrieges zwischen Chiang kai tschek, Mao, den Japanern und den Russen. Fast erlösend wie ein happy end wirkt das Ende, als Mao elend an Lateralsklerose elend zugrunde geht und erst dann, aber wirklich erst dann, seine unheilvolle Macht verliert.
Alles in allem eine Biographie der Sonderklasse, jedem zu empfehlen, der sich für China ernsthaft interessiert aber auch eine Buß- und Pflichtlektüre für all die Deppen, die 1968 bei uns mit dem Roten Buch des "Großen Vorsitzenden" durch die Gegend gelaufen sind.
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46 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Demontierung des Mythos Mao, 4. März 2006
Wenn von den drei wichtigsten Diktatoren des vergangenen Jahrhunderts die Rede ist, werden im Allgemeinen Hitler, Stalin und Mao genannt. Entsprechend viel wurde über diese drei historischen Figuren dann auch geschrieben und publiziert. Das Problem mit Werken über Diktatoren dieses Ausmaßes ist dabei immer, dass viele Informationen über die Personen nicht an die Öffentlichkeit kommen, solange das Regime noch an der Macht steht. Über Hitler wurde schon sehr früh viel in Erfahrung gebracht: Schon ab Ende des zweiten Weltkrieges 1945, als sein Deutsches Reich zerschlagen wurde. Vieles von dem, was wir heute über Stalin wissen, der immerhin auch schon 1953 verstarb, wissen wir dagegen erst seit 1991, als die Sowjetunion zerbrach. Bei Mao ist es noch extremer, denn die Kommunistische Partei Chinas ist noch heute an der Macht. Und so werden auch heute noch viele geheime Dokumente unter Verschluss gehalten, und die Propagandamaschinerie der Partei arbeitet auch weiterhin. Unter dieser Tatsache litten bislang alle Biografien, die über Mao geschrieben wurden. Selbstverständlich hatten auch Jung Chang und Jon Halliday mit diesem Problem zu kämpfen. Allerdings ist es ihnen gelungen, viele bisher unbekannte und/oder öffentlich nicht publizierte Quellen zu verwenden. Und genau dies ist die große Stärke dieses Buches: Das Geschriebene basiert auf einem ungewöhnlich umfangreichen Quellenmaterial. 145 Seiten des Anhangs nehmen die Quellenangaben ein. Darunter finden sich Namen von Zeitzeugen und Politikern, Staatsarchive aus vielen Ländern (Darunter Russland, USA, Deutschland, Großbritannien, selbst Großarchive der Volksrepublik China!) und hunderte von sonstigen Quellen und Büchern. Entsprechend nahmen die Arbeiten an diesem Buch auch über eine Dekade in Anspruch.Die Biografie ist gut 800 Seiten stark, und in sechs Hauptteile gegliedert, die wiederum in mehrere Kapitel unterteilt sind. Erzählt wird Chronologisch, wobei sich die Unterkapitel der Hauptteile nicht an Jahren, sondern an Ereignissen orientieren, und sich dementsprechend zeitlich oft überschneiden. Der erste Teil befasst sich mit Mao als Jugendlichem und jungem Anhänger der kommunistischen Partei (1893-1927). Sein Aufstieg zum Führer dieser Partei wird im zweiten Teil beschrieben (1927-1935). Im dritten Teil wird dargelegt, wie er seine neu errungene Macht festigen konnte (1935-1945), bis es im vierten Teil um die Eroberung Chinas geht (1945-1953). Die letzten beiden Teile Fünf und Sechs handeln von Maos Bestreben, sein Land zu einer militärischen Supermacht aufzubauen (1947-1965), und letztlich von seinem Kampf gegen innerparteiliche Widersacher. (1965-1976) Bei der Nacherzählung von Maos Leben machen die Autoren immer wieder deutlich, wie stark sein ganzes Handeln immer von seinem Machtbestreben gelenkt war. Es wird klar, dass ihm eigentlich nichts an der Installation seines wirklich Sozialistischen oder gar Kommunistischen Systems lag, sondern dass es ihm lediglich um eine totalitäre Diktatur, mit ihm an der Spitze ging – Egal, nach welchem System. Von seiner hässlichsten Seite präsentiert sich Mao, wenn es um die Bevölkerung des eigenen Landes geht: Ungeschönt werden die Gründe für den unnötigen Tot von rund 70 Millionen Chinesen unter Maos Herrschaft offengelegt. Immer wieder gehen Jung Chang und Jon Halliday dabei auf die wesentlichen Charakterzüge von Mao ein, und zeichnen auf diese Weise das Bild eines gefühlskalten Sadisten – Charakterzüge, die ihn über 20 Jahre an der Macht hielten. Noch nie zuvor wurde Maos Leben so detailliert und ausführlich erzählt. Durch den flüssigen Schreibstil und die logische Gliederung, ist das Buch zudem sehr einfach zu lesen. Einziger Kritikpunkt ist die starke Einseitigkeit. Vorhandene Talente und Fähigkeiten Maos werden komplett übergangen, so dass sich unweigerlich die Frage stellt, wie ein unfähiger Mann so lange an der Spitze bleiben, den ebenfalls kühl berechnenden Stalin zeitweise ausnutzen, und selbst Anti-Kommunisten wie US-Präsident Nixon um den Finger wickeln konnte. Welche Wesenszüge diesen Menschen zu solchen Dinge befähigten, wird leider nicht behandelt. Trotz dieser Einseitigkeit, bleibt das Werk ein hervorragendes und wichtiges Sachbuch, und die beste Biografie über Mao, die bislang erschienen ist. Der Mythos, den der Personenkult um Mao in China geschaffen hat, und der vor allem durch die 68er-Bewegung auch in die westliche Welt getragen wurde, wird mit diesem Werk demontiert.
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