Das Buch ist nicht gerade erhellend. Alte Theorien neu formuliert. Das Rad sozusagen neu erfunden. Außerdem ist das Buch nicht schlüssig. Erst soll man sich nicht an Leuten orientieren, denen es schlechter geht. Die Noch-Glücklicheren dieser Welt sind die Meßlatte. Schon im nächsten Kapitel wird relativiert bzw. revidiert. Hier ist es ein Glück wenn man in Deutschland mit Kärtchen zum Arzt (am besten in seine Praxis) gehen kann. Man stelle sich im Gegensatz hierzu die armen Menschen am Amazonas vor. Später wird Glaube & Religion als Lösung angeboten, obwohl unser Glücksprediger immer wieder von der Kanzel schreit: "Nehmt Euer Glück selbst in die Hand". Warum, wenn mir doch die Heilige Dreifaltigkeit den Job abnimmt?
Dann der schon fast obligatorische Vergleich mit Amerika (und dem Blend-a-Med Lächeln) bzw. anderen Nationen. Abgedroschen und nicht wahr. Eine Suizid-Rate von 10.7 % in den USA und eine der höchsten Mordraten der Welt sind ein klarer Index für eine zufriedene Gesellschaft. Ach ja, da sind ja noch die armen Staaten Vietnam und der aufstrebende Tiger China. Alle sind sie optimistisch für die Zukunft. Ich sag nur: "Die Hoffnung stirbt zu letzt.". Ein gängiger immer währender Mythos, der gerne in den Industrienationen verbreitet wird. Wie gerne wären wir arm und glücklich. "Geld regiert die Welt" ist Out. Auch das Vorurteil Deutsche gehen in den Keller zum Lachen ist Quatsch mit Soße.
Ich sage nur "Jeder ist seines Glückes Schmid" und da braucht es so einen trivialen Ratgeber nicht. Auch nicht der tolle Tipp Ernährung, Gesundheit und Wohlbefinden gehören unweigerlich zusammen. Wie definiert der Autor eigentlich einen Miesepeter oder eine Miesepetra? Klagen und damit sich mitteilen kann auch Streß abbauen. Nur zu sagen Friede, Freude, Eierkuchen scheint mir nicht genug. Meckern gehört zum Mundwerk, wie das Klappern zum Handwerk.
Unter dem Deckmäntelchen Glück werden Ernährungsanleitungen und ein Fitnessprogramme verwurstet. Dieses hat der Autor aber schon in seinen Büchern "Fit Forever" und "Dr. Spitzbart's Gesundheits-Praxis" etc. verbraten. Nun wird halt noch eine Synapse zum Glück aufgebaut. Nüsse, Körner, Hülsenfrüchte und es braucht nicht mehr die Volksbanken Reifeisenbanken um den Weg frei zu machen. Wow.
Außerdem stört mich persönlich die Werbung für Produkte, seine Seminare und seine Praxis.
Ironie des Schicksals. Das Buch wurde mir von einer Person geschenkt, die auch gerne vom halbvollem statt dem halbleeren Glas schwafelt. Gleichzeitig hat diese Person das Talent Menschen gegen sich aufzubringen und Missstimmung zu sähen.
So jetzt fühl ich mich frei und glücklich auch wenn die Rezension aus der negativen Gehirnhälfte entstanden ist. Die wundersame Wandlung vom Stinkstiefel zum Glücksritter mit Hilfe des geschriebenen Wortes.
P.S. Dem Autor sei sein Geld und sein Zuffenhausener Auto gegönnt, das er mit diesem Buch verdient. Neid ist also kein Motiv für meine Rezension.