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Leben!: Roman
 
 
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Leben!: Roman [Taschenbuch]

Yu Hua , Ulrich Kautz
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (4. August 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442737745
  • ISBN-13: 978-3442737741
  • Originaltitel: Huozhe
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 11,8 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 305.784 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Hua Yu
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

So ist es halt, das Leben

Yu Hua verharmlost die chinesische Geschichte

Was wohl will uns das Ausrufezeichen im deutschen Titel von Yu Huas Roman «Leben!» signalisieren? Ist es eine Apostrophe an das Leben an und für sich, oder steht es für das trotzige «Weiter so!» einer vom Leben nicht eben verwöhnten Kreatur? Sowohl das eine wie das andere – und doch auch viel weniger: es markiert schlicht die Übernahme des Filmtitels, den der chinesische Starregisseur Zhang Yimou 1994 seiner Kino-Adaption gegeben hat. Diese weicht in etlichen Punkten von der Romanvorlage aus dem Jahre 1992 ab, und der Vergleich mit dem nun nachgereichten «Buch zum Film» fällt nicht unbedingt zugunsten des Buches aus. Der Text konfrontiert das Publikum mit einer geballten Ladung an Schicksalsschlägen, ohne reflektierende Distanz zum Erzählten erkennbar werden zu lassen.

Rückblenden

In einer Rahmenhandlung führt der Autor Yu Hua, von Hause aus Mediziner (geboren 1960 in Hangzhou), einen wandernden Sammler «bäuerlicher Volksdichtung» als Erzählfigur ein. Dieser stösst bei seinen Recherchen auf einen alten Bauern mit seinem Ochsen – ein bewährtes literarisches Gespann, dem Shen Congwen bereits 1929 die Erzählung «Der Ochse» gewidmet hat. Im Laufe eines langen Arbeitstages erzählt der verschmitzte Alte während der Pause in Rückblenden seine erschütternde Lebensgeschichte, die den Hauptanteil des Buches ausmacht.

Mit diesem einfachen narrativen Kunstgriff unternimmt Yu Hua den ehrgeizigen Versuch, das halbe Jahrhundert volksrepublikanischer Geschichte vom Ende des Bürgerkriegs bis in die neunziger Jahre in Form der oral history exemplarisch am Leben von Xu Fugui, seiner Frau Chen Jiazhen und ihren beiden Kindern, der stummen Fengxia und ihrem Bruder Youqing, darzustellen. So erfahren die Leser in einfachen Worten, wie der Grundbesitzersohn einst das Erbe verspielte, als Kleinbauer zunächst von Chiang Kaisheks Bürgerkriegstruppen zwangsrekrutiert und später von Maos Volksbefreiungsarmee befreit wurde. Aus Xus naiver Perspektive erlebt man alsdann die Landreform und die Einführung der Volkskommunen mit, wird Zeuge der Hungerkatastrophe nach dem absurden «Grossen Sprung nach vorn» (1958/59) und der Brutalitäten während der Kulturrevolution ab 1966.

Schlag auf Schlag, im Gleichklang mit den Schrecken der Politik in der Volksrepublik, folgen auch die Leiden der Familie Xu: dem Sohn wird beim Blutspenden für eine Funktionärsgattin der letzte Tropfen Lebenssaft ausgesogen, die von Knochenerweichung aus Mangelernährung gezeichnete Ehefrau schuftet sich zu Tode, die Tochter stirbt im Kindbett und der Schwiegersohn bei einem Arbeitsunfall. Als der Enkel sich schliesslich an Saubohnen zu Tode isst, weil er derartige Leckerbissen nicht gewohnt ist, bleibt der Alte ganz allein zurück. Seine entspannte Weltsicht ist dem bedauernswerten Xu aber wunderbarerweise über alle Zeitläufte hinweg erhalten geblieben, die persönlichen Folgen der politischen Desaster nimmt er stoisch als Schicksalsschläge hin. Der Erzähler bestaunt seinen Informanten deswegen, ihm erscheint der seelisch anscheinend vollkommen unversehrte Xu Fugui als Inbegriff des genügsamen chinesischen Menschen schlechthin.

Traurige Mär

Yu Hua wirkt als Autor, der es besser wissen müsste, freilich nicht sehr glaubwürdig, wenn er nirgendwo durchschimmern lässt, er habe mehr Einblick in die gesellschaftlichen Zusammenhänge als die Erzählerfigur und sein Held oder er halte es angesichts der immanenten Komik, die in der schieren Unzahl schrecklicher Vorkommnisse liegt, wenigstens mit höheren Instanzen wie Ironie und Verfremdung. Anders als der Film und anders als beispielsweise Su Tong mit seiner zynischen Dekonstruktion chinesischer Familien- und Gesellschaftsideale in dem Roman «Reis» (vgl. NZZ vom 27. 1. 98) lässt der eher versöhnlerisch anmutende Roman allen Katastrophen zum Trotz keine grundlegenden Zweifel am sozialistischen Herrschaftssystem anklingen.

Nach so viel Unglück, das ein namenloses, nur hie und da vorsichtig auch als KP Chinas dingfest gemachtes «Schicksal» über den Mitgliedern verschiedener Generationen einer einzigen Familie abgeladen hat, schreckt Yu Hua nicht davor zurück, seine Saga über das Leben an und für sich in Sonnenuntergangs-All-Einigkeit enden zu lassen. Dem Übersetzer Ulrich Kautz ist es gelungen, die traurige Mär mit all ihren Facetten und tragikomischen Einzelepisoden angemessen stimmungsvoll und werkgerecht zu übertragen. Ob dieser Roman allerdings auch ohne vorherige Verfilmung und Übersetzung ins Englische einen deutschsprachigen Verleger gefunden hätte, ist fraglich.

Christiane Hammer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Pressestimmen

"Ein chinesischer Grimmelshausen." (Nürnberger Zeitung )

"Das Wort 'großartig' erscheint gegen dieses Buch klein." (Berliner Zeitung )

"Geradlinig und ungekünstelt beschreibt Yu Hua eine uns fremde Welt." (Der Tagesspiegel )

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
11 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von FG
Format:Taschenbuch
Ein junger Intellektueller reist durch das China der 1980er Jahre mit dem (offenbar hochoffiziellen) Auftrag, "bäuerliche Volksdichtung" zu sammeln. Er trifft auf den allein lebenden alten Bauern Fugui, der just mit der Feldarbeit beschäftigt ist, und Fugui beginnt ohne Umschweife damit, die Geschichte seines Lebens zu erzählen.

Der Klappentext verspricht "Lehr- und Wanderjahre eines chinesischen Abenteurers" und liegt damit völlig daneben, denn Fugui kann zwar auf ein ereignisreiches Leben zurückblicken, hat jedoch niemals das Abenteuer gesucht: Er ist ein einfacher Mann ohne jegliche Bildung, dessen Leben vom chinesisch-japanischen Krieg bzw. dem chinesischen Bürgerkrieg bis hin zur Kulturrevolution stellvertretend für das von Millionen seiner Landsleute steht.

Der in seinen Stärken und Schwächen realistisch gezeichnete Fugui wird zum Spielball von Interessen, die er selbst kaum begreift, und sämtliche nur denkbaren Opfer werden dabei ihm und seiner Familie abverlangt. Yu Hua schildert die Geschehnisse konsequent aus der Perspektive und folglich mit den simplen Worten des greisen Bauern, und er arbeitet dabei Machtmissbrauch und unsinnige Entscheidungen der Herrschenden umso deutlicher heraus: So muss in den Jahren nach dem Sieg der Kommunisten jeder Dorfhaushalt seine Kochtöpfe abliefern, um daraus "drei Kanonenkugeln zu machen. Damit beschießen wir Taiwan: Die erste trifft Tschiang Kai-schecks Bett...". Dass niemand im Dorf Ahnung von der Stahlerzeugung hat und das Unternehmen ökonomisch völlige Idiotie ist, stört dabei zunächst nicht. Ebenso verheerend wirkt auch der Entschluss, ohne jegliche Vorbereitung Feldarbeit und Viehzucht zentral zu organisieren. So vernichten Misswirtschaft und Gleichgültigkeit ("Dein Vieh ist es nicht mehr!") den Tierbestand der Dörfler. Als die Nahrungsmittel zur Neige gehen, wird den Menschen einfach geraten, sich neue Kopftöpfe zu besorgen... von nun sei jeder wieder für seinen Nahrungserwerb selbst verantwortlich.

Fugui nimmt alle Wendungen seines Lebens mal stoisch hin, mal zeigt er so etwas wie impulsiven Widerstand. Gerade seine Leidensfähigkeit, um nicht zu sagen sein Ausgeliefert-Sein, trifft den Leser ins Mark. "Leben" kommt vollkommen ohne Pathos und große Worte aus und wird so den realen Tragödien gerecht, die hinter den Schilderungen des fiktiven Protagonisten stehen. Eine starke Lektüre - verwunderlich, wie sie durch die Zensur der VR China gekommen ist.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Bei der Lektüre des ersten Kapitels hat man über etwa zehn Seiten hin den Eindruck, in einen Schelmenroman eingeführt zu werden. Der Ich-Erzähler berichtet von seinem "Faulenzerjob", der ihn aufs Land führt, wo er auftragsgemäß bäuerliche Dichtung sammelt. Wie mit ein paar Pinselstrichen skizziert er ein pralles ländliches Leben mit erotischen Abenteuern und einer die Einleitung abschließenden idyllischen Szene: Ein vergnügter alter Mann namens Fugui, was "der Glückliche und Edle" bedeutet, pflügt mit seinem Ochsen im Reisfeld. "Später an diesem Nachmittag setzte er sich zu mir unter jenen üppig belaubten Baum und erzählte von sich."

Und von nun an ist es die Ich-Erzählung dieses alten Mannes, die fast den gesamten Roman ausmacht. Die Einleitung, Teil einer äußerst knappen Rahmenhandlung, hat wohl nur die Funktion, in aller Kürze zu zeigen, wie oberflächlich und gelangweilt ein städtischer Intellektueller der jüngeren Generation das Leben der Bauern aufnimmt. Ein solcher Intellektureller ist offenbar der Erzähler der Rahmenhandlung, der den Bauern meistens müde gegenübertritt, so daß er bei ihnen als der "Gähner" bekannt ist.

Was der alte Mann aber erzählt, ist alles andere als eine gefällige Geschichte vom lustigen Leben auf dem Lande. Im Grunde wird nun die wechselvolle Geschichte Chinas der letzten 50 Jahre erzählt, und zwar als die Lebensgeschichte des alten Mannes und als Niedergang einer Familie.

Fugui, der Sohn eines Gutsbesitzers, verspielt den ererbten Besitz und wird zum Tagelöhner. Vom zum Kriegsdienst gepreßten Guomindang-Soldaten, vom Kriegsgefangenen der Roten Armee, vom Mitglied der Volkskommune bis zum einsamen alten Bauern mit seinem Ochsen auf wieder privatisiertem Besitz spannt sich ein Lebensschicksal, das härter nicht sein kann. Nach und nach sterben alle Mitglieder seiner Familie, weil die gesellschaftlichen Verhältnisse, und zwar politische Willkür, Armut und Not, kein menschenwürdiges Leben ermöglichen. In der Erzählung des alten Mannes treten die Schicksalsschläge derart unvermittelt ein, daß man als Leser geradezu betroffen innehalten möchte, weil man gar nicht glauben kann, daß auch der nächste furchtbare Schlag von diesem armen Menschen noch ertragen werden soll.

Der Roman liest sich wie ein flüssig und in einfacher Sprache geschriebener Bericht, dessen Begebenheiten durch wörtliche Rede und treffende Beschreibung eine große Anschaulichkeit und damit auch Glaubwürdigkeit erhalten.
Angesichts der großen sprachlichen Ferne zwischen dem Chinesischen und Deutschen ist die Arbeit des Übersetzers besonders hervorzuheben, denn es ist ihm gelungen, den Roman so zu übertragen, daß er sich glatt liest und die sprachliche Gestaltung der inhaltlichen Seite entspricht und angemessen erscheint.

Das unermeßliche Leid der Millionenbevölkerung Chinas in den Jahren von Bürgerkrieg, kommunistischer Machter- greifung, Hungersnot und Kulturrevolution kann wohl kaum besser verdeutlicht werden.

Dieser Roman ist ein Beleg dafür, daß durch die Literatur ein wesentlicher Teil der historischen Dimension des Menschen erfahrbar wird, weil sie die Geschichte an Personen konkret macht, für die der Leser Mitgefühl hat.

Ganz zum Schluß nimmt wieder der Erzähler der Rahmenhandlung seinen Faden auf, indem er die eingangs erwähnte ländliche Szene beschreibt: Der alte Mann am Pflug hinter seinem Ochsen, mit dem er spricht, entfernt sich und singt das Lied seines Lebens: "Junger Mann stromert rastlos umher, reifer Mann strebt nach Wohlstand sehr, alter Mann wird Mönch und will gar nichts mehr".

Im Klappentext wird wohl nicht zuletzt wegen dieses Schlusses folgende Deutung des Romans gegeben: "Der stoische und letztlich triumphierende Lebenswille des einzelnen ist seine Botschaft." Allerdings bildet die Rahmenhandlung für die schreckliche Lebensgeschichte des alten Mannes eine recht knappe Einbettung, die zudem noch Bilder einer freundlich-ländlichen Idylle enthält. Vielleicht sind diese malerischen Szenen ein Zugeständnis an den Film, für den sie eine gute Drehbuchvorlage sein dürften.

Über den letzten Satz des Romans und seinen künstlerischen Wert wird man nachdenken müssen. Er beschreibt den Einbruch der Nacht. Der Autor bedient sich hier plötzlich einer poetisierenden Sprache, die für die Gesamtheit des Textes nicht typisch ist: "Ich sah, wie die weite Erde ihre starke Brust entblößte - ein Ruf war das: Wie die Frauen ihre Söhne und Töchter, so rief die Erde die Nacht."

Günther Miklitz

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Mag Wolfgang Neubacher TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Fugui - "der Glückliche und Edle" - erzählt einem jungen Mann, der übers Land fährt und bäuerliche Dichtung sammeln soll, sein Leben: Fugui stammt aus einer reichen Gutsbesitzersfamilie. Schon sein Vater brachte einen Teil des Besitzes durch; Fugui selbst verliert dann alles auf Grund seiner Spielsucht und wegen seiner vielen Bordellbesuche. Selbst seine Frau kann dies nicht verhindern.
Er kämpft dann - natürlich nicht freiwillig - aufseiten der nationalchinesischen Truppen gegen die Rote Armee und wird von dieser gefangengenommen. Wird er jemals zu seiner Familie zurückkehren?
"Leben" ist ein großartiger Roman über 50 Jahre China ab den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts, dargestellt am Beispiel des einfachen Bauern Fugui. Ihm spielt das Leben wirklich übel mit (mehr sei nicht verraten); trotzdem verliert er seinen Lebensmut nicht.
Ein wahrhaft epochales Werk, dem man - auch wenn das Buch nicht mehr neu ist - viele, vor allem jugendliche Leser wünscht! (Und man fragt sich, wie dieses Werk durch die Zensur rutschen konnte!)
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