Aus der Amazon.de-Redaktion
"Wichtig ist auf'm Platz." Oder: "Nach dem Spiel ist vor dem Spiel." Brauchen wir noch mehr solche Fußballer-Weisheiten, die uns diesen Sport im Besonderen und das Leben im Allgemeinen erklären? Bevor ich
Leben bis Männer gelesen habe, hätte ich Nein gesagt. Doch nach diesem atemlosen Monolog eines Vereinstrainers aus der Magdeburger Börde revidiere ich meine Meinung gerne.
Hier spricht kein seriöser Nadelstreifen-Stratege à la Hitzfeld, kein neunmalkluger Fußballintellektueller, sondern ein bierbäuchiger Malocher, der die Linien noch eigenhändig kalkt und die Eckfahnen in den Boden rammt. Was man als cholerisches Brüllen am Spielfeldrand missverstehen könnte, nennt er "leidenschaftliches Denken". Genau das führt er dann ausführlich vor, das springt und flitzt so unvorhersehbar wie die Lederkugel auf dem holprigen, regennassen Fußballacker: vom Frauenfußball zum Mauerschützenprozess, vom Torwandschießen zur Kolonialmacht England. Kein Wunder, denn "Fußball ist alles" -- und alles ist Fußball.
Irgendwie schafft es Brussig, uns diesen ostalgischen Grantler sympathisch zu machen. Nicht immer schmeckt einem die Mischung aus gesundem Menschenverstand und gesundem Volksempfinden, doch man erfährt hier mehr über ostdeutsche Befindlichkeiten als in den meisten Artikeln und Reden zum 3. Oktober. Mit ein Grund dafür ist der schlagende Witz, der mal an Karl Valentin ("zu wenig Fuß im Gehirn"), mal an Harald Schmidt erinnert: Warum muss man sich um die Zukunft des deutschen Fußballs keine Sorgen machen? Weil die besten Spieler bekanntlich aus den Slums kommen. Oder der Grund für die kurze Blüte seines Sportgeschäfts: "Von Baseballschlägern allein kannste auf Dauer auch nicht überleben". Gegen Ende hört der Spaß dann auf, sogar der Fußball wird plötzlich zweitrangig.
Fazit: Reporter Brussig bleibt immer dicht am Mann, berichtet hart, aber fair. Das Buch hat neunzig Seiten -- und am Ende gewinnen die Leser. --Patrick Fischer
Amazon.de-Hörbuchrezension
Ein fetter Happen Amüsement. Brussigs Text eines Fußball-Irren hat in Manfred Krug den idealen Sprecher gefunden. Die große Abrechnung eines Fußballdespoten vom platten Land bei Magdeburg gewährt knapp anderthalb Stunden lang einen Blick in die Gemütsganglien der Nation. Der bierschaumgeborene Stammtisch-Sound zeigt, wie Männer gern denken. Wir hören uns alle selbst zu. Krug: "Er sagt ja Sachen, die du auch schon gedacht hast."
Manfred Krug verlebendigt den bundesdeutschen Gesamtspießer ostdeutscher Ausprägung -- "du wanderst durch seine Seele wie durch einen ziemlich gruseligen Wald" (Krug) -- mit den typischen Ehrlichkeitskicksern, die nur ihm zur Verfügung stehen. Und er spricht den Text so, dass man sich das ganze als Film wünscht, um ihm auch zusehen zu können.
Statt Booklet existiert bloß eine Art Beipackzettel. Immerhin reicht der für sechs Zeilen Text von Manne Krug persönlich, die obigen Zitate stammen daraus. Wieder einmal nimmt man mit Vergnügen wahr, wie gut Liebling Kreuzberg auch zu schreiben versteht.--Michael Winteroll
Lesung, Spieldauer 45,56 und 36,38; 2 CDs, knappe Vorstellung von Autor und Sprecher im beiliegenden Doppelblatt.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.