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Produktinformation
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Unglaublich, der Planet Mensch ist von Billionen von Kreaturen bevölkert. Auf jede Zelle unseres Körpers kommen rund zehn Viecher, von denen die meisten allerdings harmlose oder nützliche Untermieter sind. Einige aber auch nicht, und erst mit denen hat der Leser dieses Buches natürlich seinen Spaß. Zum Beispiel wenn es um die Flohfallen in der Unterwäsche der Damen des vergangenen Jahrhunderts geht oder über die Vorlieben von Filzläusen. In diesem herrlich salopp geschriebenen Buch finden sich alle ekeligen und fiesen Dinge, die uns zu dem machen, was wir sind. Allein die Exkursion ins Reich der menschlichen Düfte ist eine heitere und lehrreiche Gratwanderung zwischen Lust und Abscheu. Dann zeigt sich, dass sich andere -- bisweilen nicht minder grausige -- Bewohner durchaus anständig benehmen und Gutes tun. Man stelle sich nur einmal die wabernden Heerscharen pulsierender weißer Fliegenmaden auf einer offenen Wunde vor. Tatsächlich haben manche, deren Bein schon fast zur Amputation verdammt war, diesem Treiben dankbar zugeschaut und können seither keiner Fliege etwas zu Leide tun.
Jörg Blech zeigt aber auch, was passiert, wenn wir mit den Guten im Streit liegen... Wie Urängste der Grund dafür sind, dass Michael Jackson mit Mundschutz durch die Gegend fährt und dass peinliche Sauberkeit krank machen kann. "Bakterien, Einzeller und Pilze bilden 90 Prozent dessen, was wir für unseren Körper halten" sagt er, und wenn man dem Kreuchen und Fleuchen schon nicht zuschauen kann, dann sollte man wenigstens etwas darüber lesen! --J. Schüring
Ökologisch betrachtet ist der Mensch nichts anderes als ein ungewöhnlich artenreiches Biotop. Denn auf unseren äusseren und inneren Oberflächen gedeihen Hunderte verschiedener Bakterienarten – mehr als 500 sind es allein im Mund. Hinzu kommen Viren, Pilze, Amöben und Flagellaten, die sich in den verschiedenen «Feuchtbiotopen», von der Achselhöhle bis zu den Genitalorganen, tummeln. Wie in einem Ökosystem üblich profitieren die diversen Partner gegenseitig. So unterstützen Mikroorganismen unsere Verdauung, sie stellen uns diverse Vitamine und Spurenelemente zur Verfügung, «trainieren» die körpereigenen Abwehrmechanismen und bestimmen über spezifische Körperdüfte nicht nur unser Sexualverhalten mit. Für die Infektionsmedizin dagegen sind die Heerscharen körperfremder Bewohner in erster Linie biologische Risikofaktoren, die gravierende, ja manchmal akut lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen können.
Dass diese konträren Sichtweisen in Wirklichkeit unterschiedliche Aspekte eines ungemein vielschichtigen Sachverhalts sind, ist Inhalt des Buches «Leben auf dem Menschen». Auf gut 200 Seiten ist von «Gesundheitserregern» und krankmachenden Mikroben die Rede, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass sie auf und in uns leben. Autor ist der Biologe Jörg Blech, Wissenschaftsjournalist des deutschen Nachrichtenmagazins «Der Spiegel». Unterhaltsam geschrieben und leicht zu lesen, wird nahezu das gesamte Spektrum altbekannter und neu entdeckter Erreger abgehandelt, die uns von der Wiege bis zur Bahre begleiten – von harmlosen Schmarotzern über lebenswichtige Symbionten bis hin zum gefährlichen Opportunisten.
Bei der offensichtlichen Liebe zum Detail hätte man vom Autor allerdings erwartet, dass biomedizinische Fakten mit entsprechender Genauigkeit wiedergegeben werden. Zahlreiche falsche Angaben zeugen dagegen von einer gewissen Schludrigkeit bei der Fertigstellung des Buches. (Pars pro toto: die typische Reisediarrhöe wird nicht durch Shigellen verursacht; nicht Mücken übertragen die Schlafkrankheit, sondern die Tsetsefliege – und schliesslich werden Menschen gegen die Malaria nie immun.) Wer sich in der grossen Welt der Mikroorganismen nicht auskennt, vielleicht sogar Horror vor allen Arten von Bakterien hat oder Parasiten jedweder Grösse und Form als ekelhaft empfindet, wird beim Streifzug durch «die Geschichte unserer Besiedler» trotzdem viel Neues und Interessantes entdecken.
Hermann Feldmeier
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